Die Drei vom Mittelstandsverein

An der Vogelsdorfer Straße Ecke Postsiedlung gibt es ein 3600 qm großes Grundstück, welches der Gemeinde gehört. Auf dem Gelände möchte ein Investor eine Druckerei errichten. Wer einen Betrieb errichtet, der kämpft gegen die Zeit. Jeder Tag, an dem nichts passiert, dass das Bauvorhaben weiterbringt, kostet Geld und es gibt viele verplemperte Tage, bis alle Genehmigungen zusammengebracht sind. Da braucht so ein Investor Hilfe, die findet er üblicherweise bei der Handwerkskammer, der Industrie und Handelskammer, Gewerbe- und Mittelstandsvereinen.

In Woltersdorf gibt’s einen Mittelstandsverein mit seinem Führer Wilhelm Diener. Diener hat sich kurz vor der Wahl der traurigen Restmasse unserer Dorf-FDP angenommen und wurde so bei der Wahl Gemeindevertreter. Dieser Mittelstandsverein wäre jetzt die Anlaufstelle des Investors und von dort sollte er Hilfe erwarten dürfen.

Unser Investor, der so gerne, recht flott, seine Druckerei bauen will, hat nun das Pech, dass das Gelände, nach dem Willen politischer Newcomer mit Containern vollgestopft werden soll, um unseren Kindern als Kita „Blechdose“ zu dienen. Die wollen dort keine Druckerei. Doppeltes Pech hat der Drucker, dass ihn der hiesige Mittelstandsverein nicht unterstützt. Diener, grad in seine FDP-Jacke und Gemeindevertreterhosen geschlüpft, verhalf dem Drucker dazu, dass seine Pläne in der Gemeindevertretung im Dezember 2014 erst einmal für zwei bis drei Monate auf Eis gelegt wurden.

Eine seltsame Konstellation, die hier in Woltersdorf zusammengebraut wurde, man nehme einen Mittelstandsverein, füge ein bisschen FDP und Gemeindevertretung hinzu, salze das Ganze ein wenig mit Bau- und Hauptausschuss und übertrage das alles auf den Führer des Mittelstandsvereins. Im Mittelstandsverein sind einige Betriebe, die sich an Ausschreibungen der Gemeinde beteiligen. Deren Interessen sollen natürlich von Wilhelm Diener unterstützt werden, gleichzeitig soll der Gemeindevertreter Wilhelm Diener aber die Interessen der Bürger dieser Gemeinde vertreten, die nicht unbedingt die des Mittelstandsvereins sind.

Wie der Führer des Mittelstandsvereins, FDP Gemeindevertreter, Bauausschussmitglied und Inhaber der Firma Abluft-Diener, das wohl alles ohne Interessenkonflikt unter einen Hut bringt? An einem konkreten Beispiel können wir uns der Sache nähern, schauen wir doch einmal, ob’s klappt.

Dazu müssen wir der ellenlangen Latte von Wilhelm Dieners Funktionen noch eine Glanzvolle hinzufügen. Unser FDP-Mittelstands-Gemeindevertreter Diener ist obendrein noch Senator in einem Karnevalsverein, der Erkneraner-Woltersdorfer Karnevalsgesellschaft (EWG). In dem Verein der Smokingträger finden wir noch einen Senator in edelster Robe, Rainer Gehrmann, Geschäftsführer des Stage Craft Eventmanagement mit Sitz in Berlin. Schmuck sehen die beiden aus in ihrem Outfit, jeder mit einem Karnevalsorden am Band um den Hals geschlungen. Wie es der Zufall will, ist Senator Rainer Gehrmann mit seiner Berliner Firma, die auch Feste ausrichtet, zudem Mitglied im Woltersdorfer Mittelstandsverein, dem der Senator-FDP-Mittelstands-Gemeindevertreter- Bauauschussler Wilhelm Diener vorsteht.

Unser mit Funktionen beladener Protagonist ist auch ein enger Vertrauter des Bürgermeisters Rainer Vogel. Wie habe ich mich immer gefreut, wenn ich das schmucke Paar zusammen sah. Ein Herz und eine Seele, wie siamesische Zwillinge dachte ich.

