Die innovativen Ämter von Potsdam

Potsdam ist eine Reise wert. Potsdam bietet ein Bauordnungsamt besonderer Art. Dort, wahrscheinlich weltweit nur dort, können Leute, die es dorthin verschlug schildaische Baugenehmigungen beantragen. Wie es der dortigen Beamtengilde vorschwebt, darf und muss ein Anwohner dann für einen Stapel Brennholz eine Baugenehmigung vorweisen, falls dieser durch seine eigene Schwere mit dem Erdboden verbunden ist.
Über den amtlichen Gag hat die Welt inzwischen ausgiebig Häme ausgeschüttet. Potsdam drohte in Vergessenheit zu geraten, ein neuer Touristik-Gag wurde dringendst gesucht. Weil das Bauamt noch mit seiner Kaminholzbaugenehmigung voll ausgelastet ist, fiel die Wahl der Gagfindung auf das Ordnungsamt. Die, die in dem Amt ein Amt innehaben, wussten, von ihnen und ihren Einfällen hing der Ruf der Stadt ab. Da hockten sie in ihren Amtsstuben und zerbrachen sich pflichtbewusst die Köpfe. Irgendwann, keiner weiß mehr genau wann, jubelte jemand lauthals, keiner weiß mehr genau wer: „Heureka, wie wäre es mit Hundeschei…, wir haben doch da einen Fall“. Gesagt, getan. Wir sind dem Potsdamer Ordnungsamt dankbar, denn nur dank ihrem Eifer können wir neuen Spot über das Schildbürgernest Potsdam ausschütten.

In Potsdam lebt eine Frau namens Nicole Einbeck, sie kann schlecht sehen, besser gesagt, sie sieht fast nichts mehr. Beim Spazierengehen wird sie deshalb von einem Blindenhund begleitet. Das klappt wohl ganz gut. Einzig der Umstand, dass der Hund ab und zu ein Häuflein in eine Ecke setzt, macht ihr zu schaffen. Gut erzogene Hundehalter greifen zur Hundekottüte und mit einem Griff ist die Hinterlassenschaft beseitigt. Wie aber bekommt die Halterin des Blindenhundes das Häuflein weg, sie sieht ihn ja nicht. Hier beginnt Frau Einbecks Problem mit dem Ordnungsamt von Potsdam.
Ordnungshüter sehen in dem oben beschriebenen Problem kein Problem, es kommt schlicht in ihren Vorschriften nicht vor und was dort nicht beschrieben ist, gibt es eben nicht. Basta aus!
Sie solle mit der Hand den Rücken des Hundes entlangfahren, um festzustellen wo der Kot liegt, schrieb ihr das Amt in einer kuriosen Email. Dabei weiß jeder, der einen Hund kennt, der macht nach seinem Geschäft einen Satz und ist weg vom Haufen des Anstoßes.
In einem anderen Schreiben erkühnte sich ein Amtsdiener, ihr den schriftlichen Rat zu geben, sich einer speziellen Zange für Blindenhundeführer zu bedienen. Nur, wo greif ich hin mit einer Zange, die es nicht gibt, wenn ich nichts sehen kann?
Freunde haben ihr erzählt, dass sich Leute vom Ordnungsamt sogar hinter Büsche versteckt haben und von dort heraus sprangen wenn sie mit ihrem Hund vorbei kam. Sportliche Amtspersonen sind ihr sogar hinterher gerannt, um sie auf ihre Pflichtverletzung hin anzusprechen.
Nicole Einbeck wohnt seit drei Jahren in Potsdam und versucht seit längerer Zeit eine Ausnahmegenehmigung vom Ordnungsamt zu bekommen. Die Hüter der städtischen Ordnung verweigern diese mit der lauen Begründung, sie wollen keinen Präzedenzfall schaffen.
Wie die Geschichte ausgehen wird, niemand weiß es.

Eins möchte ich aber dem Bürgermeister von Potsdam, Jann Jakobs (SPD) ins Stammbuch schreiben, der Umgang des Ordnungsamtes Potsdam mit einer behinderten Frau ist bemerkenswert. Ebenso, wie der Umgang des Bauamtes Potsdam mit einem Brennholzstapel, der durch seine Schwere mit dem Boden verbunden ist, st bemerkenswert.

Nun Jann Jakobs kommt aus Ostfriesland, ist nicht weit weg, von woher ich komme. So weiß ich, in Ostfriesland ist immer noch alles anders, wie woanders:

Wie viele Leute brauchen die Ostfriesen für eine Schiffstaufe? – 1001! Einen, um die Flasche Sekt zu halten und tausend, um das Schiff dagegen zu werfen!

Zwei Ostfriesen steigen in einen Zug ein. Da fragt der eine den anderen: „Entschuldigen Sie, fährt der Zug schon?“ „Nein, der Bahnhof rennt vorbei!“