Unterstützerkreis für Flüchtlinge


24. November 2015, Woltersdorf. Die Bürgermeisterin von Woltersdorf, Margitta Decker lud zu einem Treffen des Unterstützerkreises für Flüchtlinge in den Ratssaal. Über 100 Interessierte kamen. Durch die ausgefallene Anordnung der Stühle in einem großen Kreis gab es zu wenig Sitzgelegenheiten. Viele Menschen standen abgedrängt an der Tür oder setzten sich auf den Boden. Gleich vorweg, es mangelte ebenfalls an Tontechnik, kein Mikrofon, kein Verstärker, kein Lautsprecher. Dabei wurde die Technik einst für über 20 TE angeschafft.

Margitta Decker hielt eine kurze Ansprache, in der sie darauf hinwies, dass hier keine politische Diskussion über die Flüchtlingsgesetzgebung erwünscht sei, da es hier um menschliche Schicksale gehe. Sie betonte, dass die Gemeinde verpflichtet sei, Flüchtlinge aufzunehmen und möchte die Integration der Flüchtlinge so verträglich wie möglich gestalten. Deshalb auch dieser Unterstützerkreis. Es wurde schon beim ersten Treffen ein kleines Organisationsteam gegründet. Diesem Team gehören Frau Hildebrandt, Frau Fleischer, Frau Brauer, Achim Schneider und Pfarrer Trodler an.

Sie begrüßte dann Herrn Ray Kokoschko und Herrn Gwendolyn von einem mobilen Beratungsteam aus Frankfurt (Oder). Ray Kokoschko übernahm die Moderation und fragte intensiv mehrmals, ob jemand gegen Flüchtlinge sei, so eine Art Gesinnungstest. Da sich niemand outete, ging er zur Tagesordnung über. Hätte sich jemand geoutet, was wäre dann wohl geschehen? Wäre die Person dann vor die Tür gewiesen? Wozu sonst das Ausforschen der Gesinnung.

Dann wiederholte er, dass es in dieser Runde um das -wie- ginge, wie Flüchtlinge, die nach Woltersdorf kommen, durch Woltersdorfer unterstützt werden können.

Familie Brauer berichtete über ihre Erfahrung mit Flüchtlingen. Sie haben für 20 Flüchtlinge Patenschaften übernommen, die sie regelmäßig im Heim in Fürstenwalde besuchen und sich derer Probleme, so weit wie möglich, annehmen. Es wurde schon damit begonnen, Flüchtlinge am kulturellen Leben von Woltersdorf teilnehmen zu lassen. Einer der Flüchtlinge aus Eritrea lebe ab und zu bei ihnen und dieser dreiundzwanzigjährige Mann mache enorme Fortschritte in der deutschen Sprache und lebe sich auch gut in die deutsche Kultur ein. Allerdings wurde dabei darauf hingewiesen, dass es sich bei diesen Menschen nicht um die Norm, sondern um Menschen aus der Eliteschicht handele. Herr Brauer fand, dass der Deutschunterricht, der wöchentlich an vier Tagen für eine Stunde abgehalten wird, zu wenig sei.

Professor Dr. Stock erzählte von einem Mann aus dem Iran und seinem achtjährigen Sohn. Da die Familie zum Christentum konvertierte, musste sie um ihr Leben bangen und entschloss sich zur Flucht. Der Achtjährige geht in Woltersdorf zur Schule und mache ebenfalls deutliche Fortschritte im Sprachverständnis, seinem Vater falle es etwas schwerer.

Jemand wollte wissen, wie denn in Woltersdorf 80 Flüchtlinge untergebracht werden könnten, da die Privatquartiere dafür wohl nicht ausreichen würden.

Stefan Bley meinte, dass es sich bei den 80 Flüchtlingen um einen theoretischen Verteilerschlüssel, dem Königsteiner Schlüssel handelt, der so nicht auf Woltersdorf zukommen würde, das wird im Moment von Fürstenwalde abgefedert. Frau Huschenbett vom Landkreis Oder-Spree erklärte zwar, dass sich die Situation verschärfe, da die Unterkünfte jetzt und nicht erst 2016 voll sind. Es müssen noch 600 Personen untergebracht werden und bis Ende des Jahres werden noch 400 dazukommen.

