Bauausschuss Februar 2017 – Teil 4; Bebauung TLG-Gelände – Ertel-Werft

Alleine dieser eine Punkt 8 ist so umfangreich, dass er nur in 2 Teilen zu bewältigen ist. Die Erklärung für den in diesem Bauausschuss praktizierten Irrsinn finden Sie in der Einleitung zu Teil 1
Punkt 8. Bebauungsplan „Rüdersdorfer Straße 44 – 46“ – Vorstellung und Diskussion des städtebaulichen Konzepts.
Jelle Kuiper stellte fest, dass zu diesem Punkt sechs Gäste, alles Architekten, anwesend wären.
Kerstin Marsand führte in diesen Punkt ein. Da dieses Projekt schon einmal besprochen wurde, hatte sich Kerstin Marsand nun ein Bild vor Ort gemacht. Im Jahr 2016 wurden bereits Bauanträge für das TLG-Gelände und der ehemaligen Ertel-Werft gestellt. Dafür wäre ein Bebauungsplan (B-Plan) für die beiden Grundstücke erforderlich, denn es handelt sich einmal um ein Sondergebiet Freizeit und Erholung (SO F+E), das in ein Wohngebiet umgewidmet werden soll und ein Gewerbegebiet (Werft). Das könne zu Konflikten führen, die vorher geklärt werden müssen. Um die Bebauung zu erreichen, müsse allerdings der Flächennutzungsplan (FLNP) geändert werden. Dazu müssen Gutachten erstellt werden und auch der Uferweg könne, dank des neuen Grundstücks der Gemeinde, wie im Teil 1 – Bericht der Amtsleiterin.- vorgetragen, besser geplant werden. Ebenfalls werde eine Biotopkartierung fällig.
Bert Grigoleit stellte sich als Landschaftsarchitekt und Umweltplaner vor. Er soll das Gelände für den B-Plan vorbereiten. Deshalb wurde für das Gelände eine Bestandsaufnahme gemacht und dann, im September 2016, eine Besichtigung, um dann entsprechend der Brandenburgischen Biotopliste den nun vorliegenden Plan zu erstellen. Er erklärte nun anhand des an die Wand geworfenen Planes die einzelnen Flächen.

Dunkelgrün dargestellt, bedeutet zusammenhängende Bestände an Bäumen. Das bezieht sich besonders auf die Randbereiche des Geländes, da diese Flächen über Jahre brachlagen. In dem Randbereich befinden sich alte wertvolle Eichenbestände und an anderer Stelle, etwas weniger wertvoll, Robinien und Eschen und ansonsten beweist der Bestand im südlichen Bereich einen hohen Anteil an Ahorn und Birken auf.

Die noch offenen Flächen im inneren Bereich sind durch eine Beweidung und Gehölzentnahme entstanden. (Anmerkung: mit vielen Kettensägen).

Hellgrün bedeutet offene Flächen.
Mittelgrün bedeutet Gebüsch und Feldgehölz Einzelbäume und Jungaufwuchs von Gehölzen, die noch keinen Wald darstellen.
Graue Flächen bedeuten befestigte Flächen.
Rötliche Flächen sind Biotope, die gärtnerisch genutzt wurden.
Hell- und dunkelblau sind Gewässerbiotope wie der Kalksee und der Uferbereich mit Röhricht und Seerosen.

Das Geländerelief weist einen Höhenunterschied von 10 Metern auf. Der Uferbereich fällt ebenfalls stark ab und die Gehölze dort sind nicht die typischen Auen – und Hochwaldgehölze, die dort sonst zu finden sind.

Besondere Arten, die zum Teil auf der Roten Liste stehen, wurden gefunden und ebenfalls eingezeichnet und auch Biotope, die einem Schutz nach § 18 Brandenburgischem Naturschutz- und § 30 Bundesnaturschutzgesetzt unterliegen. Es handelt sich dabei um den Eichenwald im Hangbereich, das geschützte Biotop im und am Kalksee. Bei dem schmalen Uferbereich mit Teichseerosen, Röhricht und einem Bereich, der gelblich-hellgrün in der Karte dargestellt ist, handelt es sich um Sandtrockenrasen, der ebenfalls einem Biotopschutz unterliegt. Es sind sehr selten in Brandenburg vorkommende Arten.

Dann wies er in seiner Karte auf eine grüne Linie, die die Grenze des Landschaftsschutzgebietes Löcknitzer Seengebiet darstellen soll.

(Anmerkung: Laut Brandenburgviewer, ist diese Grüne Linie, die Gemarkungsgrenze zwischen Woltersdorf und Rüdersdorf. Das kann sich jeder beim Brandenburgviewer, Liegenschaftskataster/Alkis/Gemarkung ansehen. Die Karte für die Landschaftsschutzgebiete weist das Flurstück 830/2 komplett als Landschaftsschutzgebiet Müggelspree-Löcknitz aus.)