Der Bürgermeister richtet in Woltersdorf jedes Jahr das Sommerfest aus. Diese Aufgabe hat er delegiert, an wen wohl? Klar, an EWG-Senator und Führer des Mittelstandsvereins, Wilhelm Diener. Jetzt wird das Bier oder die vielen Fässer Bier auf dem Sommerfest an den Bierwagen vom EWG-Senator und Mittelstandsmitglied Rainer Gehrmann aus Berlin ausgeschenkt. Der, der zuvor viele Jahre lang, zu aller Zufriedenheit das Bier zapfte, der verschwand still und leise.

Der EWG-Senator, Führer des Mittelstandsvereins, FDP Gemeindevertreter, Bauausschussmitglied und Inhaber der Firma Abluft-Diener kann natürlich solch ein Sommerfest nicht alleine organisieren. Da braucht’s Hilfe und die bekommt er auch. Ihm zur Seite stand bisher immer Christoph Albert, wie es der Zufall will, Albert ist Mitglied im Mittelstandsverein, bis vor Kurzem war er dort Wilhelm Dieners Vertreter und wie’s der Zufall will, ist Albert auch noch Präsident in dem Karnevalsverein (EWG), in dem der funktionsbeladene Diener Senator sein darf. Mir hat einer erzählt, im Rheinland, wer da Senator in so einem Jeckenverein werden will, der muss ne dicke Brieftasche mitbringen. Wie’s hier ist, vielleicht erzählt’s mir mal einer.

Drei Mannen des Karnevalvereins (EWG) und Mittelstandvereins ackern sich da selbstlos für unser Sommerfest ab. Selbstlos? Wollen wir mal sehen. Am 7. Februar 2015 schickte der Präsident des Karnevalvereins einen Brief an die Gemeinde Woltersdorf mit der Bitte um Vereinsförderung. Die Ordensgeschmückten Frack- und Smokingträger, eben Leute, die nicht am Hungertuch nagen, haben da ein Projekt ins Auge gefasst, dessen Kosten sie mit geschätzten 5000 Euro veranschlagen. Für das Projekt sollen die Steuerzahler von Woltersdorf 1700 Euro zuschießen für Choreografie, Kostüme und Mietkosten.

Bei der Entscheidung, in der Gemeindevertretung, ob der Karnevalsverein die 1700 Euro bekommt, da sitzt einer mit am Tisch der Entscheider, der EWG-Karnevals-Senator, Führer des Mittelstandsvereins, FDP Gemeindevertreter, Bauausschussler, Hauptausschussler und Inhaber der Firma Abluft-Diener, seinen Namen verrate ich diesmal nicht, mal sehen ob sie es erraten.

Interessenkonflikte, gibt es die oder gibt es die nicht? Passen Funktionen zugleich in Politik und Wirtschaft zusammen? Die Frage mag sich jeder selbst beantworten. In der Satzung des Mittelstandsvereins fand ich einen schönen Satz: “ Der Verein ist politisch unabhängig und verfolgt keine parteipolitischen Ziele. Er ist selbstlos tätig und dient keinem Erwerbszweck.“

733 Gewerbetreibende zählte Woltersdorf in diesem Monat. Auf der Webseite des Mittelstandsvereins fand ich 41 Mitglieder, davon 7, deren Betrieb nicht in Woltersdorf ansässig ist. So bleiben 34 Gewerbetreibende aus Woltersdorf, wenn die Angaben auf der Webseite auf dem neuesten Stand sind. 699 Gewerbetreibende aus Woltersdorf, rund 94 Prozent sind dem Mittelstandsverein nicht beigetreten, sie werden ihre Gründe haben.

Ganz schön viel kommt da in einem Artikel über den Mittelstandsverein zusammen, der grade mal schlappe 6 Prozent der Woltersdorfer Betriebe vertritt.

Vereinsförderung, ein seltsamer Antrag

Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln Der nagelneue Politstil in Woltersdorf