Tratsch in Oberhammeln

Januarloch, in Woltersdorf ist Totenstille, nichts mehr los. Kein Fest, die Gemeindepolitik schnarcht vor sich hin, kein Krach, keine Intrigen, kein Ladendieb, kein sonst etwas. Zeit für Dinge, die man schon längst erledigt haben wollte. So habe ich mich drangemacht, meine Rechner zu vernetzen. Bei einem alten PC flog das nicht so ganz sichere und zu dicke Windows raus. Zuguterletzt habe ich mein Grafikprogramm und Drucker mit einem Farbmanagement aufgepäppelt, Webseitenbau liegt nichts an, das verschlüsseln von Emails zu lernen, im Moment liegt’s mir nicht. Ich war am Ende mit meiner Beschäftigungstherapie und da war sie wieder, die januarische Totenstille.

Bloß weg hier, nur wohin? Grübel, grübel, Erleuchtung – ich fahr nach Oberhammeln auf dem Hammelspring. In Oberhammeln, gelegen zwischen Oder und Berlin, war ich lange schon nicht mehr. Oberhammeln hat einen interessanten Bürgermeister, Hugo Hirsch und einen pickligen Schreiber, Franz Pauke vom „Kolportierenden Anzeiger“, mal sehen was die beiden Vögel in der Zwischenzeit so anstellten.

Mittags kam ich in Oberhammeln an und machte mich auf zum „Alten Krug“. Da gibt’s ein gutes Bier, einen noch besseren Hammelbraten und der Wirt, Christian, verteilt Nachrichten en gros und en detáil – kostenlos. So war’s denn auch heute, bei einem Bierchen plauderten wir über dies und das.

Oberhammeln hat sich verändert, erzählte Christian, der Wirt, bei der letzten Wahl sind einige veritable Blödmänner aus Franz Paukes Kreis in die Gemeindevertretung gekommen. Deren Bildung sollte gefördert werden, bis das so weit ist, läuft nichts mehr in Hammelspring. Das kann dauern, mit dem Bildungsempfang, bis dahin wollen sie erst mal die Gemeinde scheren, Ernte machen. Der Pauke, sagen die Leute, will sich zusammen mit seinem Verein einen Betrieb, den die Gemeinde betreibt, unter den Nagel reißen. Die Leute, die jetzt da arbeiten, sind denen schnuppe, ab ins Abseits.

Christian vom „Alten Krug“ redet sich langsam in Rage, erzählt von einem Gemeindevertreter, dessen Hobby es ist Webseiten von Leuten, die nicht so schreiben wie er es mag, zu hacken. Ja und der Typ will auch noch Bürgermeister werden, hat wohl auf nichts besseres Hoffnung. Ich wackel nur mit dem Kopf, so was sollte mal in Woltersdorf, im Winterloch, geschehen, dann hätte ich genug zu schreiben.

Tief atmet er ein, der Christian vom „Alten Krug“ und flüstert mir ins Ohr, der olle Hirsch hat wieder mit der Obrigkeit zu schaffen, irgendwelche Gaunereien von früher. Was dran ist weiß ja auch keiner genau. Seine Frau soll, sagen die Leute, auch die Nase voll von ihm haben. Die will weg, will ihren Männe wohl nicht mehr mit seiner Freundin teilen. Dann ist da noch der kratzfüßige Diener vom Hirschen aus dem Rathaus, der seilt sich, wie’s aussieht, grad von seinem Herrchen, dem Hirsch, ab und kratzt jetzt bei Paukes Leute rum.

Ich bezahl meine Rechnung, sag dem Christian tschüss, es ist dunkel geworden, ich muss mich sputen, die Bahn wartet nicht auf mich. Im Zug schreib ich mir das Gehörte auf, ich will es doch hier im Blog niederschreiben. Ich werde wohl bald wieder mal nach Oberhammeln fahren, da ist ja allerhand los. Froh bin ich aber doch in Woltersdorf, einer besseren Welt, als Oberhammeln zu wohnen.

Alle Namen von Personen und Orten sind rein zufällig, wie es in einer Fabel sein sollte.

Noch mehr nicht wahre Geschichten sind unter Fabeln zu finden.