Die schwere Geburt eines Wappens

Deutschland – Argentinien- 1:0. In der 113 Spielminute schoss Mario Götze das ersehnte Tor. Die deutsche Mannschaft bekam dafür den von der FIFA seit 1974 verliehenen World Cup 2014 in die Hand gedrückt. 4.9 Kilo Gold, heutiger Wert 112.000 Euro, sind in dem originalen Pokal verarbeitet, den die FIFA in ihrem Züricher Hauptquartier behält. Die Mannschaft erhält nur eine vergoldete Kopie aus Bronze.

Die deutsche Mannschaft hat da etwas zum Anschauen, zum Anfassen, einen Hingucker bekommen, wir hier in Woltersdorf sind da bisher deutlich schlechter weggekommen.Unser Ort hat, im Gegensatz zu allen anderen Orten im weiten Umkreis, keinen Hingucker. Schon an den Ortseingängen werden die Ankommenden nicht nur von nüchternen, gelben Ortsschildern begrüßt, nein, da stehen auch farbenfrohe, heraldische Bilder. Auf den Wappen sehen wir unter anderem Burgen, Bäume, Kleeblätter, Löwen, Pferde, Adler. Warum hat sich Woltersdorf hier, im Gegensatz zu seinen Nachbarn, bisher ausgegrenzt? Bewusst ausgegrenzt, wollte man sich mit kahler Langweiligkeit präsentieren? Liegt’s vielleicht am Unvermögen des Ortes oder eines Einzelnen solch ein Projekt zu stemmen?

Erstmalig hörte ich 2010, während der Bürgermeisterwahl, das Einheimische den Wunsch nach einem Wappen äußerten. Bei dem Wunsch blieb es bis heute, obwohl die Gemeinde auf ein Wappen zugreifen kann, das vom heraldischen Amt in Potsdam für genehmigungsfähig erklärt wurde und obendrein kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Warum nehmen wir das nicht?

Die Antwort ist einfach, der – Bürgermeister – will dieses Wappen nicht, auf gar keinen Fall. Der Entwurf stammt vom Verschönerungsverein und mit dem hat’s der Bürgermeister nicht, wie auch mit der Feuerwehr. Obendrein hält sich der Bürgermeister wohl für einen bedeutenden Künstler, er wollte partout ein von ihm geschaffenes Wappen am Ortseingang sehen. So gründete er einen Arbeitskreis „Wappen“. Jeder weiß, wer nicht weiterweiß, der gründet einen Arbeitskreis. Dem erlauchten Gremium gehörte der Bürgermeister, der Führer des Mittelstandsvereins Abluft-Diener und Herr Miesen an. Alle drei wurden wahrscheinlich aufgrund ihrer heraldischen und künstlerischen Leistungen ausgewählt. Um es kurz zu machen, der unglückselige Arbeitskreis tage, wie ich hörte, ein einziges Mal.

Am 30. August 2013, Antenne Brandenburg, feierte in Woltersdorf, stellte der Bürgermeister drei Entwürfe vor. Großzügig, wie der Bürgermeister ist, durfte sich auch der Verschönerungsverein mit seinem bereits genehmigungsfähigen Wappen beteiligen. Der Bürgermeister und Künstler Dr. Vogel hatte einen weißen Vogel, ich denke, es könnte eine Gans gewesen sein, entworfen. Das Federvieh aus weißem Marzipan flatterte am imaginären grünen Marzipanhimmel und darunter auf der Marzipanerde turnte ein Fuchs mit steif abstehender Rute, auch aus leckrem Marzipan, auch vorm grünen Marzipanhintergrund. Die Gunst der Zuschauer bekam das Wappen des Verschönerungsvereins, die beiden anderen Kandidaten fanden bei den Woltersdorfern wenig Gnade.

Dem, der Fuchs und Flattermann kreierte, störte die Ablehnung nicht. Ein wahrer Künstler sieht solches nur als Bestätigung und er ließ das Marzipangebilde im Fahrstuhlturm der Alten Schule direkt ins Fenster hängen, was er nicht durfte, denn er ist dort kein Mieter. Na ja, mit dem Dürfen und nicht dürfen, da haben eben manche Bürgermeister in Brandenburg Probleme.

Es kam, wie es kommen musste. Die Sonne ging auf, stieg immer höher, das Marzipan wurde wärmer und wärmer. Die Gans bereitete sich auf den baldigen Absturz vor, der Fuchs verlor den steifen Schwanz. Die glitschige, täglich mehr stinkende Marzipanmasse tropfte auf den Bodenbelag. Niemand kümmerte sich drum, keinem fiel es ein, die Malesche aufzuwischen. Das Kunstwerk des Bürgermeisters mutierte zu neuem Ruhm. Jetzt ist es verschwunden, was hat der Designer wohl damit gemacht?

Seitdem schlummert das Projekt Wappen im tiefen Dornröschenschlaf. Das fertige Wappen will der Bürgermeister nicht, seins ist zerflossen, das vom Miesen verwelkt. Schwerer Ideenschwund machte sich breit, der Bürgermeister beauftragte, so behauptet er, eine Woltersdorfer Künstlerin mit der Schaffung eines Wappens. Die Künstlerin, der Bürgermeister verschwieg bisher vornehm ihre Identität, wollte im Dezember 2013 liefern. Es kam nichts, nicht ein Fitzelchen Wappen hat der Arbeitskreis Wappen und die Künstlerin bisher vorweisen können. Ich gehe mal davon aus, die Dame kennt sich besser im Restaurieren von alten Hölzern aus, als im Schaffen von heraldischen Entwürfen.

Die WM-Mannschaft hat mit dem FIFA-World-Cup 2014 seinen Hingucker, Woltersdorf hat’s immer noch nicht geschafft. Wir haben jetzt Juli 2014, die Künstlerin und Bürgermeisters Arbeitskreis haben immer noch nichts vorgezeigt, ob es da jemals etwas mit dem Wappen wird?

Historie: Wappen für Woltersdorf

  1. Anon

    Kannst du die anderen Wappenvorschläge eventuell auch hier veröffentlichen? Schwer sich so ein Bild zu machen, auch wenn ich von den künstlerischen (und sonstigen) Fähigkeiten unseres BM sicher nicht überzeugt bin.

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