Seniorenresidenzen und Pflegenotstand

Seniorenresidenz Lindau

Bei uns in Woltersdorf wird eine Seniorenresidenz gebaut. Der Anfang ist gemacht, die Grundsteinlegung soll am Montag, den 24. April von 12:00 bis 14:00 Uhr über die Bühne gehen.
Festgestellt wurde, dass ein Seniorenheim mit einer Belegung von unter 120 Senioren nicht rentabel sei.

Klaus Berger, Geschäftsführer der Alexa Seniorendienst, vom April 2016 stellte als künftiger Betreiber das Projekt vor. Es sollen 122 Plätze, nur Einzelzimmer, sowie drei Wohnbereiche auf drei Etagen entstehen. Es werde einen speziellen Bereich für Fälle mit schwerer Demenz geben.

Der Investor, Herr Becker erklärte, dass es in der vom Oktober 2015 Seniorenresidenz keine krankenhausnahen Dienste geben werde. Es werde eine Seniorenresidenz ohne intensivmedizinische Pflege angestrebt. Die Zimmergröße, also der Mindeststandard, richtet sich nach den gesetzlichen Vorgaben in Brandenburg, das sind 14 qm. In der geplanten Seniorenresidenz werden die Zimmer etwa 14,5 qm und rollstuhlgerechte 16,8 qm betragen, dazu kommen 5 qm Nasszelle. Doppelzimmer gibt es nach der neuen Gesetzeslage nicht mehr.

Einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus 2012, sie fußt auf der Schätzung des Statistischen Bundesamtes, sagt aus, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um fast die Hälfte erhöht haben dürfte. Zugleich nimmt die Zahl derjenigen ab, die in der Pflege arbeiten. Demnach werden fast 500.000 Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen, wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen. Versorgt werden müssten dann knapp dreieinhalb Millionen Menschen.

Der Spitzenreiter soll Brandenburg sein, auf den bis 2030 ein Anstieg der Pflegebedürftigen um 72 Prozent zukommen kann. „In vielen Landkreisen wird es zu erheblichen Versorgungsproblemen kommen, wenn heute nichts geschieht“, sagt Heinz Rothgang vom Bremer Zentrum für Sozialpolitik, einer der Autoren der Studie. Darin sind Daten für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt in Deutschland ausgewiesen. Damit sollen sich Bürgermeister und Landräte ein Bild machen können, was auf sie und ihre Nachfolger zukommt.

Bertelsmann kam 2012 mit der Studie an die Öffentlichkeit, unsere einstigen Amtsleiter Pieper und Joecks sagten es bereits im September 2011 voraus.

Herr Pieper September 2011: hatte bei der letzten Sitzung den Auftrag erhalten, über die demographische Entwicklung von Woltersdorf für die nächsten 20 Jahre zu referieren. Er kam, auf den Punkt gebracht, zu dem Ergebnis, dass eine Zunahme der älteren Bürger bevorsteht, der man nichts entgegensetzen kann, da der Nachwuchs, der den Ausgleich bringen könnte, vor 20 Jahren nicht geboren wurde.

Joecks September 2011: Durch den demographischen Wandel sieht er einen Bedarf für Fußgänger- und Radwege, scherzhaft meinte er, es würden bald mehr Rollatoren auf der Straße zu sehen sein als früher.

Unsere Seniorenresidenz wird der Studie nach eine Top-Anlage für die Investoren, quasi eine Gelddruckmaschine werden. Wir werden sie aber dringend brauchen und sie wird, liegt die Studie richtig, nicht ausreichen.

Nur die Personalsituation sieht nicht sehr rosig aus. Bis 2030 werden der Studie nach in Deutschland an die 500.000 Pflegekräfte in Vollzeit fehlen. Die zu bekommen wird schwer, gibt es doch schon jetzt zunehmend bedrohlicher werdende Defizite in der Versorgung pflegebedürftiger

Menschen, erklärte Bernd Niederland von der Volkssolidarität am 17. März. Hauptgrund für den Mangel an Pflegepersonal aber ist deren schlechte Bezahlung, erklärte Niederland. Dies habe ihre Ursache in der ungenügenden finanziellen Ausstattung der Pflege in ihrer Gesamtheit.

Das Sozialministerium sieht diese Darstellung als übertrieben an, gibt aber zu, dass die Ausbildung und die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert werden müssten.

Hier wäre es doch einmal interessant zu erfahren, wie der Betreiber der entstehenden Seniorenresidenz die Problematik Fachkräftemangel sieht und welche Lösung er anstrebt.

Unsere Gemeindevertretung, zusammen mit der Bürgermeisterin und der Bauamtsleiterin und ihrem nachgefolgtem Eggersdorfer Gefolge, möchte in den nächsten Jahren mehrere hundert Wohneinheiten entstehen lassen. Es sieht so aus, als wenn sie die 10.000 Einwohnergrenze knacken wollen. Das macht vielleicht Sinn bei der Diskussion um die Gebietsreform, aber macht das auch noch Sinn, wenn bekannt ist, welche Lawine von Pflegebedürftigen da auf die Gemeinde bis 2030 zurollt?

  1. Milchmädchen

    Liebes Woltersdorf,

    unstrittig – die Welle der pflegebedürftigen Menschen schwillt weiter an.
    Nur, wird sich jeder dieser Menschen eine Unterbringung in solch einer Einrichtung leisten können?
    Heute deckt vielleicht noch die Pflegeversicherung einen großen Teil der Kosten, aber wie wird das in 5 oder 15 Jahren sein bei explodierenden Kosten und sinkenden Einnahmen? Reichen die Renten heute und in Zukunft, um die Eigenanteile für die Unterbringung aufzubringen?
    Zu den tatsächlichen Kosten pro Pflegeplatz kann ich leider auf den Seiten der Betreibergesellschaft nichts finden.
    Das einzige, was bei solch einem Geschäftsmodell sicher sein dürfte, sind die Einnahmen für die Immobiliengesellschaft, die die Gebäude gebaut hat und betreibt sowie die Dividenden für die Finanziers.
    Das Wort „Residenz“ stößt mir hier immer besonders sauer auf. Wer Unterstützung aus der Pflegeversicherung bezieht, der residiert nicht mehr, der ist ein mehr oder weniger schwerer Pflegefall, der nicht mehr in der Lage ist, seine alltäglichen Verrichtungen selbst und ohne Hilfe durchzuführen.
    All das sollte auch überlegt sein, wenn da im April mit Sekt und Häppchen die soziale Großtat für den Ort gefeiert wird, die letztendlich private Gewinne sichert und einen fragwürdigen Mehrwert für die pflegebedürftigen Menschen im Ort bringt.

    Ein sonniges Wochenende wünscht das
    Milchmädchen.

    1. Peter Müller

      Wird gebaut, ist es falsch!
      Wird nicht gebaut, ist es auch falsch!
      Wenn gebaut wird, kann man wenigstens hoffen, dass alles klappt!

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