Busfahrer streiken in Erkner

Gastbeitrag von Die Linke Erkner. LINKE besuchte heute Streikende Busfahrer
Autor: Dr. Elvira Strauß vom 14. Februar 2017

Es ist bitterkalt. Vor dem Busdepot in der Erkneraner Breitscheidstraße stehen Männer um eine Tonne mit brennendem Kaminholz. Sie stehen hier seit 3:30 Uhr, ihrem Schichtbeginn als Busfahrer. Es ist Warnstreik. Er soll die laufenden Tarifverhandlungen stützen. Von den Arbeitgebern fordern die Busfahrer bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn.
Die Fraktion der LINKEN im Stadtparlament von Erkner solidarisiert sich mit den Kollegen. 45 Minuten frieren wir gemeinsam. Schnell entwickelt sich ein interessantes Gespräch. „Wir kommen manchmal um 4 Uhr morgens zum Depot, fahren den Schülerverkehr, haben dann ein paar Stunden unbezahlte Pause und fahren am Nachmittag weiter. Zwischendurch nach Hause fahren lohnt bei vielen Kollegen nicht. Damit sind sie bis zu 14 Stunden auf Arbeit. Das ist gesundheitsschädlich und familienunfreundlich“, berichtet Herr Turnbacher, Busfahrer aus Erkner.
Die Arbeitgeber möchten in der Tarifrunde erreichen, dass diese 14 Stunden jetzt als verpflichtende, planbare Arbeitszeit definiert, die langen Pausen, wie jetzt auch, nicht bezahlt werden. Die unterste Lohngruppe soll wegfallen, damit es mehr Anreize zum Einstieg als Busfahrer gibt, aber für die Kollegen, die schon eingestellt sind, wird es kaum Verbesserungen geben, wenn es nur nach den Arbeitgebern geht.
„An meinem Standort, hier in Erkner ist das Durchschnittsalter der Kollegen bei 46 Jahren“, sagt Herr Kelch, Standortleiter in Erkner, und macht sich Sorgen um die Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Von den LINKEN will er wissen, wie sie es mit dieser Form der Daseinsvorsorge halten. Verantwortungsvolle Tätigkeit muss gerecht entlohnt werden, meinen wir. Das wird von den Tarifpartnern verhandelt. Bund, Land und Kreis müssen die Grundlagen für den ÖPNV schaffen.
Schnell ist das Gespräch dann auch bei den direkten Problemen in Erkner, die wir mitbestimmen wollen. Die Stadt braucht den ÖPNV für die Einwohner, Pendler und Touristen. Der RE1 und die S-Bahn sind gut. Sie bringen die Menschen nach Erkner. Hier entsteht ein Bruch. Der ÖPNV muss ab hier durch ein Nadelöhr, das kennen alle Einwohner. In den Spitzenzeiten ist die Stadt durch den Individualverkehr dicht. Ein effektiverer ÖPNV, mit bedarfsgerechten Fahrzeiten, Stadtbussen auch in den Abendstunden, RE1-Anschlussbussen nach Grünheide und Hangelsberg könnten vielen Pendlern helfen, ihren PKW stehen zu lassen. Damit könnte der Parkplatz am Bahnhof entlastet werden.
„Schwierig ist das Ausfahren von diesem Platz, denn die Sicht ist eingeschränkt. Das wilde Parken behindert uns zusätzlich. Auch der geplante Umbau des P+R-Platzes wird da sicher nicht viel Abhilfe schaffen“, meint die Runde der Fahrer. Wenn alle Bushaltestellen so wären, wie die der BVG in der Berliner Straße, wäre es toll, aber leider sorgt die Stadt nicht für den plangerechten Bau ihrer Haltestellen, wie z.B. vor dem City-Center. „Hier kann man nicht gerade anfahren, dass auch die Oma mit Rollator gut einsteigen kann“, bemängelt ein Kollege.
Die Fraktion die LINKE verspricht, sich weiterhin für die effektive Gestaltung des ÖPNV einzusetzen, wünscht den Busfahrern viel Erfolg bei den Tarifverhandlungen und hofft, dass die Kollegen in der nächsten Woche nicht wieder in der Kälte Streikposten stehen müssen.
Dr. Elvira Strauß
Fraktionsvorsitzende DIE LINKE Erkner


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Die nächste Bürgersprechstunde wird am Samstag, den 25. Februar 2017, zwischen 10-12 Uhr vor dem Rewe-Markt, Friedrichstraße, (zu erkennen am roten Fahrrad) stattfinden.

  1. Friedrich

    Da es auf dem Foto schon hell ist und die Busfahrer immer noch streiken, frage ich mich, wie die Kinder in die Schule gekommen sind oder ob sie immer noch frierend am Bushäuschen warten.

    Ist da etwas bekannt?

  2. John Wayne Fan

    Das ist doch Bigott.

    Es ist richtig, dass die Linke darauf hinweist, dass die Arbeit als Busfahrer angemessen bezahlt werden muss, aber… warum wird dann bei öffentlichen Ausschreibungen von der Linken ein Anbieter ausgewählt, der eventuell nicht dauerhaft die entsprechende Gewähr dafür bieten kann?

    Zu Erinnerung: Seit dem 01. Januar gilt ein neuer Verkehrsvertrag in Märkisch-Oderland.

    Mit den Stimmen der Linken im Kreistag wurde ein sowohl Tariflohn zahlendes als auch technisch gut aufgestelltes Unternehmen – Busverkehr Märkisch Oderland GmbH (BUSMOL- eine Tochter der Deutschen Bahn) – mit eigenen Werkstätten, Sozialräumen und modernen Fahrzeugen ausgebootet, zugunsten eines neuen Betreibers namens Mo-Bus.

    Warum?

    Weil das Angebot günstiger war.

    Und zu welchem Preis?

    Auf den ersten Blick nur gute Nachrichten – Die Busmol Mitarbeiter wurden fast alle übernommen und ihnen werden zunächst einmal die gleichen Bezüge bezahlt, betriebsbedingte Kündigungen wurden für 3 Jahre ausgeschlossen (der Verkehrsvertrag gilt jedoch 12 Jahre).

    Doch irgendwo muss die Einsparung ja herkommen, die das Angebot günstiger gemacht haben, also spart man an den Fahrzeugen (alte Busse, sollen zwar peu a peu ersetzt werden, aber außer ein paar teuren MAN-Flaggschiffen tote Hose), der Wartung (keine Bushöfe mit Hallen mehr, nur Acker), Sauberkeit (50 shades of grauer Matschdreck), dem Service und den weichen Faktoren, wie Sozialräumen für die Fahrer, alles nachlesbar in der Zeitung.

    Was passiert, wenn man an der Wartung spart, kann man schön in Berlin sehen (Stichwort S-Bahnkrise).

    Was hat das wohl zur Folge?

    Um nun doch eine angemessene Wartung zu finanzieren, müsste der Landkreis die Zuschüsse erhöhen. Dann hätte man jedoch gleich bei BusMol bleiben (und eventuell sparen) können, was man nicht wollte. Also muss wohl gespart werden. Wo kann man sparen? Richtig, bei den Lohnkosten.

    Es ist also ziemlich bigott was da läuft.

    1. Bernds Journal

      Totsparen ist eben eine Option, die sich niemals auszahlt. Irgendwann wird die Rechnung präsentiert. Hier kann ich, nach deinem Beitrag, ahnen was nach drei Jahren passieren wird.

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