Aua, Holzscheite, die weh tun

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Brauche ich eine Baugenehmigung für meinen Brennholzstapel? Irre, wer das liest, könnte glatt denken, der Verfasser der Frage, ich, hat tief, ganz tief ins Kognakgläschen geschaut. Dem ist aber nicht so. Warum ich frage? Sehen Sie sich das Bild an, neben einem durchschnittlich, eher schmalbrüstigen Stapel Holzscheite, steht Burkhard Scholz, vor dem Inselhotel Hermannswerder, auf der gleichnamigen Halbinsel. Für das dort ca. 1.20 Meter übereinandergetürmte, in Scheite gespaltene Brennholz, soll Burkhard Scholz eine Baugenehmigung vorzeigen, sagt das Bauordnungsamt Potsdam. Ganz findig begründet das Bauordnungsamt seine Forderung damit, dass der Holzstapel durch seine eigene Schwere mit dem Boden verbunden sei und deshalb eine bauliche Anlage darstelle. Eine Baugenehmigung haben weder Burkhard Scholz noch ich für unsere Brennholzaufschichtungen.

Bei mir ist das nicht so schlimm, ich lebe nicht im Dunstkreis des Bauordnungsamtes Potsdam. Pech für das Inselhotel Hermannswerder, deren Holzscheite sollen verschwinden und obendrein möchte das Amt für seine Bemühung eine Strafe von 1250 Euro kassieren, zu überweisen an die Landeskasse. Trotz alledem, das Inselhotel hatte unglaubliches Glück, der Brennholzausspäher des Bauordnungsamtes Potsdam übersah im Eifer des Gefechtes einen zweiten, ähnlich kompakten Holzstapel, der ungefähr fünf Meter weiter weg seinen Schatten warf. Aus meiner bescheidenen Sicht finde ich, der Späher des Amtes hat einen schlechten Job gemacht. Einen Stapel, der auch durch seine Schwere mit dem Boden verbunden ist, über den er hätte stolpern müssen, einfach zu übersehen, zeugt doch wohl von einer eher laxen Dienstauffassung. Da hätte das Bauordnungsamt doch noch einmal eine Zahlkarte über 1250 Euro an den Mann bringen können.
Gewieft mit allen Fallstricken des Baugesetzbuches, kramte das Bauordnungsamt Potsdam die Paragrafen 34 und 35 Baugesetzbuch heraus. Alles, was laut Flächennutzungs- und Bebauungsplan im Innenbereich der Kommune liegt, fällt unter den 34er. Das Amt zelebriert beim Inselhotel Hermannswerder aber den 35er und das ist der Außenbereich der Kommune und da gibt’s nie und nimmer eine Baugenehmigung. Juristisch ist das hier wohl schon einmal zugunsten des 34er entschieden worden, aber ob sich das schon beim Bauordnungsamt herumgesprochen hat? So etwas braucht eben Zeit, manchmal viel Zeit.

Welche Voraussetzungen muss eigentlich eine moderne Baugenehmigung für einen Brennholzstapel in Potsdam und Schilda erfüllen. Erstmal als Wichtigstes, brauchen wir eine detaillierte Bauzeichnung. Hinzu kommen eine Baubeschreibung, eine Energiebilanz und ein katasteramtlicher Lageplan, den kann ein Vermessungsingenieur besorgen. Im Weiteren brauchen wir eine Berechnung des bebauten und unbebauten Raums und einen Standsicherheitsnachweis, die Statik. Angaben für die Prüfstatik, Fensterfläche, Ausnützungsziffer und den Nachweis über energetische und schalldämpfende Maßnahmen, werden vielleicht nicht sofort gefordert. Ein Abwässerungs- und Brandschutzplan erscheint mir für die Baugenehmigung des Brennholzstapels aber zwingend erforderlich. Da der Stapel Brennholz einem gewerblichen Zweck auf einem Gewerbegebiet dient, ist selbstverständlich noch eine Betriebsbeschreibung beizufügen. Asterix würde sagen, die spinnen die Römer. Ich möchte den Ingenieur sehen, der die Unterlagen für diese kuriose Baugenehmigung zusammen basteln kann. Da spielt kein CAD- oder Statikprogramm mit. Na dann, viel Spaß.

Damit Burkhard Scholz und sein Inselotel Hermannswerder zwischendurch nicht die Langeweile plagt, gibt’s da noch einige Pausenspiele. So gibt’s da einen Steg, eine Sauna, eine Markise, deren Anbau nur mit Hilfe des Gerichts möglich war. Scholz soll auch einen Zaun entfernen, den es nie gab. Ja, Behörden, die sind einfallsreich. Überhaupt, wenn der Bürgermeister, wie hier, Jann Jakobs, aus Ostfriesland kommt.

  1. Helmut Friedlein

    Um es auf die Spitze zu treiben:EU Fördermittel beantragen für einen äußerst seltenen schützenswerten Holzstoß.

  2. Renate

    Das klingt aber schwer nach einem Schildbürgerstreich. Was sind das denn für Idioten in diesem Amt?
    Zweite Frage: Haben die nix Besseres zu tun?

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