Die Polizei ist abgehängt

Freitag, Juli 23rd, 2010 von Bernd

Ein leerer Parkplatz ist manchmal alles, was die Menschen im Grenzgebiet zu Polen noch vorfinden, wenn sie am Morgen mit ihrem Auto zur Arbeit fahren möchten. Der böse Spruch: Besuchen Sie Polen, ihr Auto ist schon da, ist wieder traurige Wirklichkeit geworden. Jörg Schönbohm (CDU), Innenminister in Brandenburg von 1999 bis 2009 sorgte sich um die Freizügigkeit beim Reisen von und nach Polen. Deshalb ließ er die Grenzkontrollen zum Nachbarn wegfallen, gleichzeitig versprach er, dass die neue Freiheit nicht zum Anstieg der Diebstähle führen würde. Der liebe Herr Schönbohm, er hat den Mund ein bißchen zu voll genommen, in der Grenzregion wird geklaut was das Zeug hält und die Polizei ist machtlos.

Die lieben Nachbarn nehmen alles was nicht Niet und Nagelfest angebracht ist, ob Schulen, Verwaltungen, Lauben, Parkplätze und Friedhöfe, nichts wird verschont. In Wüste Kunersdorf verschwand sogar eine 100 Kilogramm und 300 Jahre alte Friedhofsglocke. Um 30.9 Prozent nahmen im letzten Jahr die Autodiebstähle zu und in Lauben und Kellerräume um 28.2 Prozent. In Bungalow- und Gartenanlagen waren es mehr als doppelt so viele Diebstähle. Von Januar bis Mai sind schon 272 Autos geklaut worden, davon 129 in Frankfurt, 51 in Schwedt und 19 in Eisenhüttenstadt. Die Aufklärungsrate beträgt magere 20 Prozent, zuwenig, um abschreckend auf die gut organisierten Banden zu wirken. In der Regel ist das Diebesgut längst auf dem Weg nach Osteuropa, bevor der Besitzer den Diebstahl bemerkt, da ist dann nichts mehr mit aufklären.

Die Bewohner der Grenzregion zu Polen fürchten die Zeit nach dem August, wenn die verdachtsunabhängigen Kontrollen wegfallen, bei denen die Polizei momentan auch ohne konkreten Hinweis Fahrzeuge überprüfen darf. Jetzt möchte die CDU das Konzept der Kontrollen im märkischen Polizeigesetz festschreiben lassen und die CDU hat erkannt – das politische Konzept nach dem Wegfall der Grenzkontrollen ist gescheitert. Auch die Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei kommt nicht voran. Über den bloßen Informationsaustausch ist noch nicht viel passiert. Gut, bis etwas passiert, könnten die Brandenburger doch auf das Schengen Abkommen pfeifen und die Kontrollen wieder einrichten. Lieber fünf Minuten an der Grenze stehen und den Ausweis zeigen, als eines Tages sein Auto in Polen suchen.

17 Kommentare zu „Die Polizei ist abgehängt“

  1. Yvonne sagt:

    Hallo Bernd,
    ich habe heute in der MOZ gelesen, dass am Fürstenwalder Dom der Blitzableiter und einige Teile des Regenrohrs geklaut wurden. Na, wenn das mal nicht unsere östlichen Freunde und Gäste mitgenommen haben. Ist schon ganz schon schlimm, was jetzt abläuft.
    Gruß Yvonne

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  2. Alf sagt:

    Ich war in Urlaub in Polen und wir sind mit den Mercedes gefahren. Den haben die mir nicht weggeklaut, warum die nur hier in Lebus und Drumum klauen, ist mir nicht ganz klar.

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    Bernd Reply:

    Da haste aber bisher Glück gehabt. Fahr lieber mit nem Drahtesel rüber
    LG Bernd

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  3. Nina sagt:

    Es ist echt unmöglich das immer mehr Freiräume für Diebstähle jeglicher Art geschaffen werden, zumal es nicht nur in den grenznahen Gebieten zu auffällig steigenden Verstosszahlen kommt, sondern auch in Berlin immer häufiger auftritt, gerade bei PKW.

    Mein Bekannter mag schon gar nicht mit mit dem Auto zu Besuch kommen, da es zur Zeit eines der ‘begehrten’ Modelle ist, die vermehrt geklaut werden.

