Archiv der Kategorie: Erzählungen

Hier werden neue Kurzgeschichten vorgestellt

Überfallen in Rüdersdorf


Das erste Mal, dass ich ihn bewusst registrierte, ist 15 oder mehr Jahre her. Damals ging ich mit Schäferhündin Dasy einen mit Schlaglöchern vollgestopften Weg entlang. An einem gemauerten Torpfeiler blieb Dasy interessiert stehen, fing an den Pfeiler zu beschnuppern. Zeit spielte für sie keine Rolle beim Lesen der interessanten Nachrichten, die von den Steinen dufteten.
Auf dem zu dem Tor gehörenden Grundstück sah ich einen Mann hantieren. Der sah zu uns hinüber, schmiss irgend ein Werkzeug weg und stürmte brüllend auf uns zu. Ich war auf einen Typen gestoßen, der keine Hunde mag und nun den an seinem Tor, seine Steine beschnüffelnden Hund als Beleidigung oder Bedrohung ansah. Verbal ermordete er mich, der Mann verfügte über einen gewaltigen Vorrat an ausdrucksstarken Wörtern Weiterlesen

Staatssekretäre braucht das Land, en masse

Berlin, die Hauptstadt der Brüter für Staatsskretäre, zeigt uns wie es gemacht wird.

goldesel Berlin ist unser Nachbar. Da schaue ich ab und zu mal hin. Unser verschwenderischer Nachbar hat eine neue Regierung rot-rot-grün. Jeder der drei nun in Amtssesseln hockenden Parteien will, wie es üblich ist, so viele treue Mitstreiter wie möglich an die vom Steuerzahler bestens gefüllten berlinischen Fressnäpfe schubsen.
Doppelrot mit Grünen Pünktchen muss extrem verhungert in die Wahlschlacht gezogen sein. Die Drei dürfen, wollen, müssen, haben‘s ihnen versprochen, 25 Mitstreiter versorgen, dafür gibt‘s den nicht so richtig nötigen Händeschütteljob eines Staatssekretärs.

So ein Staatssekretär, das ist schon was. Weiterlesen

Ein Badesteg legte sich mit einem Frachtkahn an

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Es dauerte, bis wir im Frühjahr 2003 diesen schönen Badesteg aus Edelstahl in das Mühlenflies, das den Hohlensee mit dem Kalksee verbindet, hängen konnten. Unsere Kinder hatten bis gestern viel Freude damit, bis wir mit einem lauten Knall ungebetenen Besuch erhielten.

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Ein gewaltiger Frachter einer polnischen Reederei schipperte gemächlich Richtung Woltersdorfer Schleuse. Beim Versuch die enge Biege unter der Stolpbrücke zu meistern, blieb der Frachter an unserem Badesteg hängen und musste anlegen.

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Gleich nach dem Anlegen stellte die Besatzung fest, ihr Schiff war nicht mehr dicht. Im Bild ist deutlich zu sehen, wie die Lenzpumpe arbeitet.

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Als der Rumpf sich weiter aus dem Wasser hob, war die Bescherung zu sehen, ein großer Riss, der in einem Loch endete, hatte die Bordwand aufgerissen. Das Schiff erhielt bis zur vorläufigen Reparatur ein Fahrverbot.

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Unser Badesteg sah auch anders aus, als wir ihn in Erinnerung hatten. Die Beplankung war geborsten und die Stahlstreben verbogen und verzogen. Dennoch, der solide Steg aus Edelstahl, hatte sich keinen Millimeter in seiner Befestigung gerührt. Wer einen widerstandsfähigen Badesteg plant, dem empfehle ich Edelstahl-Haese aus Woltersdorf. Unser Ersatzsteg wird wieder von Haese sein, der hält, wie zu sehen, viele, viele Tonnen aus.

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Heute wurde das Frachtschiff notdürftig, unter Beteiligung der Wasserschutzpolizei und des Wasser Schifffahrtamtes, für die Fahrt in eine Werft vorbereitet.

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Am frühen Nachmittag war es soweit, die Behelfsabdichtung des Risses war gelungen. Schiff und Besatzung machten sich auf den Weg zur Werft. Ganz toll fanden wir es, dass die polnische Reederei Odra schon heute einen Sachverständigen zur Regulierung des Schadens vorbeischickte und das unaufgefordert. Alle Achtung, von solchem Service können sich deutsche Unternehmen eine dicke Scheibe abschneiden.