Grundsätzlich stellt der gesetzliche Biotopschutz kein unüberwindbares Hindernis für die Aufstellung eines B-Planes dar. Es müsse eng mit den Behörden. z.B. dem Ministerium und der Oberen Naturschutzbehörde, zusammengearbeitet werden, denn es gebe Verfahren und Schritte, die da eingehalten werden müssen.

Die Prüfung Fauna und Artenschutz müsse noch durchgeführt werden. Das wird noch in diesem Jahr durch Artenschutzexperten geschehen. Dann haben wir einen Überblick nach dem entschieden wird, welche Eingriffe nötig sind und welche Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden müssen.

Martin Cotter, Investor und Architekt für das TLG-Gelände, erklärte, dass sich seit September einiges an den Plänen verändert habe. Der den Abgeordneten vorliegende Plan sei daher nicht mehr aktuell. Es habe aufgrund der Biotopkartierung durch Herrn Grigoleit entscheidende Veränderungen gegeben.
(Anmerkung: Da beraten unsere Gemeindevertreter auf der Grundlage veralteter Unterlagen. Das kann auch nur in Woltersdorf vorkommen. Da wäre es doch besser ihr habt überhaupt keine Unterlagen, ihr habt ja gerade bewiesen das Euch Aktuelles schnuppe ist).

Es wurden z.B. die Häuser an der Westseite aus dem Grünteil mit dem Eichenbestand zurückgezogen. Für die Autos soll eine Tiefgarage entstehen, die oben begrünt wird wie auch die Hausdächer. Es können etwa 130 Wohneinheiten und Häuser mit einer Grundfläche zwischen 120 und 150 qm auf dem 6.000 qm-Gelände entstehen. Eine genaue Aufteilung und wie die Häuser am Ende aussehen werden, das könne im Moment noch nicht gesagt werden. Aber sie brauchen einen Beschluss, so Martin Cotter. Eher ginge es nicht weiter.
(Anmerkung: veraltete Unterlagen hin oder her, der Beschluss muss her. Interessant an dem Ganzen war, dass am Wasser munter in das Landschaftsschutzgebiet Löcknitzer Seengebiet gebaut werden soll).

Bertram Vandreike, von Krüger, Schuberth, Vandreike, Planung und Kommunikation GmbH (KSV), stellte sich als Planer des ehemaligen Ertel-Werft Geländes vor. Er hat mit Nils Clausen, dem jetzigen Eigentümer, ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Er betonte, dass das Ortsbild von Woltersdorf vom Wasser geprägt sei. Das Gelände weise zwei unterschiedliche Strukturen auf, im oberen Teil zur Rüdersdorfer Straße einen versiegelten Bereich und den Uferbereich. Im unteren Bereich, dem Uferbereich, sollen nach den Plänen, eine Slipanlage und zwei Wohnhäuser entstehen. Im oberen Bereich wäre dann die Bootsmanufaktur angesiedelt, die auf die Restaurierung historische Boote spezialisiert ist. Es werden auch einige Gewerke für Handwerker, wie Schmiede und Tischler, gebraucht, die in Hallen arbeiten sollen. In dem bestehenden Gebäude muss betriebsbedingtes Wohnen möglich sein. Ein Platz für Veranstaltungen und ein kleines Bootsmuseum und ein Schauraum oben an der Rüdersdorfer Straße wurden auch in den Plänen ausgewiesen. Ein Uferweg wäre auch möglich.

Jelle Kuiper wollte wissen, von wie vielen Wohneinheiten bei den beiden Häusern unten am Wasser auszugehen wäre. Bertram Vandreike erklärte zwei Doppelhäuser, pro Etage 2 Wohneinheiten also etwa 10 Wohneinheiten.

Jürgen Thesing erklärte, da am Anfang der Sitzung beschlossen wurde, heute keine Beschlussempfehlung auszusprechen, könne er sich kürzerfassen und kam deshalb direkt auf das Planungsziel zu sprechen. Um dass realisieren zu können, was die Architekten so planen, werde der Bebauungsplan gebraucht, ohne den es kein Baurecht gebe. Deshalb müsse ein Aufstellungsbeschluss gefasst werde, das wäre die Einleitung des Verfahrens. Es gebe allerdings noch kein fertiges Projekt. Es gehe nur darum, die Planungsziele zu bestätigen wie dringender Wohnraumbedarf im Großbereich Berlin kann bejaht werden.
(Anmerkung: Berlin ist doch ein anderes Bundesland, was hat deren Wohnbedarf mit dem Wohnbedarf von Brandenburg zu tun?).

