Gemeindevertretung Teil 3 – April 2016; Seniorenresidenz 2

Hier wurde der Punkt 11 den Punkten 7 bis 10 vorgezogen, um den Zusammenhang mit dem Part Seniorenresidenz im zweiten Teil zu wahren.

Punkt 11. Beschlussvorlage zum Bebauungsplanverfahren „Seniorenresidenz am Berliner Platz“ (Entwurfsplan)
Beate Hoffmann sagte, dass die Gemeindevertretung am 01.10.2015 das B-Plan-Verfahren zwischen Schönebecker Weg und An den Fuchsbergen beschlossen hat. Des Weiteren sollte die Öffentlichkeit frühzeitig mit eingebunden werden. Dies sei erfolgt und die Hinweise der Bürger wurden erfasst und berücksichtigt. Auf dieser Basis wurde der Entwurf gestaltet. Die Investoren und das Planungsbüro P4, Herr Lösse, sind anwesend.
(Anmerkung: Hier steht ein Widerspruch im Raum. Ein Besucher trug die Sorgen der Anwohner vor (Teil 2) und fragte, wann sie denn endlich gehört würden und wann sie in das Projekt einbezogen werden.
Der Investor rückte mit sechs Mann an, die ohne Ende quasselten und die Zuhörer damit vom Zuhören abhielten. Vielleicht wäre es besser Firmen, Planer etc. gleich zu Beginn abzuarbeiten, denn die interessiert nur ihr Anliegen und bei den anderen Punkten langweilen sie sich dann und manche werden dabei ganz schön laut)

Jens Mehlitz möchte die ganze Seniorenresidenz um eine Etage kürzen. Er fand alles zu gewaltig. Wilhelm Diener bedauert, dass es zu dieser Sitzung kein Modell gebe, damit er sich das bildlich vorstellen kann. Generell sei die FDP aber für den Bau. Karl-Heinz Ponsel wollte zur nächsten Sitzung einen Höhenschnitt haben.
(Anmerkung: Diener ist ein richtig lustiger Gemeindevertreter, da jammert er nach einem Modell, weil er sich das Altersheim wohl geistig nicht so richtig vor Augen führen kann, aber er ist für den Bau, auch ohne Modell und imaginäre Vorstellung. Das die Sitzungen immer wieder von Gemeindevertreter mit witzigen Einlagen aufgelockert werden ist erfreulich, erspart’s den Besuch eines Komödientheaters).

Detlef Kling von KT Projekt Woltersdorf GmbH & Co.KG nahm dazu Stellung. Als Erstes stellte er fest, dass es hier nicht um ein Wunschkonzert ginge, das hier umgesetzt werden soll. In seinen Augen liegt die Planung im Rahmen des Bebauungsplans. Es sei eine intensive Nutzung der Fläche geplant mit Gebäuden bis zu einer Höhe von 17 Metern, allerdings nicht überall. Das alles gebe der B-Plan so her. Dann schweifte ab auf andere Bauten innerhalb von Berlin, wo es gewölbte Hausfronten gebe. Zurück nach Woltersdorf erklärte Detlef Kling weiter, auch die 114 Meter Hausfront werden durch den B-Plan abgedeckt. Ein Modell würde nicht benötigt, da die Straßen vorhanden und die Höhen vorgegeben sind. Alles bewegt sich also im rechtlichen Rahmen des B-Plans.

Der Meister fuhr fort, dass es 35 Prozent Senioren in Woltersdorf gebe. Alles müsse bezahlbar bleiben. Die endgültige Fläche richtet sich nach der Anzahl der Bewohner, des Cafés und der Veranstaltungsräume; Terrassen, Aufenthaltsräume und mehr. Doppelzimmer für Ehepaar werde es nicht geben, die sind in Brandenburg gesetzlich verboten.

(Anmerkung: Solch ein Verbot für Doppelzimmer kann, wenn es stimmt, nur ein Volltrottel erlassen haben. Der Vortrag war ansonsten hochinteressant, fast jeder seiner Sätze fing damit an, dass dies und das durch Gesetze, Verordnungen etc. erlaubt, genehmigungsfähig, durchsetzbar sei. Welches Gesetz, welche Verordnung, nie nannte er eine Quelle, die Behauptung reichte. Mir drängte sich der Eindruck auf, dass hier nicht um Konsens gerungen wurde, eher machte es den Eindruck, als ob ein Bestimmer seinen Untertanen mit sanftem Tadel die Leviten liest. Der größere Part unserer Gemeindevertreter war von dem Mann tief beeindruckt und das will, nach solcher Vorstellung, etwas heißen, sagt aber auch viel über unsere gewählten Vertreter aus).

