Hugo Hirsch und die blöde Webseite

Zwischen Berlin und Oder auf dem Hammelspring liegt unser kleines Dorf Oberhammeln. Schon des öfteren waren wir dort, um über die Entwicklung Hammelsprings zur absoluten Diktatur life zu berichten. Unsere heutige Sendung, wie immer moderiert von Franz Pauke vom „Kolportierenden Anzeiger“, soll helfen zu klären, ob an dem Gerücht, dass Hugo Hirsch, Bürgermeister von Hammelspring, politische Gegner bedroht, etwas dran ist.

Franz Pauke: Herr Bürgermeister Hirsch, in Oberhammeln wird gemunkelt Sie bedrohen diejenigen, die nicht für Sie sind. Was ist dran an dem, was die Spatzen von den Dächern pfeifen?

Hugo Hirsch: Nischt, rein nischt, sage ich Ihnen. Seit langem habe ich niemanden mehr öffentlich diffamiert. Geht auch nicht mehr, die Staatsanwaltschaft meinte letztens, ich soll es sein lassen.

Franz Pauke: Ich hörte, da gibt es so eine blöde Webseite im Ort, die Sie gerne über den Jordan schicken möchten und da sollen Sie auch recht massiv geworden sein?

Hugo Hirsch: Den Hannemann mit seiner saublöden Webseite möchte ich sonst wohin schießen, aber seit ich ein guter Demokrat werden will, darf ich das nicht mehr selber in die Hand nehmen. Das erledigt jetzt Kratzfuß, mein Diener.

Franz Pauke: Aus Ihrer Antwort, Herr Bürgermeister, klingt heraus, dass Sie sich früher selbst mit dem Ärgernis Webseite beschäftigten. Können Sie unseren Lesern verraten, wie sie diesen Querulanten mit seiner Webseite angingen?

Hugo Hirsch: Äh ja, da hatte ich diesen Laufjungen, diesen Diener noch nicht, musste alles alleine richten. Zu Ihrer Frage, ganz einfach, immer wenn auf der Webseite eine Werbung, eine Verlinkung oder ein Kommentar zu sehen war, hab ich meine Leute drangesetzt zu eruieren, wer hinter dem Kommentar steckt. Na ja, dann hab ich mit den Leuten Fraktur geredet. Den Kommentarschreibern habe ich’s so erklärt, auf der Webseite da schreibt man nicht, wenn man möchte, dass es einem weiterhin gut geht. Denen, die sich mit der Webseite verlinkt haben, denen musste ich klarmachen, so etwas geht nicht in Oberhammeln. Ein Blödmann warb sogar für seine Waren auf dieser Webseite, na dem hab ich die Hammelbeine langgezogen. Schwamm drüber, das ist Vergangenheit, jetzt bin ich Demokrat und kümmere mich um die Liegenschaften des Ortes. Da liegt noch einiges im Argen, da bin ich voll gefordert. Den Hannemann und seine, wirklich, blöde Webseite betreut jetzt mein Diener.

Franz Pauke: Wie wir hörten hat ihr Diener gerade erst versuchte eine Verlinkung von der Ihnen so verhassten Webseite verschwinden zu lassen. Der Diener soll der Dame vom archäologischen Verein sogar Geld geboten haben, wenn sie die Verlinkung beendet. Hat er das Geld in Ihrem Auftrag geboten?

Hugo Hirsch: Nein, hat er nicht, ich geb doch dafür kein Geld aus. Das hat der kratzfüßige Diener aus eigenem oder anderem Antrieb gemacht, gefallen hat’s mir dennoch. Wissen Sie, dieser Kerl, mein Diener ist so ein richtiger Opportunist, höflich ausgedrückt. Ist eben so ein Typ, der im vorauseilendem Gehorsam jeden Scheiß für mich macht, manchmal zuviel Mist.

Franz Pauke: Wir hörten auch, dass Sie den Angestellten in Ihrem Rathaus verbieten mit dem Webseitenschreiber Hannemann zu reden. Jedenfalls ein Abgeordneter der schwarzen Partei sagte uns, ihm wurde angeraten nicht mehr mit dem Hannemann, dem Schmierfinken zu sprechen. Das wäre nicht gut für ihn. Ist an dem Gerede etwas dran?

Hugo Hirsch: Nun ja, der Weg zum Demokraten ist mit Rückschlägen gepflastert, ab und zu gehen mir eben die Pferde durch. Ich kann Ihnen aber versichern, ich werd immer besser, die Dinge, die die Kriminaler auf dem Kieker haben, die delegiere ich jetzt an Kratzfuß meinen Diener.

Franz Pauke: Also nichts dran an dem Gerede, dass Sie Mafiastrukturen in Oberhammeln aufbauen. Alle Bürger von Oberhammeln haben’s ja geahnt und jetzt wissen sie es, Sie, Herr Bürgermeister, werden bald ein lupenreiner Demokrat sein. Herr Bürgermeister Hirsch, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Alle Namen von Personen und Orten sind rein zufällig, wie es in einer Fabel sein sollte.