    Sollten dort die Sicherheitskontrollen noch weiter gelockert werden, dann kann man nur noch den Kopf schütteln. Es ist schade, dass die Entscheidungsträger (wie immer) weit ab von jeglichem Geschehen sitzen und erst dann aufwachen, wenn es kurz vor 12 ist.

    Mit der lieben Kommunikation haben in diesem Fall nicht nur die Polzeibehörden vor Ort zu kämpfen, sondern auch alle entscheidungsgebenden Personen, welche augenscheinlich mal wieder mit Informationen via ‘rosarote Brille’ gefüttert werden.

    Gruß Nina

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  4. Richard sagt:

    Hallo Ihr Leute,
    In jeder Garantieurkunde steht ein Passus, der die Haftung entweder ausschließt oder bei Mängeln eine Nachbesserung, einen Umtausch, eine Rückgabe b.z.w. eine Rückabwickelung möglich macht. Die Verantwortung mit Haftung trägt der Verursacher des Schadens.
    Nur bei den Politikern und Ministern, Abgeordneten und Staatsdienern gilt das unverständlicher Weise nicht. Sie tragen zwar alleinige Verantwortung, jedoch ohne persönlicher materieller Haftung bei Fehlentscheidungen.
    Werden denn die neuen Gesetze und Verträge überhaupt vor Unterzeichnung von kompetenten Juristen kontrolliert? –
    Ich glaube kaum. Denn die können nämlich für ihren Schaden haftbar gemacht werden.

    Drum wäre es richtig, wenn sämtliche Abstimmungen der Abgeordneten, sämtliche Anordnungen und Befehle der Regierenden aller Ebenen, namentlich und mit Anschrift bekannt wären.
    Dank Kugel Erde immer auffindbar, könnten sich die geschädigten Bürger dann persönlich beschweren oder bedanken, wenn die Proteste oder Dankschreiben die Verantwortlichen nicht in ihrer Amtsstube erreichen sollten.

    Bedanken könnte sich bei der Brandenburgischen Landesregierung die Autoindustrie, die Baumärkte und der Handel. Die Versicherungen bedanken sich auch. Mit Beitragserhöhungen ihrer ausgeraubten Kunden.
    Die reduzierten und überforderten Polizisten, Kriminalisten, Verwaltungsangestellten und geschädigten Bürger bedanken sich mit einem erhöhten Krankenstand. Die Krankenkassen bedanken sich auch. Mit Beitragserhöhungen der Krankenversicherungen.

    Auch die Räuber aller ost bis süd-östlichen Hungerleiderländer könnten sich mal bei ihrer eigenen und bei der Bundesregierung bedanken. Die Ihnen die Wege ihrer Raubzüge nun Barriere frei geebnet haben.

    Aber wie lautet eine treffende Volksweisheit: “Undank ist der Welten Lohn!”

    Mit Gruß,
    Richard Selbständig

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    Bernd Reply:

    Hallo Richard, deinen Ansichten kann ich nur zustimmen, völlig richtig!
    Gruß Bernd

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  5. marsav sagt:

    Ich kann mich noch gut an eine Unterrichtsstunde während meiner Umschulung erinnern. Damals stand die Mauer zur DDR noch ziemlich fest.
    Die Frage des Lehrers lautete:
    “Wann erst kann die Mauer fallen?”
    Die Antwort darauf war: “Erst wenn Ost und West auf dem gleichen Niveau sind!”
    Tja – hat wohl damals schon nicht geklappt. Und wenn man das auf die Grenzkontrollen anwenden wollten, dann würde das auch in 50 Jahren noch nicht klappen.

    Aber ich kenne mehrere Vorfälle, wo da drüben den Kollegen die Busse geklaut wurden.
    Einmal sogar, als der Fahrer nachts zur Toilette ging und die Fahrgäste im Bus schliefen. Er benutzte die Bustoilette und mußte während des “Geschäfts” mit Erschrecken bemerken, dass der Bus sich fortbewegte.
    Es hat die Diebe nicht abgeschreckt, dass der Motor des Busses noch lief.
    Wir nehmen an, dass man beobachtet hat, dass der Fahrer die Toi aufsuchte und die Gelegenheit nutzte.
    Nur, als die Diebe bemerkten, dass noch Fahrgäste im Bus waren, stoppten sie und verließen fluchtartig den Bus.