Heinz Vogel fand, dass die Bevölkerung andere Vorstellungen hätte. Eine Wohngröße von 17 qm mit Bad fand er ebenfalls inakzeptabel. Ihm widerstrebe es, mit solch einer massiven Bebauung den Charakter des Ortes zu verändern. Heinz Vogel erklärte, dass er dem Ganzen in dieser Form so nicht zustimmen könne.
(Anmerkung: Einer der Herren aus der Investorgruppe klärte mich auf, es sollen 17qm Wohnraum und 5qm Nasszelle sein. Was nun richtig ist, ich weiß es nicht).

Wilhelm Diener war der Ansicht, dass das Angebot schon genutzt wird, weil der Bedarf besteht.
(Anmerkung: Da stellt der Diener die Behauptung -weil Bedarf besteht- in den Raum und nicht ein Gemeindevertreter fragt nach dem Beweis für seine Feststellung. Ich frage mich bei Dieners Eifer, sind die Investoren etwa an einer Mitgliedschaft in seinem Mittelstandsverein interessiert?).

Stefan Bley erkundigte sich, wie die zwei Bauphasen aussehen sollten. Zuerst die Seniorenresidenz und später dann die drei Häuser. Was passiere in der Zwischenzeit mit der Fläche. Wird sie begrünt oder bleibt es eine Brachfläche.

Stefan Grams fand, dass hier alles schöngeredet werde. Er frage sich, wenn der B-Plan alles so hergebe, wieso er dann geändert werden müsse.
(Anmerkung: Das fragen sich verwundert viele Woltersdorfer, nur unsere Verwaltung und Gemeindevertretung will keine öffentliche Antwort geben).

Detlef Kling kann zu den geplanten Wohnhäusern noch keinen Termin nennen, da es noch kein Konzept mit dem Betreiber gebe. Sie haben allerdings mit der Firma „Alexa“ einen idealen Partner gefunden, aber die Verhandlungen liefen noch. Es gebe allerdings noch keinen abgeschlossenen Vertrag, da mit dem sogenannten „Mutterhaus“ noch nicht alles geregelt sei.
(Anmerkung: es gibt noch kein Konzept, aber es ist der ideale Partner, klingt genau wie Dieners, ich brauch ein Modell, damit ich’s mir vorstellen kann, aber ich bin erstmal dafür).

Kling kam auf die Bauphasen zu sprechen. Sie selber würden gerne zügig hintereinander bauen. Wenn das nicht möglich sein sollte, würde das Grundstück so hergerichtet, dass es anschaulich ist.
Dann betonte Kling, dass bei der Seniorenresidenz die Geschosse und die Höhe, die nicht 16 oder 17 Meter hoch sein werden, im Rahmen des B-Planes liegen.
(Anmerkung: Kling sagt aber nicht, wie der Rahmen aussieht).
Dann verwies er noch auf den Nettomarkt, der ein Flachdach habe. So ein Flachdach wurde abgelehnt, deshalb werde jetzt mit 24 Prozent Dachneigung gebaut.

Askell Kutzke fand, dass eigentlich genug geredet wurde, sollen doch die zukünftigen Nutzer entscheiden, ob ihnen die Räume zu klein wären. Es gebe den B-Plan, der vom Investor umgesetzt werde, dabei ginge es nicht um Traufhöhe, sondern um den Berliner Platz. Der Supermarkt dort habe ihn schon zerstört. Er persönlich finde das Konzept wunderschön.

Heinz Vogel konterte, dann könne also jeder bauen, wie er will. Er drückte sein Unverständnis darüber aus, dass der Investor in der Versammlung sagte, dass schon Verträge abgeschlossen wären und nun auf einmal doch nicht. Detlef Kling meinte, dass es dabei nur um die Wohnhäuser ginge, da würden noch keine Kauf-, er verbesserte sich, Betreiberverträge abgeschlossen sein.
(Anmerkung: Ja, jeder kann bauen, wie er will. Es war diese Gemeindevertretung die es Hannes Langen erlaubte die Gestaltungssatzung zu ändern. In blumigen genuschelten Worten zeigte er Euch die Vorteile einer freien Bauweise auf und ihr zolltet ihm Beifall. Nun bekommt Woltersdorf das, was ihr durchgesetzt habt).

Edgar Gutjahr meinte nur, dass ja eigentlich im Moment kein Baubeschluss gefasst würde, sondern lediglich ein Entwurf beschlossen wird, der dann noch einmal öffentlich ausgelegt werde.

