Bild kontra Presserat

Deutschland hat einen Presserat. Eine Art freiwilliger Selbstkontrolle der Zeitungen. Einst standen die Zeitungsverlage vor der Wahl, Kontrolle durch den Staat oder Selbstkontrolle. Sie wählten Letzteres und stellen einen Pressekodex auf, an dem sollen sich alle Veröffentlichungen messen lassen. Befindet der Leser einer Zeitung, dass der Schreiber gegen diesen Kodex verstieß, kann er den Presserat anrufen. Die Mitglieder des Presserats prüfen die beanstandeten Artikel und Fotos. Werden Verstöße gegen den Kodex festgestellt, dann rügt der Presserat die entsprechende Zeitung. Die muss die Rüge dann in ihrem Blatt abdrucken. Die ganze Prozedur dauert Ewigkeiten, bis das Ergebnis vorliegt, haben alle Beteiligten vergessen, um was es eigentlich ging. Das war’s, mehr kommt dabei nicht raus.

Jetzt hat der Presserat die „Bild“ Hamburg gerügt und „Bild“ rügt kräftig zurück. Damit es schön wirkt, mobilisierte „Bild“ seine Leser und bewaffnete sie mit Anschrift, Telefon- und Faxnummer plus Email des Presserats und bittet die geehrte Leserschaft seine Meinung kundzutun. Das scheint ausgezeichnet zu klappen, der Presserat klagt nicht über Langeweile.

Hintergrund ist, „Bild“ veröffentlichte zum Bericht über einen Mord gleich auch noch das Foto des Mörders. Der Täter war zum Zeitpunkt der Tat 16 Jahre alt und damit greift der Jugendschutz. Der wiederum ist höher anzusetzen als die Neugier der Leser.

Brauchen Artikel über Kapitalverbrechen eine Namensnennung, die Angabe der Nationalität oder ein Foto des Täters? Mehr Erkenntnisse über die Tat bekommt der Leser dadurch auch nicht, also könnte es ohne Schaden für die Berichterstattung weggelassen werden. Solche identifizierende Veröffentlichung über einen Minderjährigen darf es bei aller Abscheu über das Verbrechen nicht geben.

Der Presserat rügte „Bild“ zu Recht, ob es „Bild“ nun passt oder nicht.

  1. Anon

    Brauchen Artikel über Kapitalverbrechen eine Namensnennung, die Angabe der Nationalität oder ein Foto des Täters? Mehr Erkenntnisse über die Tat bekommt der Leser dadurch auch nicht, also könnte es ohne Schaden für die Berichterstattung weggelassen werden.
    Im Fall des Germanwings-Piloten (um es ganz klar zu stellen, auch ein Mörder) hat der Presserat hier leider anders entschieden. Damit wurde nicht nur der Sensationsgier kein Einhalt geboten sondern auch für die Tat nicht verantwortliche Angehörige des Täters nochmals zu Opfern gemacht.

    Am Ende des Tages ändert das natürlich auch nichts, denn wie richtig beschrieben ist der Presserat ein ziemlich zahnloser Tiger.

    1. Bernds Journal

      Dein Kommentar hat sich in einen Spam-Ordner verflüchtigt, den ich erst jetzt öffnete. Sorry!!!

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