Bootsmanufaktur dazu dass wäre nicht nur Wohnen und Gewerbe, sondern auch Erholung, müsse allerdings in Einklang gebracht werden.
(Anmerkung: Hier hat der Planer den Außenbereich vergessen. Dann bitte schön gleiches Recht für alle, ob Krokodilsbucht oder Campingplatz. Gleiches Recht habe ich gehört, soll in einer Demokratie das A und O sein).

Ebenso der Uferweg, wo Grundstücke abgegeben werden müssten. Ebenso müssen Ausgleichsmaßnahmen für die Eingriffe in die Natur stattfinden. Das wurde von der Verwaltung mit den Planern zusammen vorgeschlagen. Er wiederholte, es gebe ein großes Wohngebiet und im Landschaftsschutzgebiet, eine Ausbuchtung unten Richtung Kalksee, auch da kann gebaut werden und ebenfalls im Werftgelände am Wasser. Dahinter, Richtung Rüdersdorfer Straße könne eine Sondergebiet Bootsmanufaktur ausgewiesen werden. Das würde bedeuteten, nur dieses Gewerbe kann es dort geben und nicht etwa ein Autohaus. Er wies darauf hin, dass ein Teil des Ufers bereits zu Rüdersdorf gehöre und somit nicht beplant werden könne.

Kommentar: Mit Eifer malt die Bauamtsleiterin von Woltersdorf die Wünsche der Bebauungs-Investoren in den prächtigsten Farben aus und redet gegen alles an, was nicht in die Planung ihres Amtes und der Investoren passt. Das macht sehr nachdenklich.

Der Rest von Punkt 8 wird im Teil 5 veröffentlicht.

Teil 4/8

  1. Jan

    Die Frage stellt sich doch nur eine, es hat ein potentieller Bauherr für kleines Geld ein Grundstück mit dem Zweck „Freizeit und Erholung“ gekauft. Dann ist doch zu erwarten, dass er irgendwie auch eine Idee hat, das Grundstück entsprechend zu nutzen oder zu bebauen.

    Es kann doch nicht sein, das dieser potentielle Bauherr nunmehr die Gemeinde nötigt den Flächennutzungsplan zu ändern, mit der Folge, dass sich der Grundstückswert verzehnfacht und der Gemeinde keinen erkennbaren Vorteil verschafft.

  2. Milchmädchen

    Liebes Woltersdorf!

    Wenn ich „städtebauliches Konzept“ in der Tagesordnung lese, darf ich dann auch erwarten, dass über das reine Plangebiet hinaus gedacht wird?

    1) 130 Wohneinheiten, also ca. 300-350 Bewohner. Die müssen alle zur Arbeit, zur Schule, Einkaufen und wollen am Ortsleben teilhaben.
    Stand heute geht das nur mit dem Auto, das das Thema Fuß-/Radweg an der Rüdersdorfer Straße seit Jahren nur halbherzig angegangen wurde und somit außer der Fahrbahn keine Verkehrswege vorhanden sind. Hier wäre doch mal ein schöner Anlass, sich mit dem Vorhabenträger an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu erarbeiten, die im Interesse der Gemeinde und der zukünftigen Bewohner dieses Gebiets liegen.
    Von der heutigen recht geringen Verkehrsdichte auf der Rüdersdorfer Straße würde ich hierbei nicht ausgehen. Wenn die Stolpbrücke wieder voll befahrbar ist, wird wieder etliches mehr an Autos und vor allem Schwerverkehr fahren.

    2) Frau Bürgermeister hat unlängst der Presse erklärt, sie wolle sich für das gewachsene Erscheinungsbild des Ortes einsetzen. Jetzt werden hier vom Vorhabenträger 130 Wohneinheiten auf 6.000 m² vorgeschlagen. Wenn ich hier den historischen Bestand des Dorfes als Maßstab anlege mit 1-2 Wohneinheiten auf einem 900 m² Grundstück, kommt da doch eine extreme Diskrepanz zustande. Da wird mir sehr mulmig zumute. Gerade bei der Diskussion über Änderungen des Flächennutzungsplans sollten diese Überlegungen eine Rolle spielen. Ob man dabei die Nutzung für Freizeit und Erholung völlig aufgeben sollte? Natürlich ist ein Grundstück/Haus am Wasser Gold wert. Aber im Sinne des Ortes, dem sich die Verwaltung und Gemeindevertretung zuerst verpflichtet sind, muss auch die Herstellung des Uferwegs von hoher Priorität sein.

    Ist der Norden unserer Gemeinde für Rathaus und Gemeinde wirklich eine „terra incognita“?
    …wundert sich das

    Milchmädchen.

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