There was a young fellow from Ankara

„There was a young fellow from Ankara
Who was a terrific wankerer
Till he sowed his wild oats
With the help of a goat
But he didn’t even stop to thankera“

Ein Gedicht vom neuen britischen Außenminister, Boris Johnson, im Mai veröffentlicht in der Zeitung „The Spectator“, als er noch kein Außenminister war. Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten, da soll sich jeder selbst befragen. Toll finde ich es aber, kein britisches Parlament, kein britischer Premier hat ihn an Ankara ausgeliefert. Was für ein Unterschied zur deutschen Kanzlerin Merkel, die nichts eiligeres im Sinn hatte, als Böhmermann dem lieben Erdogan auf dem Silbertablett zum Abschuss freizugeben.

Wenn Woltersdorf reich wäre

MoneyWoltersdorf, so reden unsere Gemeindevertreter, leidet an akuter Finanznot. Am Erweiterungsbau der Schule muss gespart werden. Anstatt eines repräsentativen Gebäudes für neun Millionen, soll es nun deutlich weniger hermachen, fünf Millionen müssen reichen. Es schmerzt mit ansehen zu müssen, dass sich in Zukunft Generationen von Schülern und Lehrern in solch einem öden Lernsilo mit mathematischen und grammatischen Übungen kreativ die Zeit vertreiben sollen.

Kreativ sein, das ist es. Weiterlesen

Mein Navi spinnt

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Wie gesagt, mein Navi spinnt ab und zu, zeigt mir Standorte mit Zahlenwerten an, die mir rätselhaft sind. Das verrückte Ding machte mich immer neugieriger, trieb mich nach dem Grund der Datenpannen zu suchen. Es soll an Veränderungen im Koordinatennetz liegen, schrieb mir der Hersteller des Gerätes. Gott sei’s gedankt, beschäftige ich mich seit frühester Jugend mit astronomischen Dingen, so konnte ich ansatzweise verstehen, was der Erde wiederfahren ist und will versuchen es hier wiederzugeben.

Zuerst ein wenig Theorie. Es geht um den Schwerpunktversatz, der nach Newtons Argumentation ungefähr lautet: Man habe zwei Kugeln. Solange die weit voneinander entfernt sind, Weiterlesen

Alltagskunst am Meer

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Eine nicht allzuernst zu nehmende Kunstbetrachtung über das Werk eines oder mehrerer unbekannter Künstler am Meeresufer.
Die auf dem Foto dargestellten Gegenstände erscheinen recht unübersichtlich, chaotisch drapiert. Beim näherer Betrachtung spürt man die ordnende Hand des Künstlers, der die Objekte in einer geplanten Komposition innerhalb einer konstruierten flächigen Form anlegte. Die Struktur besteht aus chaotischen und geometrischen Formen, die voneinander abgesetzt sind. Die Schöpfung verdeutlicht zur Mitte hin ein passives, von Ruhe eingehülltes Zentrum, deren Fragmente sich durch ihren Farbcharakter voneinander absetzen. Hier, im Mittelpunkt veranschaulicht sich das gestaltige Sujet des Stilllebens in seiner ganzen Schönheit. Die thematischen Fragestellungen fordern die gänzliche Aufmerksamkeit des Betrachters heraus, sich diese feinsinnige Bildsprache zu verdeutlichen.

Die Fleddermaus ist wieder da

Die Vögel sind wieder da. Im Dezember, es war bitterkalt, machten sie sich aus dem Staub. Jetzt, wir haben Frühling, Ostern steht vor der Tür, Schnee treibt am Fenster vorbei, kommen sie gleich den Wandervögeln zurück.

Die ganze, lange Zeit haben wir nichts von dem Vogel gehört, den ich hier beschreiben möchte. Weiterlesen

Stellenangebot

Wir sind in Dänemark angekommen, das aufmerksame dänische Militär hat, wie jedes Jahr, mit unserer Ankunft, die roten Bälle hochgezogen und spielt Krieg. Zu laute Flieger rotieren über unseren Köpfen, in der Ferne rasseln Kettenfahrzeuge. Ab und zu knallt es fürchterlich, dann zieht unser Hund den Schwanz ein und verschanzt sich unterm Tisch.

Wir sitzen im Garten und lesen eine Mail, die uns doch sehr verwundert. Ich soll mein Pensionärsleben aufgeben, mich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, aber lesen Sie selbst: Weiterlesen