    LG Roswitha

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    Bernd Reply:

    Das die komplette Busse klauen, davon habe ich bisher noch nichts gehört. Wundern tuts mich nicht, nehmen die ja auch Baumaschinen, Krähne, Bagger und son Zeug in Massen mit. Dabei ist die Brandenburger Polizei nicht schlecht – nur was nützt, wenn unsere Politiker Versager sind.
    Lieben Gruß
    Bernd

    [Antwort]

  6. Renate sagt:

    Mann, das sind ja Sitten … dazu fällt mir nichts mehr ein. Man könnte die Grenzkontrollen doch wieder einführen – bei dieser (eindeutigen) Sachlage.

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  7. Renate sagt:

    P. S.: Einen ganzen Bus klauen … das hat ja fast schon wieder was Komisches … einen Bus mit Menschen drin … köstlich! Wenn’s nicht so traurig wäre.

    [Antwort]

  8. marsav sagt:

    Wieso ist das so ungewöhnlich, wenn ein Bus geklaut wird?
    Das ist in Italien und Frankreich fast schon an der Tagesordnung.
    Werde Euch die Berichte mal zeigen.
    Fast immer werden die geklauten Busse nicht wiedergefunden. (Umlackiert usw.) Selten, wenn mal einer wieder auftaucht.

    LG
    Roswitha

    [Antwort]

    marsav Reply:

    So, hier mal ein Link zum Busklau:

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/bus-diebstahl-in-italien-einmal-verona-und-nie-wieder-zurueck-1.178030

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    Angelika Reply:

    Ich muss schon sagen, dazu fällt mir nichts mehr ein. Ich dachte immer nur in Polen ist dein Auto schon vor dir da, aber das der Bus schon in Italien ist, bevor du da bist, dass ist ein Ding.
    LG Angelika

    PS: Gerade habe ich noch mal bei Marsav gelesen, da ist ein Artikel, der paßt zum Thema: Klauen

    [Antwort]

  9. Hans sagt:

    Schon mal darüber nachgedacht, dass es weiter im Osten auch noch Länder gibt? Hier werden hauptsachlich alte Klischees bedient. Ein nicht unwesentlicher Teil der geklauten Waren verbleibt nicht in Polen, sondern wird weiter Richtung Russland usw. verschoben! Also nicht allein auf den polnischen Bürgern herumprügeln.

    Ich möchte nicht die fehlenden Kontrollen verteidigen, ganz im Gegenteil. Die ganze Problematik wird sich noch weiter verschärfen, wenn die geplante Polizeireform “2020″ verwirklicht wird.

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    Bernd Reply:

    Hallo Hans. wenn du den Artikel gelesen hättest, wärest du auf einen Satz gestoßen, der lautet: … längst auf dem Weg nach Osteuropa, bevor… Du siehst also, es ist mir klar das hinter Polen noch irgend etwas anderes kommt. Es ist aber Tatsache das die überwiegende Zahl der Diebe im Grenzgebiet aus Polen stammt. Ist auch logisch, die haben eben mehr Ortskenntnisse im Grenzgebiet Polen/Deutschland als die aus Kasachstan oder Usbekistan, denk ich mal. Auf den polnischen Bürger wird auch nicht rumgeprügelt, der distanziert sich genau wie andere von den Dieben, ob Polen oder nicht. Also bitte nicht versuchen Klischees zu entdecken, die nicht vorhanden sind.

    Nee, die Problematik verschärft sich ab August 2010, falls die verdachtsunabhängigen Kontrollen wegfallen, da brauchen wir nicht mehr auf eine Reform 2020 warten.

    [Antwort]

  10. Sieglinde sagt:

    Sehr geehrter Herr Bernd Wohlers,
    besser, als der besorgte Herr Sven Petke die brisante Problematik der “Sparmaßnahmen” durch Abbau / Demontage der Brandenburger Polizei zusammenfassend formuliert, kann ich auch nicht. Darum stelle ich mal das Interview aus der MOZ hier ein.
    Mit freundlichen Grüßen von Sieglinde Schreiber

    “Die Einschnitte gefährden den sozialen Frieden
    Quellen: Märkische Oderzeitung.

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    Bernd Reply:

    Hallo Frau Schreiber,
    das von Ihnen eingestellte Interview habe ich schweren Herzens gelöscht. Es musste aber sein, da die MOZ darauf die Urheberrechte hat und gegen eine nicht genehmigte Verbreitung durch mich klagen kann. Ich hoffe, dass Sie meine Besorgnis verstehen und nicht traurig sind.
    Mit freundlichen Gruß
    Bernd

    [Antwort]

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