Marshallplan für Reetsted



Im dreihundert Seelen-Dorf Reetstedt im momentan recht kalten Irgendwo entdeckt. Zeitlos schöne Bauten aus Holz und mit Reet gedeckte Steinhäuser. Nirgends Betonklötzer, wie bei mir zu Hause. Die Hiesigen wollen auch nicht unbedingt die zehntausend Einwohner Grenze sprengen, wie einige Ehrgeizlinge bei uns.

Auf einer riesigen Brachfäche entdeckte ich ein gewaltiges Plakat. Da wird Land verkauft, da kann gebaut werden.
Wer baut braucht zu eins, einen Investor, zu zwei, massig viel Planer, zu drei, mindestens einen willigen Rechtsverdreher mit immer passenden Gutachten im Rucksack und ganz, ganz wichtig, eine Personalie fürs hiesige Bauamt. Ist ja verständlich, schließlich muss auf jeden Plan ein Stempel und einer muss ja auch der etwas zurückgebliebenen Bevölkerung erklären, weshalb die ganze Bauerei gut für sie und alle ihre Nachkommen ist und den Ort vielleicht in eine glanzvolle Zukunft schleudern wird.

Es geht aber nicht so recht weiter. In Irgendwo mangelt es an routinierten Machern,die nach dem schnellen Geld schielen. Besonders im kleinen Reetsted sieht es in der Hinsicht düster aus, ganz zappenduster.

Seit Tagen rauben Gedanken mir den Schlaf. Immer wieder stelle ich mir vor, wie wär’s, wenn wir von der uns belagernden Schwemme an Investoren, Planern, Anwälten und Bauämtlern einige an Reetstedt abgeben würden. Unserer Heimat würde der Aderlass gut bekommen und für Reetstedt wäre es so etwas wie ein Marshallplan light.

Umsetzen ließe sich der Plan ohne Schwierigkeiten. Wir mieten einen Bus und jeder der Insassen: Investor, Planer, Anwalt und nicht mit allzu vielen Skruppeln gesegnete Bauämtler bekommt ein Single-Ticket für eine Besichtigungstour. Wir bräuchten der gierenden Gesellschaft nur weismachen, die Fahrt geht in investorenfreundlichste Ausnehm-Dörfer. Sind sie erst mal im Bus, schnell die Türen verblomben und dem Herrn danken.

Kann sein, dass ich nie wieder in Reetstedt auftauchen darf, aber das nehme ich für die Rettung meiner Heimat in Kauf.

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