Stefan Grams wollte mit dem Märchen aufräumen, das ein runder Platz nicht mehr gehe. Seiner Ansicht nach, sei das es immer noch möglich, den Berliner Platz als einen runden Platz darzustellen. Der Supermarkt störe nicht. Außerdem ließe der alte B-Plan nur eine dreigeschossige Bebauung mit einer Firsthöhe von 14 Metern zu.
Jens Mehlitz ergänzte, er als Woltersdorfer finde, dass ein 60 Meter langes Gebäude an der Berliner Straße und dann noch einmal ein 40 Meter langes Gebäude Richtung Kita alles erschlage. Er meint Woltersdorf sei keine Stadt, sondern ein Dorf und deshalb sei er gegen die Bebauung.

Heinz Vogel grauste es und er beantragte die Beendigung der Diskussion.

Askell Kutzke gab noch zu bedenken, dass so ein Modell um die 10 TE kosten würde, dazu sei weder der Investor noch die Gemeinde bereit diese Kosten zu übernehmen. Aber er könne sich vorstellen, dass diejenigen, die ein Modell wollen sich die Kosten teilen.
(Anmerkung: Lieber Herr Kutzke, 10TE für ein Modell? Da empfehle ich eine günstigere Quelle Architekturmodelle).

Detlef Kling bot als Kompromiss ein Modell in Bauklötzchenform an, das sei nicht so kostenintensiv.
(Anmerkung: Das haben wir hier schon einmal mit Legosteinen gebaut und abgelichtet. Das könnte auch jeder Gemeindevertreter zu Hause mit den Legosteinen seiner Kinder oder Enkel in wenigen Minuten selber bauen, wenn er denn wirklich Interesse an der Materie hat).

Sebastian Meskes verlas den Beschluss und ließ namentlich darüber abstimmen.
„Die Gemeindevertretung der Gemeinde Woltersdorf beschließt in ihrer Sitzung am 28. April 2016 die Annahme des Entwurfes des Bebauungsplanes „Seniorenresidenz Berliner Platz“ und dessen öffentliche Auslegung nach § 3 (2) BauGB sowie die Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange nach § 4 (2) BauGB“.
Mit Ja stimmten Margitta Decker, Stefan Bley, Wilhelm Diener, Siegfried Bronsert, Edgar Gutjahr, Dirk Hemmerling, Jelle Kuiper, Askell Kutzke, Daniel Lohse, Karl-Heinz Ponsel, Jutta Herrmann, Sebastian Meskes.
Mit Nein stimmten Stefan Grams, Jens Mehlitz, Silke Schindler, Heinz Vogel.
Henry Hentschel und Michael Hauke enthielten sich der Stimme.

Teil 3/4

  1. Milchmädchen

    Liebes Woltersdorf,

    was kommt am Ende bei diesem Projekt für Dich heraus?

    Es mag sein, dass 35% Deiner Einwohner Senioren sind, die früher oder später auf professionelle Pflege angewiesen sind. Aber werden diese sich ein Zimmer in einer Anlage wie der geplanten überhaupt leisten können?
    Auf den bunten Webseiten der Betreiber wird mit den Zuschüssen der Pflegekassen geworben. Eine Aussage über die tatsächlichen Kosten findet man nirgends. Das wäre doch mal eine legitime Frage der Gemeindevertreter an die Vorhabenträger.
    Ein privater Betreiber wird das Haus nicht aus reine Menschenfreundlichkeit führen. Hinter ihm stehen Banken, Bauherren, Gesellschafter, die alle eine Rendite für Ihr Engagement erwarten, die (welch Überraschung) die Bewohner mit den Mieten finanzieren müssen oder zulasten der Pflegeleistungen gehen.
    Ich persönlich würde mich immer nach einem gemeinnützigen Betreiber umsehen, der sich auf seine Aufgaben in der Pflege konzentrieren kann und nicht noch Gewinne maximieren muss.

    Also nochmal die Frage, liebes Woltersdorf – was nützt Dir dieses Projekt?

    Die Aufgabe der öffentlichen Verwaltung und der Politik ist es, dem Ort zu nutzen und nicht Gewinne von Wirtschaftsunternehmen zu maximieren.
    Ob man deswegen die Bebauungshöhe und -dichte im Bebauungsplan ändern sollte?
    Statt dessen könnte man mit dem Vorhabenträger nachdenken, wie die Mobilität der Bewohner im Ort gesichert werden kann. Zum Beispiel mit Einstiegshilfen in die Straßenbahn am Berliner Platz, Thälmannplatz, der Schleuse und in Rahnsdorf, damit auch ein Rollator oder schwere Beine nicht daran hindern, die Straßenbahn zu nutzen und sich im Ort zu bewegen. Das erhöht die Attraktivität der Anlage und könnte dem Vorhabenträger ja eine gedankliche und angemessene finanzielle Beteiligung an der Lösung wert sein.

