Verwaltung als Bremsklotz beim Campingplatz am Flakensee

Bürgermeisterin Decker

Will die Gemeinde keinen Campingplatz? Oder wer sonst will ihn nicht? Der Campingplatz am Flakensee braucht dringend ein neues Gebäude zum Empfang der Gäste und als Schlafstelle für Saisonkräfte. Der Betreiber will bauen, nur die Gemeinde Woltersdorf mauert, teilweise mit hahnebüchen Argumenten und, wie selbst erlebt, abwürgen des Sprechers vom Campingplatz. Förderung von Tourismus habe ich mir anders vorgestellt
Der Campingplatz von Woltersdorf am Flakensee interessierte uns schon lange, gerne würde ich mir einmal alles ansehen. Dann, eines Tages klappte es. In einer turbulenten Bauausschusssitzung traf ich auf Herrn Richter, ein Mitarbeiter des Unternehmers Staschinski. In seine Zuständigkeit fällt der Campingplatz. So kam es, dass wir uns bald mit dem Inhaber, Herrn Staschinski, seiner Tochter und Herrn Richter auf dem Platz am Flakensee trafen.

Früher, viel früher wurde er auch „Schwarzer Stubben“ genannt. Es wird erzählt, dass der Name darauf zurückzuführen wäre, dass dort eine Kiefer bis auf den Grund niedergebrannt sei und nur noch der schwarze Stubben zu sehen war. Bevor wir uns aufmachen den Campingplatz zu besichtigen, wollen wir eine Frage untersuchen und beantworten. Was ist der Unterschied zwischen einem Zeltplatz und einem Campingplatz? Klären wollen wir die Begriffe, weil unsere Woltersdorfer Verwaltung die beiden Begriffe Zeltplatz und Campingplatz als nicht das Gleiche meinend sieht.

Der Unterschied ist, auf deutsch heißt es zelten, auf englisch campen. Bei Wikipedia wird es wie folgt definiert: Ein Campingplatz ist ein abgegrenztes Gelände, auf dem Camping möglich ist, d. h. also der Aufenthalt mit Zelten, Wohnwagen oder Wohnmobilen. Dies geschieht meist im Rahmen der Freizeitgestaltung. Gelegentlich wohnen Menschen auch mehr oder weniger dauerhaft auf Campingplätzen.
In meinem „Dictionary of american english“ finde ich für den englischen Begriff „camper“
a) diese Erläuterungen: someone who is staying in a tent or shelter for a short time.
b) a vehicles has beds and cooking equipment so that you can stay in it while you are on vacation.
Für das deutsche Campingplatz abgeleitet vom englischen „campground“ findet sich die Deutung: a place where people who are on vacation can stay in tents.
Üblich ist auch noch „campsite“ und das bedeutet: place where you can camp.
Damit schließt sich der Kreis das eingedeutschte Campingplatz steht für beides Zeltplatz oder Platz für Wohnwagen, Wohnmobile und ähnliche Vehikel.

Bauamtsleiterin Kerstin Marsand erklärte, im Flächennutzungsplan gebe es eine Grünfläche, ein Zeltplatz wäre dargestellt. Dieser unterliege nicht der Campingplatzverordnung. Wie wir gesehen haben, ist ein Zeltplatz auch ein Campingplatz. Hier irrt Frau Marsand. Beeskow hat den Campingplatz mit der Forderung nach Bau eines neuen Sanitärgebäudes sehr wohl als Campingplatz anerkannt.

Der Bade- und Zeltplatz „Schwarzer Stubben gehörte zu DDR-Zeiten der HO Fürstenwalde, wo die Gemeinde ebenfalls in die Verwaltung involviert war. In diese Zeit fällt auch der Bau des „jetzigen“ Rezeptionsgebäudes mit allen „Gebäudeanhängseln, man kann auch sagen Ausbaustufen“ und ein Sanitärgebäude im hinteren Waldbereich, damit keiner mehr mit Klappspaten in den Wald musste.

Im Jahr 1955 wurde dort weißer Sand angekarrt und ausgebreitet und unsere Woltersdorfer Einwohner, Sommerurlauber und Zelt-Campingplatzgäste machten regen Gebrauch vom schönen Urlaubsplatz mit der vor dem Wohnwagen liegenden Badestelle.

