Drei Jungs und ein Kantholz

Die Tat, Täter und Opfer sind zweifelsfrei bekannt. Ein 17 Jähriger hat mit einem Kantholz zweimal auf einen 44 Jährigen eingeschlagen. Der erste Schlag gegen die Rippen, der Zweite gegen den Kopf. Der Attackierte erlitt schwere Kopfverletzungen, schwebt in Lebensgefahr. Überlebt er die Verletzungen, ist es nicht sicher, ob er nicht Folgeschäden davonträgt.

Der 17 Jährige, in Begleitung zweier Freunde im ähnlichen Alter, scheinen sich erst einmal davongemacht zu haben, denn erst einen Tag später stellten sie sich der Polizei und erzählten den Tathergang so, dass die Staatsanwaltschaft, weil bisher keine weiteren Zeugen vorhanden sind, von Notwehr ausgehen muss.

Es geschah in einer Düsseldorfer Straßenbahn. Der wohl angetrunkene Mann beschwerte sich bei den drei Jungen über zu laute Musik. Es kam zu Streit, die Gefährtin des Mannes hat ihren Mann gebeten, ruhig zu bleiben. Die Jugendlichen stiegen bei einem Halt aus, der Mann auch, obwohl er dort nicht aussteigen brauchte.

Die drei Jungens sagen, der Mann habe beim Aussteigen einen von ihnen mit einem Gürtel geschlagen. Der angeblich angegriffene Junge habe mit einem in der Bahn gefundenen Kantholz, dass er aus Furcht vor einem Angriff mitnahm, gegen die Rippen und den Kopf des Mannes geschlagen.

Soweit die Story der Jungs, nur was ist dran? Der Mann kann nichts sagen, der liegt im Krankenhaus und seine Lebensgefährtin, die wohl nicht ausgestiegen war, kann kein Zeugnis ablegen. Die Geschichte der drei Jungs hört sich für mich mehr als eigenartig an und wirft Fragen auf.

Das es zum Streit wegen zu lauter Musik kam ist nachvollziehbar. Das die Frau den Mann mahnte Ruhe zu geben auch. Alles weitere kann ich nicht so ohne weiteres nachvollziehen.

Wie seltsam, dass der Junge genau zu dem Zeitpunkt ein Kantholz in der Straßenbahn findet, wo er einen Moment später eine Waffe benötigt.

Woher weiß der Junge, dass der Mann ihn gleich angreifen wird, denn aus Angst vor einem solchen bevorstehenden Angriff will er das gefundene Kantholz mitgenommen haben.

Woher hat der angetrunkene Mann plötzlich einen Gürtel, mit dem er auch noch schlägt. Der Mann kann in der schwankenden Bahn den Gürtel aus seiner Hose gezogen haben. Gut, aber ohne Gürtel rutscht die Hose. Der Mann ist angetrunken, die Bahn schaukelt hin und her, bremst an der Haltestelle, der Mann muss jetzt mit einer Hand seine nun gürtellose Hose festhalten, will er nicht im Freien stehen. Er sollte sich mit der zweiten Hand an einer Haltestange festhalten, um nicht beim Bremsen der Bahn durch den Zug zu marschieren. Kann er aber nicht getan haben, wie die Jungs sagen, schlug er mit dem Gürtel zu. Der Junge, der die Attacke bereits im Voraus ahnte und sich mit dem Kantholz bewaffnete, schlug nun ebenfalls zu. Anschließend, nehme ich an, sind die Drei erst einmal nach Hause gegangen, haben sich nicht um den am Boden liegenden gekümmert. Einen Tag später sind die drei jungen Herren mit ihrer Geschichte zur Polizei gegangen.

Der Staatsanwalt sagt: Wenn man mit einem gefährlichen Gegenstand angegriffen wird, dann darf man sich mit einem solchen verteidigen, um den Angriff abzuwehren. Wenn man sich dennoch weiter in einer Notwehrlage befindet, darf man auch zum Gegenangriff übergehen.“

Verteidigen ja, aber angemessen sagt das Gesetz. Ist ein Hosengürtel, in der Hand eines Betrunkenen, dem vielleicht gerade die Hose herunterrutscht, eine gefährliche Waffe, die die drei Jugendlichen fürchten mussten? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Die Drei hätten, nehme ich an, den Mann locker festhalten können, den Gürtel wegnehmen und ihrer Wege gehen können. Wie sollte, ein Mann, dem seine Hose herunterrutscht, sie verfolgen? Rutschte sie aber nicht, dann war der Gürtel in der Hose und dann stellt sich wieder die Frage, woher hatte der Mann den Gürtel?

Warum sind die Jungs nicht einfach davongelaufen, der Angetrunkene wäre wohl nicht imstande gewesen, sie zu verfolgen. Der Staatsanwalt: „Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen.“ An sich richtig, nur hier wäre Deeskalation durch Entfernen der richtige Weg gewesen.

Nachtrag 12.10.13: Der Mann ist inzwischen im Krankenhaus gestorben.