Wohnen an der Woltersdorfer Schleuse


An der Schleuse, gegenüber der Konditorei Knappe, wuchsen übers Jahr drei dreistöckige Häuser aus dem Boden. Sie sind soweit gediehen, dass jeder sich ein Bild darüber machen kann. Diese drei wuchtigen Blöcke werden in Zukunft das Bild der Besucher von der Woltersdorfer Schleuse prägen. Das andere Woltersdorf an der Schleuse, mit seinen schönen alten Häusern, seiner Straßenbahn, dem alten Pflaster, wird in den Hintergrund treten. Es könnte passieren, das selbst die Schleuse optisch nur noch als Beiwerk der Neubauten gesehen wird. Wie bei fast allen Neubauten suche ich auch hier das Einmalige, die architektonisch planvolle Auseinandersetzung mit der gebauten menschlichen Umwelt. Ich fand sie auch hier nicht. Warten wir’s ab, ob die üppigen Baulichkeiten der Woltersdorfer Schleuse zum Segen oder zum Fluch gereichen werden.

Der Bauzaun ist mit Plakaten geschmückt. Dort steht geschrieben, dass die Bauherren die fast fertigen Wohnungen verkaufen möchten. Alles Mögliche wird dort bekannt gegeben. Die Größe der Wohnungen. Balkone und Terrassen werden angeboten. Abstellplätze für Autos und selbstverständlich ein Aufzug. Die ganze Ankündigung wird überschrieben mit: „Wohnen und leben in Woltersdorf.“

Die Straßenbahn will in der Schleusenstraße ihre Schienen erneuern. In Zuge der Arbeiten soll die Straße saniert werden. Es kann sein, dass die Bürgersteige und Zufahrten für die Grundstücke aufgenommen und neu gesetzt werden müssen. Der Straßenbau ist auch nicht ohne Tücken, die Schienen sollen mit Drainagen entwässert werden. Eine Straßenseite muss angehoben oder gesenkt werden. Neue Laternen kommen. Die Bäume, das Wichtigste, verschwinden. Zumindest auf einer Straßenseite. So in ungefähr läuft die jetzige Planung.

Die neuen Gebäude liegen im Sanierungsgebiet, die Schienen wurden dort 2006 erneuert. Im Sanierungsgebiet werden die Kosten gedrittelt, Bund, Land, Gemeinde. Werden die anstehenden Straßenbaukosten für diesen Teilbereich aus dem Sanierungstopf bezahlt? Dann sind die Käufer fein raus.

Werden die Käufer, wie alle Anwohner, an den Umlagen beteiligt, dann kommen außer den wohl bedeutenden Ausgaben für den Erwerb der Wohnungen noch stattliche Umlagen für den Straßenbau auf sie zu. Dann wäre es fair, den Käufern reinen Wein einzuschenken. Ob das geschehen ist?

Unberührt davon bleibt, auf die Neu-Woltersdorfer rollt der Straßenbau, mit all seinem Lärm, Schmutz und Einschränkungen beim Verkehr, zu.

  1. Niro

    Nun sind ja Bilder und Grundriss ins net gestellt. Jeder, der dann noch die Preise sieht und hoffentlich nachdenkt, der sollte sich doch lieber für ein kleines Eigenheim-Bungalow oder so entscheiden. Wer da als Investor denkt, dass er mit der Vermietung das große Geld machen kann gerät angesichts der Gegebenheiten in den Verdacht nicht ganz ok zu sein.
    Man wagt es diese Klötze als Architektenvillen zu bezeichnen. Die gibt es aber in Woltersdorf.
    Man darf nun die Frage stellen wie hoch die reinen Baukosten sind / waren ? Woltersdorf hat an vielen Stellen wirklich schicke „Häuschen . Nachträglich modernisierte DDR-Platten finde ich erträglicher als diese schweinchenfarbenen einfallslosen Klötze.

  2. Niro

    Als ich die Lage der 3 Klötze ahnen konnte fragte ich mich natürlich wer dafür eine Baugenehmigung gab. Die beiden vorderen Gebäude viel zu nahe am Gehweg. Man gewinnt sehr schnell den Eindruck, dass der / die Investor(en) nur eines im Sinn hatte: Maximalprofit beim Verkauf der Einzelwohnungen-man bedenke- es ziehen ja kaum die Wohnungskäufer sondern normale Mieter ein, die man schröpft. Aber doch nicht so ! Ich hätte da einen abgestuften Winkelbau favorisiert mit etwas mehr Grün zum Wasser- eine TG für alle-wo sollen sonst die vielen Autos hin ? Konstruktiv in Richtung Passivbau. Alles was ich bisher darüber erfuhr bestätigt das nun leider nicht. Ehrlich gesagt-mir ist nach sofortigem Abriss. Der BER ist ja das beste Vorbild für Müll und Fehlentscheidungen der Neuzeit. Einige dürfen sich leider unmöglichen Sums erlauben-kein Staatsanwalt protestiert da. Deutschland heute.

  3. Woltersdorferin

    Trösten wir uns, da es nicht mehr zu ändern ist: Das bauliche Schandmal an der Schleuse wird hoffentlich den umweltzerstörenden Massenansturm von müllenden und lärmenden Touristen nach Woltersdorf endlich abhalten.