Die Wende kam, vieles ging den Bach hinunter und tauchte nie wieder auf. Nicht so der Zelt- oder Campingplatz am Flakensee. Er ging zuerst in das Eigentum der THA/BvS, die einen Pachtvertrag mit Frau Müller aus Berlin abschloss und später inklusive des Pachtvertrages in das Eigentum der TLG über. Die Gemeinde beantragte in dieser Zeit bei der THA eine Vermögenszuordnung aufgrund öffentlicher und gemeindlicher Nutzung, für den eigentlichen Badestrand inklusive der dazugehörenden Wiese. Dem wurde entsprochen, so dass nun,ca. 7.000 qm des „Zelt-/Campingplatzes“, der Badestrand und das Gelände mit der ehemaligen Zeltplatzgaststätte, dem heutigen Wodo-Camp, in den Besitz der Gemeinde übergingen. Das war nun dasFlurstück 47. Das war ein sehr profitables Geschäft für die Gemeinde. Sie verkaufte zuerst das Grundstück mit dem Wodo-Camp. Der Zelt-/und Campingplatz vegetierte weiter vor sich hin.

Eine neue Zukunft bekam er 2002, als Familie Staschinski, die die Gegend um den See mochte, den Platz, inklusive mit dem noch bis Mitte 2002 bestehenden Pachtvertrag, von der TLG kaufte.

Bei einer im Jahr 2003 durchgeführten Vermessung des Campingplatzes stellte sich heraus, dass die mit erworbenen Gebäude, wie z.B. das sogenannte Rezeptionsgebäude überwiegend auf Gemeindeland, dem Flurstück 47, standen. Daraufhin wurde ein Antrag auf Erwerb des etwa 7.000 qm großen Geländes bei der Gemeinde gestellt. Dem Antrag wurde am 8. Mai 2003 seitens der Gemeindevertretung in Form eines Arrondierungsverkaufes mit der Bedingung zugestimmt, dass ein Wegerecht zu Gunsten der Gemeinde für den Fontane-Wanderweg grundbuchlich zu sichern ist.

Warum nun am 29. September 2011 unsere Gemeindevertretung den Beschluss vom 8. Mai 2003 abänderte und nun nur noch einem Verkauf von 5.000 qm zustimmt, konnte nie nachvollzogen werden. So wurden denn diese 5.000 qm am 29. November 2011 notariell beglaubigt. Durch diese etwas seltsame Reduzierung der Fläche entstand jetzt ein schmaler Grünstreifen von unterschiedlich 8 bis 12 Meter Breite zwischen dem Campingplatz und dem Ufergelände, das wiederum dem Wasserschifffahrtsamt gehört.
Der schmale Streifen gehört der Gemeinde, sollte von Amts wegen gepflegt werden. Zum Bedauern der Familie Staschinski passiert da gar nichts. Im Gegenteil, weil er es ordentlich haben möchte, krempeln Er und die Seinen die Ärmel hoch, mähen das Gras und entsorgen den von einigen Besuchern zurückgelassenen Müll. Das gleiche Spiel läuft beim danebenliegenden Badestrand ab, der ebenfalls der Gemeinde gehört.

Dieser Badestrand wird ironischerweise seit über 70 Jahren im Flächennutzungsplan als Zeltplatz geführt und dieser Zustand wurde auch im Jahr 1998 im neuen FNP nicht revidiert, im Gegenteil die Gemeinde weigert sich bis heute den Flächennutzungsplan an die Realitäten anzupassen.

Herr Richter, der Mann für alles, begann sich mit den aufgelaufenen Problemen zu beschäftigen und möchte jetzt, dass die verstreuten Gebäudeteile, die am Eingang des Campingplatzes als Rezeptionsgebäude stehen, abgerissen werden. Dafür soll ein neues funktionales Rezeptionsgebäude errichtet werden. Das ist auch nötig, die alten Gemäuer sind nicht mehr zeitgemäß, können den Geschäftsbetrieb nicht mehr bewältigen, sind marode.

Auch sonst wurde viel geschafft. Der ganze Zelt- oder Campingplatz wurde eingezäunt, um Wildschweinen keine Gelegenheit zu bieten, den Platz umzupflügen. Obwohl alles eingezäunt ist, kamen eines Nachts andere ungebetene Gäste, die einen Bagger mitgehen ließen und durch ein Tor im Zaun abtransportiert. Gleich hinter diesem Zaun endet Woltersdorf und Erkner beginnt, erfuhren bei der Besichtigung.

Der obere Bereich des 3 Hektar umfassenden Campingplatzes wird von Dauercampern und Wohnmobilen genutzt. Von da geht es terrassenförmig abwärts. Der hintere Bereich ist für Zelte reserviert. Dort befindet sich auch das im Jahr 2009 fertiggestellte Sanitärgebäude. Alle elektrischen Leitungen wurden neu verkabelt und neue Wasserleitungen gelegt, sodass nun jeder Stellplatz mit Wasser und Strom ausgestattet ist.

