Bauausschuss 09. 2016 – Teil 3; Ertel-Werft

Punkt 8. Vorstellung des Projektes zur Entwicklung des Grundstücks im Bereich der ehemaligen Ertel-Werft
Es handelt sich um das Nachbargrundstück neben dem TLG-Gelände in der Rüdersdorfer Straße. Für dieses Gelände wurde von einem irischen Investor Anfang des Jahres ein Bebauungsplan vorgestellt. Jetzt möchte Herr Clausen, der Besitzer der Ertel-Werft auch ein Modell zur Bebaung vorstellen. Er möchte hier eine kleine Bootsmanufaktur betreiben und einen Teil des Geländes für Wohnzwecke entwickeln. Es sei allerdings ein Sondergebiet „Freizeit und Erholung“. Ein Teilstück ist auch Außengelände und dort gibt es keinen Bebauungspan und nur in Ausnahmefällen darf gebaut werden. In Woltersdorf haben wir hier als Beispiel die Krokodilsbucht, wo einige im Außenbereich liegende nicht genehmigte Bauten oder Anbauten zurückgebaut werden müssen.

Nils Clausen stellte sich kurz vor. Er wäre 50 Jahre und habe das Werftgelände vor zwei Jahren gekauft. Er möchte an dieser Stelle eine gläserne Bootsmanufaktur aufbauen und entwickeln. In Berlin habe er eine Bootsmanufaktur, eine Gesellschaft zur Erhaltung klassischer Wasserfahrzeuge. Sein Hobby sind klassische Boote der zwanziger Jahre. Da es sich bei diesem Standort bereits um ein ehemaliges Werftgelände handelt, könne er sich eine Weiterentwicklung in dieser Richtung vorstellen. Die meisten der Flächen auf dem Gelände sind schon versiegelt. Er möchte den Standort seiner Firma, so Nils Clausen, von Berlin-Oberschöneweide nach Woltersdorf verlegen. Dann erklärte er, was unter einer gläsernen Bootsmanufaktur zu verstehen sei. Zum Bootsbau könne er sich, als touristischen Anziehungspunkt, auch hier wie schon in Berlin durchgeführt, Flohmärkte oder Konzerte auf dem Gelände vorstellen. Der Bootsbau selber ist mittlerweile sehr modern, da werde nur noch geklebt und geschraubt, repariert und restauriert. Zum Restaurieren von Booten fehle allerdings eine Halle, die er auf dem Gelände errichten möchte. Dazu müsse der Bebauungsplan geändert werden.
(Anmerkung: Man beachte – eine – Halle)

Auch ein paar Liegeplätze für klassische Motorboote, etwa 20 Stück, und zwei Plätze für Hausboote könne er sich vorstellen. Nils Clausen betonte, er will keine Marina aufbauen, allerdings meinte er, dass Werften auch von Festen, wie dem letztens durchgeführten Sommerfest leben würden. Er möchte seine Reederei für Salon- und Charterboote in Berlin, mit Woltersdorf verknüpfen.

Jelle Kuiper fragte nach der weiteren Planung und Nils Clausen erklärte, dass er angefangen habe, von den auf dem Gelände vorhandenen Gebäuden die Dächer zu reparieren. Er stellt sich vor, aus der ehemaligen Schreinerei ein kleines Museum über den Wassersport der zwanziger Jahre zu machen. Dort möchte er seine in aller Welt gesammelten Stücke ausstellen. Im Hauptgebäude könnten dann für seine Mitarbeiter oder Wassersportler drei Wohnungen entstehen. Das vorhandene Lagerhaus soll zur Tischlerei umgestaltet werden und in die ehemaligen Waschräume käme das Büro. Des Weiteren brauche er die vorhin schon erwähnte kleine Halle für den Bootsbau und eine größere für Lager und Service.
(Anmerkung: Man beachte, jetzt sind es schon -zwei- Hallen und drei Wohnungen.

Kerstin Marsand ergänzte, dass das so nicht stimmen würde, dass nur ein neuer Bebauungsplan für die Halle gebraucht würde. Alle Maßnahmen bedürfen eines neuen Bebauungsplans und da lege die Schwierigkeit, da das Gelände im Außenbereich liege.
(Anmerkung: Falls hier mit einer Ausnahmeregelung ein Bebauungsplan im Außengelände erstellt werden soll, dann wäre doch auch eine Ausnahmereglung für die betroffenen Hausbesitzer in der Krokodilsbucht vorstellbar. Gleiches Recht für alle, egal ob Millionär oder Rentner).

Carsten Utke (SPD) fand alles super, Flächennutzungsplan ändern kein Problem und war gespannt auf die nächsten Entwürfe. Immer wieder fragte er nach, ob Clausen und der TLG-Gelände Investor nicht zusammen planen können.
(Anmerkung: Etwas eigenartig war die übersteigerte euphorische Zustimmung von Utke schon, wußte doch, außer ihm, jeder andere im Saal, dass Clausen und der irische Investor bereits sehr eng zusammenarbeiten und es im Endeffekt wahrscheinlich um eine gemeinsame Ausbeutung der Grundstücke für den Bau von Wohnungen geht. War Utke nur ohne Vorbereitung gekommen?).

Nils Clausen erklärte, dass er bereits mit dem irischen Investor im Gespräch wäre.

Heinz Vogel fand, dass der Flächennutzungsplan überarbeitet werden muss. Er möchte aber einen Uferstreifen ausgehend vom Strandbad für die Öffentlichkeit erhalten und wollte von Nils Clausen wissen, wie er dazu stehe. Dieser erklärte, dass er mit so einem Weg kein Problem habe.

