Gebt den freien Schornsteinfegern eine Chance


Wir haben unseren Bezirksschorsteinfeger Maik Marlow genossen bis zum Überdruss. Zähneknirschend mussten wir ihn ertragen, konnten nicht wechseln, Marlow war Teil einer Monopolbrache, gehört zur Zunft der staatlich geschützten Schornsteinfeger. Süffisant erklärte er uns, er sei der Musterschüler seines Zunftmeisters Augusta gewesen. Geschützt und unterstützt von Ordnungsämtern hat er uns gezeigt was ein Bezirksschornsteinfegermeister alles so im kleinen Finger hat. Wir haben sensüchtig auf den Tag gewartet, dass das Monopol dieser Zunft fällt und Wettbewerb eintritt. Jetzt ist es soweit, wir haben schon seit vorletztem Jahr einen freien Schornsteinfeger, sind damit zufrieden und seine Rechnungen sind niedriger als die des Bezirksschornsteinfegers. Der Freie behandelt uns wie wir es von einem Geschäftspartner erwarten, raunzt uns nicht an, droht uns nicht und prahlt nichts von einer Musterschülerzeit.

Eins brauchen die freien Schornsteinfeger – Kundschaft – ansonsten geht ihnen die Luft aus und die uns bisher die Preise diktierende Bruderschaft der Bezirksschornsteinfeger bleibt uns erhalten und kann weiterhin ungestört an der Gebührenschraube drehen, so oft sie will. Es liegt an uns, den Kunden, die Monopolisten zu deckeln. Packen wir es an!

Freie Schornsteinfegerwahl
SWR Fernsehen zur Thematik
Hier einmal ein düsteres Erlebnis mit dem Bezirksschornsteinfeger Marlow

  1. Roman Heit

    Schornsteinfeger Glücksbringer oder nicht?

    Bericht aus einer Kampfzone

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    Schornsteinfeger Glücksbringer oder nicht?

    Bei der Arbeit

    © by Roman Heit

    Das ist meine Kampfzone“, Roman Heit zeigt auf ein kleines Häuschen. Es steht, umringt von Gartenzwergen, in einer Reinickendorfer Reihenhaussiedlung. Aus diesem Garten steuert Heit seine Aufträge in ganz Berlin und Brandenburg. Der Garten gehört Harald Störzel, seinem Kunden und Kollegen. Gemeinsam rütteln sie an der althergebrachten Schornsteinfeger-Ordnung. Wir sitzen auf einer roten Hollywoodschaukel im Hintergarten.

    Störzel schaukelt, Heit redet. Der vollbärtige, kräftig gebaute Schornsteinfeger kämpft um Kunden, die gar nicht wissen, dass es solche wie ihn gibt: Echte Freie Schornsteinfeger, die keinem Bezirk angehören. Denn erst seit 2013 steht es jedem Haus-Eigentümer frei, den Schornsteinfeger selbst zu wählen, statt denjenigen zu behalten, der ihm früher automatisch vom Bezirk zugewiesen wurde. „Nur die, die ihren Schornsteinfeger nicht mögen, wechseln, und das sind die wenigsten“, meint Henry Laubenstein, Pressesprecher der Schornsteinfeger-Innung Berlin. „Und deswegen hat sich bei den Betrieben auch nicht viel geändert, obwohl der Markt liberalisiert wurde.“ Nur fünf Prozent haben den Kehrer gewechselt, schätzt der Zentralinnungsverband der Schornsteinfeger (ZIV).

    „Das Monopol ist zum Kartell geworden.“
    Glaubt man Heit, ist die Zahl der Wechsler nicht so klein, weil so viele ihren Schornsteinfeger mögen, sondern deshalb, weil freie Kehrer wie er selbst keinen Platz im ehemaligen Monopolbereich des Kehrbezirks erhalten. „Das Monopol ist zum Kartell geworden“, meint er. Einer dieser fünf Prozent ist Störzel: „Mir kam der Geselle etwas dumm. Weil ich wusste, dass das Bezirks-Monopol aufgegeben wurde, habe ich gegoogelt und genau einen Freien Schornsteinfeger in Berlin gefunden: Roman Heit.“ Störzel hat den Schornsteinfeger-Meister seines Kehrbezirks nie gesehen, 18 Jahre lang, bis er Heit bestellte. Das sei, laut Heit, eine Ordnungswidrigkeit.