Der Bau des Sanitärgebäudes wurde von der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises im Jahr 2003 angeordnet. Dabei bezog sich die Behörde auf die Brandenburgische Camping- und Wochenendhausplatz-Verordnung (BbgCWPV). Da es sich um eine Verordnung der unteren Bauaufsichtsbehörde handelte, wurde von der Gemeinde die Zustimmung dazu eingeholt und das Gebäude bekam im Jahr 2004 vom Landkreis die baurechtliche Genehmigung. Laut BbgCWPV müssen sich bei 120 Stellplätze, 7 Wasserzapfstellen im Umkreis von 2 Metern außerhalb des Gebäudes befinden. Damit nicht unnütz Wasser verschwendet wird, regelt eine Transponderanlage den Wasserverbrauch.

Im Gebäude wurden insgesamt 20 Waschplätze und 10 Duschen getrennt nach Geschlechtern, davon die Hälfte der Plätze als Einzelzellen geplant. Des weiteren 4 Geschirrspülbecken, 4 Wäschespülbecken, 1 Waschmaschine, 10 Toiletten für Frauen und10 Toiletten für Männer, 5 Urinale sowie für Rollstuhlfahrer einen Waschplatz, eine Dusche und eine Toilette.

Zusätzlich schuf der Betreiber für die ganz Kleinen, Waschbecken, Toiletten und auch einen Wickelbereich mit eingelassener Badewanne. Es gibt sogar ein Fußwaschbecken. Ganz schöner Luxus auf einem Campingplatz.

Das fertige, großzügig gestaltete Gebäude erfüllt mit dieser Ausstattung alle Voraussetzungen, sodass dem weiteren Betrieb des Campingplatzes nichts mehr im Wege stand. Das alte Sanitärgebäude konnte auf Antrag umgenutzt werden und wird heute als Remise für Rasentraktor und Kleinbagger genutzt.

Herr Richter sagte auf Nachfrage, dass der komplette Campingplatz sowie das Waldgebiet inklusive Wilhelmsbad im Außenbereich liege. Allerdings wurde das Wilhelmsbad in Sondergebiet Erholung und Freizeit umgewidmet.

Wir gingen weiter Richtung Wasser über den naturbelassenen Campingplatz. Dort zeigte uns Herr Staschinski sein Sorgenkind, dieser bereits 8 bis 12 Meter breite Streifen außerhalb des Campingplatzes, der immer etwas ungepflegt ist. Wir hatten ja schon etwas weiter oben darüber berichtet, dass er sich im Besitz der Gemeinde befindet. Er bemüht sich darum, dass sein Campingplatz ordentlich aussieht und dann so etwas nebenan. Die Gemeinde sollte sich einmal Gedanken darüber machen.

Auf das Zahlenverhältnis Dauercamper und Kurzzeitcamper angesprochen, meinte Herr Richter, dass es insgesamt 120 Stellplätze gebe und sich das Verhältnis Kurzzeit – Langzeit die Waage halte. Das habe sich über die Verträge geregelt, die jedes Jahr zum 31. Oktober enden. Einige schließen dann keinen neuen Vertrag ab, andere Camper wiederum möchten abschließen.

Auf dem Rückweg nach oben zu unserem Ausgangspunkt kamen wir an dem Gebäudeknäuel mit dem maroden Rezeptionsgebäude vorbei. Schon von außen ein nicht sehr erhebender Anblick.

Auch die Feuerwehrzufahrt neben dem Campingplatz zum Wasser ist ein „Gedicht“. Im Löschfall wohl kaum zu benutzen. Der eigentliche Badestrand wuchert langsam zu, sodass der Sand langsam darunter verschwindet. Auf Fotos von früher kann man eine riesige Sandfläche sehen.

Wir gingen in das Rezeptionsgebäude. Hoch gewachsen darf da keiner sein. Alles, was knapp an zwei Meter ist, stößt sich den Kopf. Die niedrigen Decken sind bedrückend.

Herr Staschinski führte uns durch die Räume. Es gibt eine kleine Küche, eine Toilette, einen kleinen Aufenthaltsraum für Anreisende und Unterkunftsräume für Saisonkräfte. Es hat vor einiger Zeit, bedingt durch einen Sturmschaden, durch das Dach geregnet. Besonders die beiden Räume, in denen im Sommer die Saisonkräfte schlafen, sind davon stark betroffen. Es ist eigentlich eine Zumutung, dort Leute schlafen zu lassen. Es ginge nicht anders, erklärt Herr Richter, in der Saison müssen zwei Kräfte Tag und Nacht vor Ort sein, da morgens früh ab fünf, und abends das Sanitärgebäude gereinigt werden muss. Auch bei Havarieschäden muss jederzeit jemand greifbar sein.

