Der beschämende Streit ums Fidusdenkmal

Ehrenhain konnte ich da lesen und weiter zitiert aus Die Welt vom 13. 0. 2013: „Wir waren und sind als militärische Führer verantwortlich für die Einsätze, in denen unsere Kameraden ums Leben kamen“, sagt der Kommandeur Generalleutnant Hans-Werner Fritz. „Deshalb sehen wir es jetzt auch als unsere Aufgabe, einen würdigen Platz für das Gedenken zu schaffen.“ Weiter kann ich dort lesen: …Dort sollen auch Angehörige von Soldaten, die im Dienst in der Heimat gestorben sind, die Möglichkeit bekommen, Erinnerungsorte zu schaffen. Die Gedenkstätte ist aber nicht nur für Hinterbliebene. „Zugleich soll für die Öffentlichkeit ein Ort der Erinnerung an jene entstehen,…“

Da wird in Geltow bei Potsdam für rund zwei Millionen Euro ein Ehrenmal für gefallene Bundeswehrsoldaten geschaffen, ein Ort des Gebets, des Gedenkens, der Stille. In Woltersdorf wird die angebrachte Stille durch unseren Bürgermeister entweiht. Vogel will seinen Willen, der wie ich denke bestens von seinem Koalitionspartner „Die Linke“ gestützt wird, durchsetzen und das Ehrenmal politisieren, es benutzen, um politische Botschaften loszuwerden. Um sein Ziel zu erreichen, muss die vom Verschönerungsverein aufgestellte Tafel herhalten, deren Texte Vogel erst als patriotisch darstellte, später in die rechte Ecke drängte.

Deshalb hier der Text des Gutachtens des Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Abteilung Denkmalpflege vom 2. Februar 2004. Verfasst wurde es von Frau Dr. Sybille Gramlich.

Auf diesem Gutachten und der Haselberger Chronik fußt der Inhalt der Tafel am sogenannten Fidusdenkmal.

Gutachtliche Stellungnahme zum Denkmalwert
(2 Seiten)
Bezeichnung: Kriegerdenkmal
Schleusenstraße
15569 Woltersdorf