Ulf Brümmel wies darauf hin, dass zwischen Strandbad und Werft noch zwei private Grundstücke liegen, ob es da schon Klärung gebe. Kerstin Marsand verneinte dies. Monika Kilian stellte fest, dass es sich hier um ein Landschaftsschutzgebiet handelt und erkundigte sich ob die Untere Naturschutzbehörde dazu befragt wurde.
Clausen antwortete, dass er beim Kreisbauamt war und es da kein Problem gab. (Anmerkung: Die eigentliche Frage beantwortete er nicht).

Jelle Kuiper konnte sich auch für die Idee von Clausen begeistern und fand, dass das Woltersdorf bereichern würde. Allerdings müsse es in den rechtlichen Rahmen passen. Er regte noch einen Radweg an der Rüdersdorfer Straße an und wollte von Nils Clausen wissen, ob er diesen mitbauen würde. Nils Clausen meinte nur dazu, dass er das gerne übernehmen würde.
(Anmerkung: Was soll ein 50 bis 70 Meter langer Radweg, der nur vor der Werft existieren würde bringen? Die Antwort bleibt uns der Grüne Kuiper schuldig. Denn auf dem Rest der Rüdersdorfer Straßenseite ist das Anlegen eines Radweges technisch fast unmöglich und kostenmäßig nicht vertretbar).

Heinz Vogel interessiert sich noch für die Wohnungen und weiteren Übernachtungsmöglichkeiten. Nils Clausen konnte sich vorstellen, mehrere Wohnblocks auf der Seite zum Fährweg zu errichten.
(Anmerkung: Man beachte, jetzt sind es -zwei- Hallen und -mehrere- Wohnblocks. Angefangen haben wir den Vortrag mit -einer- Halle und -drei- Wohnungen. Hier haben unsere Abgeordneten Herrn Clausen wohl in die vom Investor angepeilte Richtung souffliert).

Es ging nun noch um Bodenverschmutzung auf der Ertel-Werft. Clausen teilte mit, dass es im Bereich der vorhandenen Schienen einen Austausch des Bodens gab. Kerstin Marsand meinte noch, dass wohl noch weitere Bodenprüfungen kämen.

Kommentar: Erstaunlich, wie unbefangen ein SPD-sachkundiger Bürger sein tatsächliches oder gespieltes Unwissen offenbarte. Immer wieder erfragte Utke mit Begeisterung in der Stimme (für Clausens Projekt) von Clausen, ob denn die Ertel-Werft und der Investor des TLG-Geländes nicht zusammenarbeiten könnten.
Dabei ist das längst geschehen. Es gibt in Berlin eine JNR-Development GmbH mit dem irischen Prokuristen John Ryan und es gibt einen Investor Martin Cotter. Dieser stellte das TLG Projekt im Bauauschuss April 2016 ausgiebig vor. Unter anderem betonte er das Clausen die Ertel-Werft und er das TLG-Gelände gemeinsam vermarkten wollen. Mit dem Mindestsachstand sollte ein Gemeindepolitiker antreten, da es seit April bekannt war und uns nicht so eine Show bieten.

Die versammelte Runde unserer Volksvertreter, die Bürgermeisterin und die Amtsleiterin saßen da und lauschten Clausens immens leise geflüstertem Vortrag. Keiner der rund zwanzig Würdenträger wunderte sich über Clausens Vermehrungstaktig in diesem Wortgeklingel. Er beginnt bescheiden mit einer kleinen Halle und drei Wohnungen und endet mit zwei Hallen, davon einer Großen und mehreren Wohnblocks. Clausen stopfte vor unseren Würdenträgern das Gelände verbal voll mit Hallen und Wohnblocks und keinem unserer Gemeindevertreter fiel das im Geringsten auf.

Der Ertel-Werft Gelände besteht zu Teilen aus sogenannten Aussenbereich. Dafür gibt es keinen Bebauungsplan, folglich darf nicht gebaut werden. Die gebotene Vorstellung zeigte aber deutlich, dass einige Gemeindevertreter, wie Carsten Utke, Heinz Vogel und Jelle Kuiper, hellauf begeistert von Clausens Ausführungen waren. Unsere Gemeindevertretung wird sicherlich einen Weg finden, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu geben.
Dann sollten sie aber ebenso begeistert den Anwohnern an der Krokodilsbucht, die auch im Aussenbereich liegt, ebenso einen Bebauungsplan genehmigen und die Abrissverfügungen außer Kraft setzen. Gleiches Recht für den Millionär wie für den armen Bürger. Oder, irre ich da?

Teil 3/4

  1. Friedrich

    Sehr undurchsichtig, was auf der Ertl Werft geschehen soll. Ein Grundstück in bester Lage, direkt am Kalksee.

    Wie alle Investoren möchte Herr Clausen Geld verdienen und das möglichst viel. Mit Bootsreparaturen ist dies kaum möglich, denn im benachbarten Polen kann man das für den halben Preis.
    Mit Wohnbebauung kann man sehr viel Geld verdienen, aber warum will der Investor seine Wohngrundstücke durch einen lauten Gewerbetrieb auf demselben Grundstück gleich wieder entwerten ?

    Da sollten mal alle Karten auf den Tisch, ansonsten ist jede Diskussion darüber Zeitverschwendung.
    Mit Freizeit und Erholung für alle Woltersdorfer hat das Ganze bisher wenig zu tun.

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