Da sich eine Sanierung des alten Gebäudes nicht mehr lohnt, wird ein Neubau angestrebt. Das ganze alte Gebäudeknäuel soll abgerissen werden und auf einer wesentlich kleineren Fläche ein Neubau entstehen. Damit wäre in der Sommerzeit eine vernünftige Unterbringung der saisonalen Kräfte in zwei kleinen Appartements im ersten Stock gewährleistet. Ebenfalls würde sich auch in diesem Bereich die sanitäre Situation verbessern. Auch die Camper würden davon profitieren, da ein größerer und höherer Raum zur Verfügung stünde.

Am 24. Oktober 2016 wurde, nach Rücksprache mit dem Bauordnungsamt in Beeskow, der Bauantrag für den Ersatzneubau “Rezeption“ an den Prüfgruppenleiter, Herrn Görsdorf im Bauordnungsamt in Beeskow durch den Planer, Herrn Dück und den Eigentümer und Bauherrn, Herrn Staschinski gestellt.

Im Großen und Ganzen muss für dieses Gebäude, das sich architektonisch an das Sanitärgebäude anlehnen soll, viele Euros in die Hand genommen werden. Ein Plus für den Campingplatz und touristisch gesehen ein Plus für die Gemeinde. Da die Gemeinde vor Kurzem dem Tourismusverband Oder-Spree beitrat und dieser naturbelassene Campingplatz ein touristischer Anziehungspunkt ist, sollten die Gemeindevertreter einmal darüber nachdenken, das Gebiet des Campingplatzes in ein „Sondergebiet Erholung und Freizeit“ umzuwidmen. Das würde gut zu dem bei jeder Gelegenheit beschworenen Wunsch nach mehr Tourismus passen, denn im Jahr 2016 gab es insgesamt 9.500 Übernachtungen von Kurzzeitcamper aus dem In- und Ausland und die sind auch Kunden in Woltersdorfs Geschäften und Handwerksbetrieben. Das sind absolute Rekordzahlen.

Kommentar:
Die Gemeinde, sowohl Verwaltung als auch die Gemeindevertretung sollten sich endlich zu diesem Campingplatz bekennen. Dazu gehört es den Flächennutzungsplan analog zum Wilhelmsbad in „Sonderfläche Freizeit und Erholung“ abzuändern. Die Familie Staschinski hat viel Geld in die Hand genommen und ist weiter bereit in diesen Platz zu investieren. Dazu braucht es aber Planungssicherheit. Diese Sicherheit ist momentan nicht erkennbar. Es ist an der Zeit Fakten zu schaffen, die Investitionen in den Campingplatz erlauben.

Auch sollten bei den Überlegungen nicht vergessen werden, dass bereits der seeseitige Uferweg, der über Teile des Campingplatzes führt, von der Familie Staschinski der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wurde.

Ein Beispiel für politische Verantwortung und unternehmerische Planungssicherheit hat Minister Vogelsänger vorexerziert, indem er die Parkplatzsorgen des Campingplatzes löste. Dem Eigentümer wurde für den im Wald gelegenen Parkplatz des Campingplatzes eine langfristige Nutzung von seitens des Forstamtes zugesichert.

Aus dem Schreiben von Minister Vogelsänger:

Wie dem Ministerium sollte es auch der Gemeinde ein wichtiges Anliegen sein, dieses touristische Angebot zu erhalten, zu fördern, seine Existenz politisch abzusichern. Dazu gehört auch die Baugenehmigung für ein Rezeptionsgebäude zeitnah und positiv zu bewilligen.
Es gibt in unmittelbarer und weiterer Nachbarschaft genügend Beispiel für Campingplätze, die in Landschaftsschutzgebieten betrieben werden, wie in Grünheide und Kagel. Sogar in Naturschutzgebieten gibt es Campingplätze, wie im Schlaubetal. Das zeigt deutlich, es ist vieles möglich, wenn man denn will.
Woltersdorf ist dem Tourismusverband Seenland Oder-Spree beigetreten, bezahlt dort hohe Beiträge, um Tourismuswerbung für Woltersdorf zu entwickeln. Hier beißen sich Woltersdorfs Handlungen, auf der einen Seite soll mit viel Geld Werbung für den Tourismus gemacht werden und auf der anderen Seite wird versucht ein bereits vorhandenes touristisches Ziel das Leben schwer zu machen.

Wo ein Wille ist gibt es einen Weg. Nur wo kein Wille ist, da gibt es auch keinen Weg.