    „Verglichen mit der Autowerkstatt und dem TÜV lässt man die Heizung vom Gesellen reinigen und regelmäßig vom bevollmächtigten Schornsteinfeger überprüfen.“ Zu Monopolzeiten waren „Autowerkstatt“ und „TÜV“ des Schornsteinfeger-Gewerbes im gleichen Betrieb. Heute kann theoretisch jeder Schornsteinfeger die handwerklichen Aufgaben übernehmen, nur die „hoheitlichen Aufgaben“, wie die Feuerstättenschau, bleibt bei dem vom Bezirk bevollmächtigten Meister – wie schon damals. Dass Störzel den bevollmächtigten Meister zum ersten Mal persönlich trifft, nachdem er sich von Roman Heit statt vom Bezirksbetrieb den Kamin kehren lässt, sei kein Einzelfall. Auch bei vielen anderen Kunden erschien der jeweilige Meister des Bezirks, sobald Heit da gewesen war, erstmalig, um die Feuerstättenschau durchzuführen und um zu fragen: „Warum haben Sie gewechselt?“ – „Das mache den Leuten Angst“, glaubt Störzel. Viele Kunden wandern danach wieder ab – zurück zum Bezirk.

    „Von außen kommt man da nicht rein.“
    „Seit der Liberalisierung hat sich zwar die Sachlage geändert, aber faktisch rein gar nichts. Von außen kommt man da nicht rein“, meint Heit. Henry Laubenstein von der Schornsteinfeger-Innung schließt das aus: „Alle Eigentümer haben mitgekriegt, dass sie wechseln können. Das war groß in den Medien.“ Für Laubenstein und seinen Betrieb hat sich deshalb wirklich faktisch nichts geändert. Sein Kundenstamm ist geblieben, auch die anderen Betriebe in anderen Bezirken müssen sich keine Sorgen machen. „Tatsächlich ist es ja auch im Interesse der Kunden, die regelmäßigen Arbeiten von dem Schornsteinfeger ausführen zu lassen, der wegen des gesetzlich vorgeschriebenen Bescheides ohnehin ins Haus kommen muss,“ erklärt Laubenstein.

    Er hat auch keine Angst davor, dass er seine Arbeit durch die Liberalisierung billiger anbieten muss. Schließlich richten sich „die Preise nach einer angemessenen Gebührenordnung.“ Er glaubt vielmehr, dass die Preise steigen werden, weil sich die Verwaltungsaufgaben häufen. Heit bietet seine Dienste billiger als die Bezirksbetriebe an, außerdem macht er auch samstags Termine. „Doch der Preis ist nicht alles“, das weiß Störzel, das weiß Heit und Laubenstein von der Innung weiß das auch.

    Schornsteinfeger-Discount-Kette
    Bisher gibt es nur wenige, wirklich freie Schornsteinfeger in Deutschland. Heit wünscht sich, für sich selbst, eine Schornsteinfeger-Discount-Kette, die „von Hamburg bis München eine echte Konkurrenz bildet.“ Gerade macht er seinen Meister, damit er auch die hoheitlichen Aufgaben selbst durchführen kann. Denn als Bevollmächtigter Schornsteinfeger möchte er schon arbeiten, „aber nicht in Berlin“. Es ist der Kampf eines Mannes, Roman Heit, gegen die alte Ordnung eines Handwerks, das lange Zeit staatlich geregelt wurde. Und es ist der Kampf einer kleinen Handwerkergruppe, der Schornsteinfeger, gegen das übermächtige System der freien Marktwirtschaft, vor dem sie sich gerade noch so gegenseitig schützen können.

    Wen man nun bei sich aufs Dach steigen lässt und wem man dabei aufs Dach steigt, das muss jeder selbst entscheiden.

    Quelle: BerlinOnline/Hanne Bohmhammel

    http://www.berlinonline.de/magazin/reportage/3646964-3344923-schornsteinfeger-bringen-glueck-aber-wer.html

  2. hansheinrich

    @ Bernd: „Wir sind nicht inBelgien…“

    Die 600 Opfer in Belgien, gelegentlich auch Frankreich, sind eines der vielen Fegermärchen, um Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Sobald ein Nachweis angemahnt wird, verstummen die schwarzen Lügner oder tischen geschwind ein anderes Fegermärchen auf.

