ARD und ZDF, im Kampf um unsere Kohle

Das Programm unserer staatlichen Fernsehsender ist so schlecht, dass einem manchmal der kaum zu unterdrückende Wunsch überkommt, den Empfänger aus dem Fenster zu werfen. Da bieten uns, hier ein fiktiver Fernsehabend, gleichzeitig fünf Sender einen faden Krimi an, drei Weitere bringen uns das Liebesleben der Ameisen näher. Vier Sender mit Ambitionen den Plebs zu bilden, bieten Dokumentationen von der Relativitätstheorie bis zum fachgerechten Einschlagen eines Tapetennagels, an. Ganz eklig wird es bei Sendungen mit vokaler Musik. Wie kann es geschehen, dass da dürre, blasse Typen auf die Bühne schleichen, ins Mikro säuseln, winseln, flüstern, krächzen und nur mit Hilfe gewieften Tontechniker und Meister, so etwas ähnliches wie Gesang produzieren. Ein mitleidiger Sender bringt einen Spielfilm, gedreht in den sechziger Jahren und mindestens dreißig Mal auf allen Kanälen über zehn Jahre wiederholt. So ungefähr sieht in meinen Augen der tägliche Angriff der Fernsehsender auf sein Publikum aus.

Da möchte so mancher die Zahlung seiner guten Euros verweigern, traut sich dann aber nicht, ich auch nicht. Es gibt aber auch Mutige, wie Sieglinde Baumert. Sie stieg auf ihre klapprige Rosinante und ritt eine Attacke gegen die, die satte Zwangsgebühren verlangen, die nicht zu vergessen von unseren, sich in Regierungsverantwortung befindlichen Politikern beschlossen und verkündet wurde.

Bis Ende 2012 brauchte sie keine Gebühr für „Nichts“ zu zahlen. Seit Anfang 2013 muss sie, wie jeder Wohnungsinhaber, Gebühren bezahlen, in ihrem Fall für „Nichts“, denn die 46 jährige hat kein Fernsehempfangsgerät. Ohne Scham, mit Staatsvertrag braucht man sich nicht zu schämen, wandte der kundenorientierte neue Beitragsservice von ARD und ZDF alle zur Verfügung stehenden Zwangsmaßnahmen gegen die Gebührenverweigerin an. Vergeblich, Sieglinde Baumert blieb hart. So kam eines Tages, am 4. Februar, die Polizei und schaffte sie in den Schuldturm, ähm Justizvollzugsanstalt. Da wurde sie zwangseinquartiert, um endlich die Zwangsgebühr zu berappen. Vergeblich hofften die Fernsehgewaltigen auf fette Beute, der Delinquentin war mit Knast nicht beizukommen. So zog der MDR, verstecken sich dahinter nicht die ehemaligen roten Sender der DDR, seinen Antrag auf einen Haftbefehl zurück. Seit 4. April ist die Lady Godiva aller Gegner einer Zwangsgebühr wieder auf freien Fuß. Der MDR will immer noch seine 191 Euro von der Zwangskundin ohne Fernseher kriegen und jeden Monat kommen 17.52 Euro hinzu.

So ein Geschäft möchte ich auch haben, wo die Leute mit Gefängnis bestraft werden, wenn sie nicht bei mir kaufen wollen. Jeder Wohnungsinhaber müsste mir dann 17.52 Euro hinblättern, auch für „Nichts“. Leider, daraus wird wohl nichts, ich habe ja keinen Rundfunkrat in dem diverse Posten und Pöstchen von den Regierungsparteien verteilt werden. Natürlich, auf unsere Kosten.

  1. Milchmädchen

    Hallo Bernd,

    „ironie“
    Da verstehst Du wohl was verkehrt…
    Der Zuschauer „kauft nicht ein“, er konsumiert das Angebot, das aus dem Informations- und Bildungsauftrag des Deutschen Fernsehens erwächst.
    Deswegen werden die Gebühren ja auch dringend benötigt zum Erwerb der Übertragungsrechte für die Milliardenspiele mit den fünf Ringen, die Tour der Dopingärzte, die Torjagd der Geldkoffer oder dir Geldsammeltournee der Gasfüße.

    Interessanterweise muss der Zuschauer bei diesen teuer bezahlten Übertagungsrechten ein Feuerwerk von Werbung und Produktplatzierungen ertragen. Erstaunlich, wie viele Markenlogos auf einem Hemdkragen Platz finden…
    Im biederen Fernsehkrimi, der Tags drauf gesendet wird, wird jedoch ein Markenlogo auf dem Lenkrad einer wohlbekannten bayerischen oder schwäbischen Limousine schamhaft überklebt.
    Ein eigener Firmenzweig soll sich gebildet haben, der nichts anderes tut, als sich fiktive Markennamen für Frühstücksflocken, Computer, Bierflaschen oder Tankstellenketten zu überlegen und diese zu gestalten, damit das Märchen im Film auch wirklich keinen erkennbaren Bezug zur Realität hat.

    Von politischer Einflussnahme auf die Redaktionen durch wohlproportionierte Besetzungen der Rundfunkräte will ich jetzt gar nicht anfangen.

    Das, lieber Bernd, ist der Grund, warum Deine und meine Gebühren so dringend benötigt werden – egal ob uns das Programm zusagt oder nicht.
    „ironie“

    Außerhalb der Ironie wäre es sicher sehr ratsam, die Begriffe „Informations- und Bildungsauftrag“ neu zu buchstabieren und dann konsequent ins Bezahlfernsehen auszulagern, was nur Partikularinteressen dient. Der Rundfunkbeitrag würde danach sicher überraschend deutlich sinken.
    Aber er ernährt leider einen viel zu großen Wasserkopf an Anstalten, Aufsichtsbehörden und alle weiteren Firmen, die davon sehr auskömmlich leben. Ob da eine Änderung wirklich gewünscht ist?

    fragt sich das

    Milchmädchen.

Kommentare sind geschlossen.