Stefan Bley berichtete, das er eine Schule, die Sprachunterricht gibt, leite. Er ist der Ansicht, dass das Erlernen der deutschen Sprache das Wichtigste sei. Er arbeite im Moment mit 150 Flüchtlingen, die nicht nur aus dem Iran, Irak, Syrien und Eritrea kommen, sondern darunter sind auch Tschetschenen und Menschen aus dem Tschad.
Wissen sollte der, der helfen will, dass es in Brandenburg spezielle Programme gibt. Einmal das Programm „Deutsche Flüchtlinge“, das wird durch den Kirchensozialfond mitfinanziert. Träger ist das FAW in Fürstenwalde, Ansprechpartner ist dort Frau Kluge. Sie kann Auskunft geben, zu welchem Flüchtling welcher Kurs passt. Es gibt eine große Bandbreite von Kursen, da gibt es Indikationskurse, Flüchtlingskurse, Einstiegskurse, berufsbezogene Sprachkurse.
Auf der Homepage der FAW wird das ganze Spektrum vorgestellt. Es gibt ausreichend Mittel, damit vernünftige Sprachkurse bezahlt werden können. Seit dem 1. November 2015 gibt es von der Bundesagentur für Arbeit die Freigabe für Einstiegskurse, die aber auf bestimmte Gruppen, nämlich Iran, Irak, Syrien und Eritrea, sobald sie erstregistriert sind, beschränkt wurden. Diese Gruppe kann dann Sprachkurse bis zu 320 Stunden besuchen.
Die gleiche Gruppe und auch andere können dann, wenn sie als Flüchtlinge anerkannt wurden, die Integrationskurse von bis zu 660 Stunden besuchen. Danach kommen die berufsbezogenen Sprachkurse.

Es wurde nachgefragt, ob die Reisekosten übernommen werden. Stefan Bley bejahte dies, aber man müsse genau hinschauen, welches Programm genommen wird. Da gibt es starke Unterschiede.

Dann kam Stefan Bley auf das Thema, Traumatisierung zu sprechen. Er gehe davon aus, dass etwa 60 bis 70 Prozent traumatisiert wären und die Sozialarbeiter, die keine Psychotherapeuten sind, damit völlig überfordert wären. Da würde Unterstützung gebraucht. Herr Stiefel aus Rüdersdorf erklärte, dass das Amt nur bis zu fünf Sitzungen bezahlen würde, dass reiche bei Weitem nicht aus.

Jelle Kuiper monierte, dass, wenn einer eine private Wohnung für Flüchtlinge gemeldet habe, die Überprüfung auf Wohnungseignung zu lange dauerte. Das wurde mit Krankheit vom Personal von Frau Huschenbett entschuldigt. Notmalerweise wird so etwas innerhalb von 14 Tagen erledigt.

Synke Altmann meldete, dass die Werkswohnung in der Freizeitanlage schon ab Dezember zur Verfügung steht, da die Familie bereits in ihr repariertes Haus zog.

Silke Hildebrand berichtet von ihren Erlebnissen und Eindrücken, die sie auf der sogenannten Balkanroute gewann. Die Leute liefen teilweise nur mit Flip-Flopps an den Füßen. Viele Kinder wären nur mit dünnen T-Shirts bekleidet und hätten keine Jacken. Es fehle an allem. Trotz aller Schwierigkeiten und Hürden, die sie überwinden musste, um zu den Flüchtlingscamps zu gelangen, plane sie bereits eine weitere Fahrt für den Januar 2016 und wollte dafür eine Spendenbedarfsliste dafür herausgeben.
Margitta Decker erklärte, dass die Gemeinde auf ihrer Webseite für die Flüchtlingshilfe eine Seite einrichten werde, auf der dann verschiedene Ansprechpartner zu finden seien. Die Extra-Emailadresse der Gemeinde werde dann von Achim Schneider betreut, der auch einen vierzehntägigen Newsletter verteilen wird.

Die Veranstaltung ging dem Ende zu und es wurde gebeten, wer mithelfen wolle, könne sich in eine Liste die am Ausgang ausliegt unter verschieden Gebieten eintragen.

Fazit: So richtig ist dieser Unterstützerkreis noch nicht in Schwung gekommen. Da gibt es noch viel zu koordinieren. Aber hier zählt der gute Wille und der ist vorhanden.

Gott, der Herr möge die Verwaltung erleuchten ein Mikrofon, wir haben so etwas, hinzustellen und konsequent zu nutzen.