  3. Roman Heit

    Der Bezirksschornsteinfeger macht bei der Zeugenvernehmung von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Gegen ihn wird ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung ermittelt

    Toller Experte der den Kunden den Tod bringt.

    Ich meine, wenn er seine Arbeit vernünftig gemacht hätte würden Sie wahrscheinlich noch leben.

    Ein freier Schornsteinfeger hat die BBS Bevollmächtigten und die Ordnungsbehörden und die Bauämter gegen sich und hat keine Lobby,da wüßte ich wem ich wirklich vertrauen kann.

    Ein freier Schornsteinfeger muß seine Arbeiten auf einem Formblatt dokumentieren,ein Bevollächtigter nicht!

    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/tod-durch-gasvergiftung-eine-vermeidbare-katastrophe,10809148,25976902.html

  4. Bernd

    Schornsteinfeger waren bis zum Jahresende Monopolisten mit einer sehr starken Lobby. Die Gebühren werden vom Land festgelegt, zuvor aber mit der schwarzen Zunft ausgekegelt. Ist schon richtig, dass die hoheitlichen Aufgaben leider beim Bezirksschornsteinfeger bleiben, da habe ich auch nichts Gegenteiliges geschrieben. Wobei ich die Kompetenz der Hilfsbeamten im schwarzen Rock als recht niedrig kennenlernte.
    Mit der handwerklichen Kompetenz wird es, wie überall sein, der eine ist Klasse, der andere eine Null. Nur Du als Kunde wurdest bisher zwangsweise einem Schwarzen Mann zugeteilt, ob er Klasse war oder eine Null, interessierte die Ordnungsbehörde herzlich wenig. Hast Du eine Null, einen aufgeblasenen Angeber, einen Möchtegern, einen Musterschüler erwischt, dein persönliches Pech (PP). Du bist ihm hilflos ausgeliefert, Jahrzehntelang. Ordnungsämter und Zünfte halten ihm bedingungslos die Stange.
    Bekannte kämpfen seit über zwei Jahren mit dem Landratsamt. Ein Jahr brauchte das Amt, um einen erfolgreichen Widerspruch zu bearbeiten. Nun warten sie schon wieder ein Jahr auf die überfällige Rückzahlung der zu Unrecht erhobenen Ordnungsstrafe, die im Voraus bezahlt werden musste.

    Wir sind nicht in Belgien, die dortigen Verhältnisse kenne ich nicht. Wir sind in Deutschland und hier wartet ein sehr kompetenter Heizungsmonteur unsere Heizungen. Wir haben vier Heizungsanlagen, noch nie konnte ein Bezirksschornsteinfeger dessen Arbeit bemängeln. Das wird auch die allgemeine Regel sein.

    Zu der von Dir genannten Zahl von sechs Toten in Deutschland, Diese Todesfälle in Bln-Köpenick, sind auf eine nicht ordnungsgemäße Wartung einer Gastherme zurückzuführen. Angeklagt sind die Hausverwaltung und der Bezirksschornsteinfeger. Bezeichnend ist, der Bezirksschornsteinfeger hat von einem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Somit sind die Ursachen nicht im Aufweichen des Schornsteinfeger-Monopols zu suchen, sondern eher in verkrusteten Strukturen.

  5. D.S. II

    Der Beitrag trifft’s nicht ganz. Die Gebührenhöhe wurde und wird (!) durch die zuständige Landesbehörde festgelegt. Nur die Kehr- nicht die hoheitlichen Aufgaben sind durch uns Kunden frei wählbar ! Und das ist gut so ! Oder wer möcht hier bspw. belgische Verhältnisse mit jährlich ca. 600 Toten nach Unfällen/Schäden an Heizungsanlagen bei nur etwa 5 Mio. Einwohnern. In Deutschland lag diese Quote zuletzt bei 6 Toten und
    ca. 80 Mio. Einwohnern ! Der Schornsteinfeger ist der verlängerte Arm der Baugesetzgebung und wird in unserem Land m.E. auch angesichts der vielen Billigsubunternehmer aus dem Ausland auch dringend gebraucht. Wer dann unbedingt 30,-€ im Jahr sparen will oder muß, sollte darüber nachdenken. Gruß D II.

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