    Oder gäbe es noch einen anderen Grund für den seitens des in Woltersdorf nicht ansässigen Bauamtleiters – der noch zur DDR-Zeiten mal den Massenwohn- und Zweckbau studiert hatte – Hannes Langen bzw. seiner ihn ständig stellvertretenden Mitarbeiterin Fr. Hoffmann erteilte Genehmigung dieser hässlichen Architektur einer Tristesse der neuen, nöligen Wohnimmobilien, in denen sich das Geschäft der Profitmaximierung für Immobilienspekulanten, Bauherren und Errichtern von Wohnbaughettos wie auch in der Woltersdorfer Demos-Ghetto-Siedlung widerspiegelt ?
    „Es gibt im Bauen eine Verwirtschaftlichung der Interessen“, sagte Thomas Kaup, der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Architekten in Berlin ist, „den Kosten und Terminen wird ein enormer Vorrang eingeräumt, über architektonische Qualität wird dann oft kaum noch geredet.“ – Aha, wie wahr !

    Dabei hätte zum einstmals kleinen, verträumten Woltersdorf mit seinen lebenswert anmutenden Relikten aus der Gründer- und Jugendstilzeit, eher nur ein zweistöckiges Wohnhaus, mit bspw. einem Fischimbissladen im Erdgeschoss und Blick (oder romantischer “Fischerkahnfahrt”) hinüber zur Liebesquelle, gepasst.

    Auch ein bepflanzter, schön gestalteter, bewachter Parkplatz für Pkws zur Entlastung der anliegenden Straßen und Fahrräder der Straßenbahnpassagiere hätte Woltersdorf an der Schleuse dringend gebrauchen können, besonders auch anlässlich der Sommerfeste.
    Ja, wo war der lokalpatriotische Bauausschuss mit seinen kompetenten Fachberatern, der die Interessen und den Willen der hier lebenden Woltersdorfer vertreten sollte, wie sie unser Dorf ästhetisch und harmonisch gestalten haben wollen ?

    Haha, mal sehen wann die ersten Baracken- und Zeltsiedlungen in Woltersdorf auf der Maiwiese oder an unseren Badestränden entstehen, weil sich ein Großteil der deutschen Bevölkerung (auch die hier geborenen Woltersdorfer Kinder und Enkel) bald nicht mal mehr die Miete, geschweige denn ein Eigenheim im Grünen leisten kann. Auch diese Zweckmäßigkeit würde vermutlich der Bauamtsleiter zur Steigerung der Bevölkerungszahl und somit vielleicht der angepassten Erhöhung eigener Verwaltungsgehälter zustimmen. Warum wohl sonst ?

  4. Johann

    Mal gucken wie es so wirkt, wenn die Gebäude dann fertig sind, aber auf Anhieb sympathisch ist die Bebauung jedenfalls nicht.

  5. Friedrich

    Passt doch gut zum blauen Wunder, der versauten Brücke !
    Das wars dann mit der Schleuse, da kommt keiner mehr.
    Was will man auch anderes in Woltersdorf erwarten.

    Schöne Ausflusgsziele gibt es in der Umgebung zum Glück reichlich.

  6. blitzmaerker

    die Klötze dürften die Einwohner/ Quadratmeter an der Schleuese, auch hochtreiben. Wo parken die alle eigentlich ? Dürften wohl Investoren Wohnungen sein und häufige Mieterwechsel nach sich ziehen. In meinen Augen ist das wieder einmal ein klassischer Miss(t)griff bei städtebaulicher Planung.
    2 Leute machen Plus. 1. Der Grundstücksverkäufer (kleines Plus) 2. Der Bauinvestor (großes Plus wenn er alle Wohnungen verkauft)
    Alle Anderen ( Woltersdorfer,Gäste und Wohnungsmieter) mach minus.

  7. PT66

    Ich kann mich der Meinung von Hugo nur anschließen. Schon als ich die Entwürfe sah,
    dachte ich, es kann nicht wahr sein…an solcher Stelle diese Klötze hinstellen.
    Haben sich die Verantwortlichen für diese Baugenehmigung nicht die Umgebung angesehen…?
    Wenn ich bedenke, das es schon Konflitke mit der Gemeinde gab, wenn sich jemand grüne Dachsteine aufs Dach gelegt hatte und diese wieder entfernen musste, weil dies angeblich nicht ortstypisch war,
    was soll das dann hier an der Schleuse sein..?
    Gibt es nicht schon genügend Beispiele, wie der Charakter des Ortes zerstört wurde…?

  8. Hugo

    Wuchtig, monströs, völlig aus der vorherrschenden Bauart an der Schleuse geschlagen! Darüberhinaus sind die vorderen Häuser nahe dem Bürgersteig gebaut, etliche Meter aus der Flucht der übrigen Häuser. Schöner Wohnen „auf“ dem Trottoir! Vielleicht wird es auch gar kein selbstgenutztes Eigentum, sondern dient als Spekulationsgeschäft- bzw. Abschreibungsobjekt.
    Wer hat’s genehmigt, wer hat’s beschlossen?
    Die Antwort? Wahrscheinlich wie immer, alle waschen ihre Hände in Unschuld! Hinterher will es keiner gewesen sein, aber damit haben wir in Deutschland schon öfter Erfahrungen machen müssen…….!
    Dieser exponierte Punkt von Woltersdorf und kein Konzept, keinen Plan und wieder einmal keine Einbeziehung der Bürger (rechtzeitig)!
    Die anstehende BM – Wahl droht zum Tummelplatz der vermeintlich großen Parteien zu werden. Hoffentlich werden UNABHÄNGIGKEIT und BÜRGERNÄHE geschätzt und gewertet! Diese „Überlautsprecher“ gehören weggeschickt.

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