    Wirtschaftsfreundliche Politik heißt nicht, Unternehmen bei der Profitoptimierung zu helfen und dafür all die Nachteile in Bezug auf das Ortsbild in Kauf zu nehmen. Lasst Euch auch nicht von achsoviel neu geschaffenen Arbeitsplätzen beeindrucken, wenn dann am Ende das Personal in Pflege, Küche und Reinigung dann billigst über Personalagenturen oder gleich von jenseits der Oder rekrutiert wird.

    Es grüßt Dich nachdenklich,
    Dein

    Milchmädchen.

  2. blitzmaerker

    Ersteinmal: Danke Bernd für die fleissige Dokumentation lokalpolitischer „Satire“.

    …und ich dachte 26 Jahre später ist die „Wildwestshow“ durch und alte Fehler würden nicht mehr gemacht.
    So kann man irren.
    Wollen die heute so aktiven, agilen und engagierten Senioren ( Stichwort: Seniorenbeirat ) wirklich in 17qm selbstbestimmt die 13 Jahre zwischen 67 und ca. 80 ( http://www.welt.de/politik/deutschland/article139906795/In-diesen-Bundeslaendern-leben-Sie-am-laengsten.html ) „wohnen“ ? Ergo: gibt es den Bedarf in Woltersdorf wirklich ? Kommt durch diese geplante „Wohnanlage“ soviel Gewerbesteuer mehr in die Gemeindekasse, dass die $ Zeichen den Augenkrebsschmerz beim Anblick einer 60 Meter Hausfront überdecken ? Und wieviel Meter „Straße“ würden mit dem Geld saniert werden (können) ? Sarkastisch gesehen würde eine Broilermastanlage oder eine Batteriefabrik besser sein. Das schafft echte Arbeitsplätze, bringt neben der Gewerbesteuer auch ggf. neue Mitbürger und die Gestaltung der Fassade so eine Produktionsstätte ist ja nun weniger das Problem – da gibt ja wirklich talentierte Graffitikünstler. Ohne wirklich „Öko“ zu sein, halte ich z.B. ein Grünanlagebiotop für weit nachhaltiger in Bezug als Hinterlassenschaft für nachfolgende Generationen, als eine Senioren“residenz“. Langfristige Besonnen- und Bescheidenheit in allen Bereichen der Gesellschaft halte ICH für das Gebot der Stunde. Leichtfertig kaputt gemacht wurde schon genug.

    Noch so nebenbei: da ist UW angetreten es besser zu machen und dann enthallten sich 2 gewählte Volksvertreter von UW der Stimme. Welches „stimm – und meinungslose Wahlvieh“ hat denn die gewählt ?
    Von denen hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/paris-nuit-debout-proteste-buendeln-frust-ueber-die-regierung-a-1086909.html gibt es in Wdorf wie es scheint leider keine – schade eigentlich.

    Im übrigen: Nachdenken, liebe Mitmenschen – hat noch keinem geschadet.

    1. Bernds Journal

      Morgen Blitzmärker, tja ich lernte während meiner Berufsjahre, dass man eine Entscheidung treffen muss. Besser eine falsche Entscheidung als gar keine. Dieses -Stimme enthalten- ist eine weitverbreitete nicht heilbare Krankheit, die sich aus politischer Unfähigkeit ableitet, denke ich mal.

      Du schreibst UW ist angetreten alles besser zu machen, da hatte ich Zweifel und die sind geblieben und mehren sich. Seit der Wahl wird noch mehr in den nicht öffentlichen Teil geschoben, sogar mehr als beim Geheimniskrämer Vogel. Inzwischen wird über eine Reederei, die Betreiber eines ollen Anlegestegs werden möchte, nur als der Bewerber „B“ gesprochen und abgestimmt und alle Parteien sind sich einig, halten das Bürgerausschlussverfahren für prima. Nein, in Woltersdorf geht es politisch immer noch nicht aufwärts, aber auch noch nicht weiter abwärts. Vielleicht erwarte ich zuviel Offenheit von Mitbürgern, die einen großen Teil ihres Lebens Stasibestimmt leben mussten.

      Zu den 17qm Lebenszellen plus 5qm Nasszellen oder doch 17qm insgesamt, da schwirren die verschiedensten Aussagen durch den Raum. Mir ist es egal, wer sich bei klarem Bewußtsein in solche Abstellboxen quetschen lässt, hat selber Schuld. Bedauern kann ich nur den, der in solche Box von Amtes wegen oder von der Familie eingewiesen wird. Dann lieber Ade schöne Welt.

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