Schleusenstraße – historisches Ambiente erhalten

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Gut, dass es jetzt eine Gruppe gibt, die sich für den Erhalt der historischen Bausubstanz in der Schleusen-Region einsetzt. Inzwischen ist es aber auch nötig, über das Gesamtbild der Schleusen-Region nachzudenken wegen dort geplanter Baumaßnahmen. Alle gewachsenen Strukturen, die alte Allee und das historische Granit-Pflaster der Straße, gehören genauso zum Gesamtbild der Schleusenstraße wie die Gebäude. Das, womit Woltersdorf punkten kann, ist die Woltersdorfer Schleuse mit ihrer historischen Umgebung.

Uns Anliegern der Schleusenstraße wurden auf der Einwohnerversammlung am 25.8.2016 von Seiten der Gemeinde drei Varianten für die Erneuerung der Schleusenstraße vorge-stellt. Anstoß für die Neuplanung der Straße gab die Entscheidung der Woltersdorfer Straßenbahn GmbH, Gleisbauarbeiten durchzuführen. Dass man aus praktischen Gründen bei Gleisarbeiten auch Straßenbaumaßnahmen andenkt, ist nachvollziehbar. Für uns ist es aber nicht zwingend, dass die gesamte Schleusenstraße damit unumgänglich neu gebaut werden muss. Eine Möglichkeit, in der nur die Straßenbahn baut, wurde nicht in Betracht gezogen.

Bei allen drei vorgestellten Varianten soll das historische Granit-Pflaster verschwinden und mit kurzlebigem Asphalt ersetzt werden. Außerdem würden Alleebäume den Bau-maßnahmen zum Opfer fallen und Schädigungen der Bäume im Wurzelbereich würden in Kauf genommen. In einer der Varianten ist wegen Straßenverbreiterung sogar die Fällung sämtlicher Alleebäume auf einer Seite geplant.

Man muss sich mal vorstellen, der Tourismus soll durch Fahrten mit der historischen Straßenbahn lebendig gehalten werden, und die Straßenbahn fährt durch eine Asphalt-straße mit ausgedünntem Baumbestand. Welchen Touristen würden das schon zu einem Woltersdorf-Besuch verlocken?

Es stellt sich für uns die Frage nach dem Umfang der geplanten Baumaßnahmen, denn der Bereich zwischen den Schienen obliegt der Straßenbahn. Laut Angaben der Straßenbahn GmbH wurden 1992 die Gleise im Abschnitt Einmündung Hans-Knoch-Straße bis ca Einmündung Kalkseestraße grunderneuert. Man fragt sich, ob denn wirklich in einem so kurzen Zeitraum wieder so umfangreiche Gleisarbeiten nötig sind und dann noch ein damit verbundener Straßenneubau.

Die von der Straßenbahn GmbH geforderte Gleisentwässerung würde nur für einen Neubau der Gleise zutreffen (Bestandschutz). Über 100 Jahre fährt die Straßenbahn ohne Gleisentwässerung. Außerdem leidet Woltersdorf immer mehr unter Trockenheit.

Der Zustand der Schleusenstraße ist im Vergleich zu den meisten Woltersdorfer Straßen relativ gut, abgesehen von der Pflasterung im Gleisbereich vor dem Krankenhaus. In unseren Augen wäre es sinnvoll, die Baumaßnahmen in Teilabschnitten zu planen. Einige Abschnitte sind ohnehin schon aus der Planung herausgenommen:

Der 2010 neu gebaute Abschnitt von der Einmündung Blumenstraße bis Haltestelle Blumenstraße und das Sanierungsgebiet von der Schleuse bis zur Schleusenstraße 38. Die historische Pflasterung, die sich dann anschließt, sollte dringend erhalten bleiben und aus der Gesamt- Planung herausgenommen werden.
Ab der Einmündung Flakenstraße liegt auch auf dem östlichen Fußweg das neu gelegte Bernburger Pflaster, für das sich die Anwohner, trotz höherer Kosten, vor zwei Jahren entschieden hatten, um das historische Ambiente zu erhalten. Das Straßenpflaster aus Granit, das schon über 100 Jahre hält und sicher noch länger, bildet eine optische Einheit mit dem Bernburger Pflaster des Gehwegs. Solch altes Granit-Straßenpflaster wird in anderen Regionen teuer gekauft und neu gelegt und in Woltersdorf will man diesen Trumpf leichtfertig verspielen. Außerdem wird durch das alte Pflaster der Raserei etwas Einhalt geboten. Wir sind nicht damit einverstanden, dass hier eine Asphalt- Rennstrecke entstehen soll. Das wäre eine sinnlose Maßnahme vor dem Nadelöhr Schleuse. Seit Jahren setzen wir Anlieger uns für eine Straßenberuhigung mit Tempo 30 h/ km ein.

Als die Sanierungsmaßnahmen um die Schleuse durchgeführt wurden, hatte man hinter der Schleuse bewusst Granit-Pflaster gelegt und ebenso in der Kurve vor der Blumenstraße. Das spricht dafür, auch das alte Granit-Pflaster zu erhalten. Woltersdorf braucht dringend Geld für andere nötige Projekte.

Bevor Entscheidungen getroffen werden, sollten die Anlieger unbedingt mit einbezogen werden, denn ihnen werden durch alle drei vorgestellten Varianten extrem hohe Kosten auferlegt. Wir Anlieger erwarten, dass man für uns und mit uns baut.

Über die Köpfe der Bürger Politik zu machen, schafft Unruhe und Politikverdrossenheit. Wir appellieren an die Verantwortlichen, sich zusammen mit den Bürgern für ein harmonisches Miteinander einzusetzen und dafür, dass Woltersdorf sein historisches Gesicht behält.

Johanna Görke Maria Sibylla Ponizil
Malerin / Grafikerin Malerin / Grafikerin