Denkmalwert:
Das den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmete Denkmal steht auf der West-seite der Schleusenstraße, etwa auf Höhe der hier einmündenden Parkstraße, inmitten einer kleinen, heute verwilderten Parkanlage.
Es wurde durch den Landwehrverein errichtet, der es anlässlich der Weihe am 27. Juni 1926 in das Eigentum der Gemeinde übergab. Der Landwehrverein in Woltersdorf bestand seit 1876. Er war seiner Bestimmung gemäß national ausgerichtet. Zu seinem Tätigkeitsfeld gehörten u.a. soziale Aufgaben wie die Kriegsversehrten, Kriegswaisen- und Kriegerwitwenfürsorge. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er dem Reichskriegerbund und dem Kyffhäuserbund bei. Ein weiteres wesentliches Anliegen dieser Vereine bestand in der Errichtung von Kriegerdenkmälern, was, wie die Liste der Redner der von Gebet und Chorgesang gerahmten Einweihungsfeier zeigt, auch ein wesentliches Anliegen des jeweiligen Ortes war. In Woltersdorf nahmen die örtlichen Vereine und Bewohner an der Denkmalweihe teil, deren Redner der Vorsitzende des Landwehrvereins, der Pfarrer, der Amts- und Gemeindevorsteher, der Landrat und der Sprecher des Denkmalsausschusses waren.
Der 1931 von Max Haselberger verfassten Woltersdorfer Chronik zufolge erläuterte Architekt Brinkmann anlässlich der feierlichen Einweihung seinen Entwurf. Er habe das Denkmal auf breiten Grund gestellt, fest und sicher wie die vaterländische Überzeugung der Gefallenen. Er habe es durch mächtigen Eckpfeiler eingefasst und mit einem getreppten Abschluss enden lassen, der ein Weiterwachsen assoziiere. Im Gegensatz zu diesem Abschluss seien die mächtigen Eckpfeiler wie auch die schmaleren Innenpfeiler, welche die mittlere Bild- und die beiden Platten mit ihren 83 Namen voneinander scheiden, mit einem geraden Abschluss versehen worden, damit sie wie abgeschnitten wirkten. Dies versinnbildliche das jäh geendete Leben der Gefallenen. Den oberen Abschluss bildet eine von Hans Knoch gestiftete Erdkugel mit Kreuz, letzteres ist verloren. Auch der Jugendstilkünstler Hugo Höppener, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Fidus“, der das von ihm gestiftete Mittelrelief schuf, kam zu Wort. Er habe einen Krieger dargestellt, der von feindlichen Pfeilen auf heimischen Acker getroffen zusammenbricht, während er noch in der Hand das seiner Abwehr dienende kurze Schwert halte. Eine Walküre bringe die Seele des Sterbenden nach Walhalla.
Das sich über einem dreistufigen Sockel erhebende, architektonisch aufgefasste Denkmal besteht aus grob behauenen Quadern aus Rüdersdorfer Kalkstein. Für die Namensplatten und das Relief wurde hingegen Sandstein gewählt, der mit seinem warmen Erdton einen feinen Kontrast zu dem Kalkstein bildet. Die flankierenden und die trennenden Pfeiler sowie der gestufte Abschluss besitzen eine flache Abdeckung aus Kalksteinplatten.
Dem Gefallenendenkmal kommt historische Bedeutung zu, da es sich um ein wichtiges Zeugnis der Gefallenehrung und damit auch der gesellschaftlichen Bewältigung der Niederlage im Ersten Weltkrieg handelt. Um die Mitte der 1920er Jahre, nachdem die Phase politischer Instabilität und die Wirtschaftskrise überwunden waren, strebten viele Gemeinden, unterstützt durch einzelne Personen und Vereine, die Errichtung von Denkmalanlagen zur Ehrung der im Ersten Weltkrieg gefallenen und an ihren Kriegsverletzungen gestorbenen Mitbürger an. Eine weit verbreitete, da von der Provinzialberatungsstelle für Kriegerehrungen propagierte Denkmalform stellte das als architektonische Schauwand gestaltete Erinnerungsmal mit seiner einfachen wirkungsvollen Gesamtform dar, der sich Schrifttafeln und Relief einordnen. Es sollte, wie in Wolterdorf, möglichst aus einem einheimischen Steinmaterial geschaffen werden. Sozialgeschichtliche Bedeutung ist dem Denkmal insofern zuzumessen, als das mittlere Bildrelief mit seiner für Kriegerdenkmale seiner Zeit eher seltenen Darstellung aus der germanischen Götterwelt auch eines der wenigen im öffentlichen Raum gegenwärtigen Dokumente der in Friedrichshagen und Woltersdorf ansässigen Künstlerkolonie darstellt.
Auch besitzt das Denkmal künstlerische Bedeutung, die einerseits durch das stimmige Gesamtkonzept getragen wird, andererseits auch von der zentralen Relieftafel. Es handelt sich um eines der wenigen bildhauerischen Werke des 1869 in Lübeck geborenen Hugo Hoeppener dar. Dieser lebte bis zu seinem Tod 1948 in Woltersdorf, wo er 1907-09 ein Atelier- und Wohnhaus in der Köpenicker Straße 46 hatte errichten lassen. Früh hatte er sich dem Maler und Lebensreformer Karl Wilhelm Diefenbach angeschlossen, der ihm seinen den Namen „Fidus“ verlieh. 1892 erfolgte der Umzug nach Berlin, wo er zur maßgeblichen Persönlichkeit der lebensreformorientierten Künstler innerhalb des Jugendstils wurde und Kontakte zum Friedrichshagener Dichterkreis um Wille, Bölsche, Spohr, Hauptmann pflegte. Das künstlerische Schaffen Höppeners kreiste um die Themenbereiche Naturmystik und Sonnenkult, Theosophie und Germanenmythen. Stilistisch war sein zeichnerisches und malerisches Werk ganz dem Jugendstil verpflichtet, der aus einer strengen Linearität und Ornament heraus entwickelten Bildgestaltung. Zwar bestimmten Gemälde und Buchillustrationen sein Schaffen, doch schuf er auch einige plastische Werke, die, wie auch das sehr flache Mittelrelief des Kriegerdenkmals, ganz seiner graphischen Bildauffassung verpflichtet sind. Zugleich nimmt das Relief mit seinem deutlichen Bezug auf Walhalla und die germanische Götterwelt eine ikonographische Sonderstellung unter den Bildprogrammen der Gefallendendenkmäler seiner Zeit ein.

Wegen des vorstehend dargelegten Denkmalwerts bedarf das Gefallenendenkmal in der Schleusenstraße in 15569 Woltersdorf des gesetzlichen Schutzes.

Auf Grund dieses Gutachtens wurde das Denkmal 2004 in die Denkmalschutzliste aufgenommen.

Vogels Streit um Woltersdorfer Denkmal
Genehmigung mit Verfallsdatum