Porträt eines Abgeordneten – vom Urschleim an

Edgar Gutjahr (Die Linke) grummelte in der letzten Gemeindevertretung darüber, dass sie bei Diskussionen immer wieder beim Urschleim beginnen. Warum nur da, in den Sitzungen, auf den Urschleim zurückgreifen. Den Urschleim kann man den nicht auch auf andere Themen übertragen? Auf einen Menschen, auf einen Fraktionsführer, einen Ausschussvorsitzenden anwenden? Versuchen wir die Tauglichkeit des Urschleims an dem Erfinder der tollen Vokabel festzumachen.

Der private Gutjahr bleibt außen vor, der geht uns nichts an. Der öffentliche Gutjahr umso mehr. An ihm schätze ich seine klare, gut verständliche Aussprache und damit bin ich schon am Ende meiner Positivliste. Eine Negativliste gibt es nicht, nur die Aneinanderreihung einzelner Begebenheiten, einen Reim über den Abgeordneten Gutjahr soll sich jeder selbst machen.

Für uns begann der Urschleim im Feuerwehrhaus, wo einst das Dorfparlament tagte. Da sahen wir die Metamorphose eines „sachkundigen Bürgers“ zum Abgeordneten. Jetzt kann ich endlich auch was sagen, murmelte der Linke glücklich, als er erstmalig als Stimmberechtiger Platz nahm. Wir wünschten ihm damals viel Glück. Im Zeitraffer wurde er dann Fraktionsvorsitzender und Bauausschussvorsitzender. Er wurde es auf die Schnelle, weil Frau Prof. Böhm erkrankte und in Folge ihre Ämter aufgab.

Jetzt war Gutjahr der Koalitionär des Bürgermeisters. In jeder Beziehung passten sich die Partner aneinander an. Ich meine, die Assimilation erfolgte einzig bei Gutjahr. Ein Beispiel, Vogel wollte politische Gespräche mit den Abgeordneten, im kleinen Kreis, so eine Art Nebenparlament einrichten. Willig kämpfte Gutjahr dafür, ob ihm jemals aufging, dass so ein Gebilde nicht unbedingt dem Willen unserer Verfassung entspricht? Zum Glück wurde aus dem Vorhaben nichts. Gutjahrs und Vogels Plan scheiterte an den Abgeordneten von CDU, SPD und WBF.

Der Bürgermeister veranstaltete eine Bürgerversammlung. Ausführlich kann sich jeder über deren Ablauf in dem vierteiligen Bericht „Bürgerversammlung oder Bürgerkrieg“ informieren, das sollte auch jedem empfohlen werden, der demnächst an der Wahl der Gemeindevertreter teilhaben will. Alle Protagonisten des nachdenklich machenden Spektakels befinden sich noch heute auf der politischen Bühne und möchten es bleiben. Einen besseren Einblick in diesen Personenkreis werden Sie kaum bekommen. Edgar Gutjahr soll damals, vor dem bürgerkriegsähnlichen Treffen, in der Rheumaliga versprochen haben: heute Abend werden wir mit stolzgeschwellter Brust nach Hause gehen. Na ja, es wurde wohl nur ein eingefallenes Hühnerbrüstchen daraus.

Seit dazumal mag Edgar Gutjahr (Die Linke) uns nicht mehr Guten Tag sagen. Einige Male habe ich ihn angesprochen, der guckte mich nur stumm an als käme ich als Alien vom Sirius und so ist es bis heute geblieben. Er ist, glaube ich, inzwischen hervorragend an Vogel assimiliert. Einzig, wenn der Bürgermeister uns anmachte, erkannte er uns. Dann verbot er uns mit Freuden die Gegenrede. Das ist ja auch eine Art der Wahrnehmung und Ansprache. Ob solch ein Verhalten seinem Ansehen als Ausschussvorsitzenden und Abgeordneten förderlich ist?

Es sollte das Kurzporträt eines Gemeindevertreters werden. Die Größe der zähen Urschleimblase, durch die ich hierbei wate, ist gewaltiger als ich dachte und so folgt morgen der Teil zwei über den Fraktionsvorsitzenden von „Die Linke“.
Porträt eines Abgeordneten, vom Urschleim an – Teil 2
Porträt eines Abgeordneten, vom Urschleim an – Teil 3
Kommunalwahl-Kandidaten