Anderthalb Jahre Gemeindevertretung

Dieser Beitrag erschien zuerst in Kümmels Anzeiger am 30.09.2015 und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht.

Was ich in anderthalb Jahren in der Gemeindevertretung erlebt habe
Von Michael Hauke

Als ich im Mai 2014 in die Gemeindevertretung von Woltersdorf gewählt wurde, hatte ich eine relativ konkrete Vorstellung von den Zuständen in der Gemeindepolitik. Ich hielt sie – freundlich ausgedrückt – für verbesserungsbedürftig. Aber um es gleich vorwegzunehmen: Meine Phantasie reichte damals nicht aus, um mir die tatsächliche Situation auszumalen.

Gut 25 Jahre Macht für im Grunde immer dieselbe Gruppe haben ihre Spuren in Woltersdorf hinterlassen.

Als ich in die Gemeindevertretung kam, habe ich es mit der ausgestreckten Hand versucht. Zum Vorsitzenden des Ortsparlamentes schlug ich damals als Fraktionsvorsitzender von „Unser Woltersdorf“ den Einzelkandidaten Dr. Siegfried Bronsert vor. „Unser Woltersdorf“ war mit großem Vorsprung als stärkste Kraft aus den Wahlen hervorgegangen, und wir hatten natürlich das erste Zugriffsrecht auf diesen Posten. Aber wir wollten ein Zeichen an die anderen setzen, dass wir es anders machen.

Ich persönlich ging immer auf die anderen Mitglieder der Gemeindevertretung zu, und zwar mit ausgestreckter Hand. Irgendwann wurde mir der Handschlag von Mitgliedern des Woltersdorfer Bürgerforums (WBF) verwehrt. Spätestens da war mir klar, dass mein Idealismus, dass man ein konstruktives Miteinander hinbekommt, fehl am Platze ist. Vorher wurde mir in Sitzungen der Gemeindevertretung während meiner Diskussionsbeiträge der „Scheibenwischer“ gezeigt, und zwar wiederholt und immer von derselben Person. Offensichtlich gelte ich als plemm-plemm, wenn ich eine andere Meinung zu Sachthemen vertrete. Die Person, die mir den Scheibenwischer zeigte, war Stefan Grams, der für das WBF jetzt in der Stichwahl als Bürgermeisterkandidat steht. Auf seinen Plakaten steht: „Brücken bauen“. Mit welchen Gefühlen ich das lese, können Sie sich denken.

Das gipfelte in diesem Jahr darin, dass ich in der Gemeindevertretung niedergeschrien wurde, weil ich darauf hinwies, dass der als neuer Vorsitzender der Gemeindevertretung antretende Sebastian Meskes (Linke) Nordkorea-Motive als seine Profilbilder in soziale Netzwerke eingestellt hatte. Meskes wurde bei seiner Wahl unterstützt vom WBF. Mitglieder der WBF-Fraktion verließen aus Protest gegen meinen Beitrag während der Sitzung den Saal.

„Unser Woltersdorf“ hat als Wahlsieger bei der letzten Wahl den klaren Wählerauftrag erhalten, die Zustände zu verbessern und Schluss zu machen mit Zank und Streit. Es ging aber auch darum, die über Jahrzehnte immer gleichen Machtstukturen aufzubrechen. Das ist als Fraktion in der Gemeindevertretung eine Herkulesaufgabe, da wir in der Verwaltung – im Gegensatz zum WBF – überhaupt nicht vernetzt sind. Um diese Aufgabe aus den letzten Wahlen zu Ende zu bringen, ist es erforderlich, dass der Bürgermeister nicht vom WBF kommt.

Deswegen hat „Unser Woltersdorf“ mit Margitta Decker eine eigene Kandidatin ins Rennen geschickt, die nach dem ersten Wahlgang auf Platz 1 gelandet ist.

In der Stichwahl geht es nun wirklich ums Ganze. Lassen Sie uns den Wandel am 4. Oktober vollenden. Wählen wir Margitta Decker von „Unser Woltersdorf“ zur Bürgermeisterin!

noch ein Opfer der Manieren von WBF und Grams berichten

  1. Ralf Zawadzky

    Ein „Parteiloser“
    ich finde es unverschämt, wie Herr Hauke über den Kandidaten des WBF schreibt.
    Er will wohl Schleichwerbung für die aufgestellte Kandidatin seiner Partei machen!?
    Er ist seit Mai 2014 in der Gemeindevertretung und schreibt über das konstruktive Miteinander aus seinem Blickwinkel.
    Ich habe auch als sachkundiger Einwohner mehreren Ausschusssitzungen beigewohnt und kenne das Arbeitsklima dort. Es ist freundlich und sachlich. Gab es Streit um eine Sache, wurde schnell ein Weg gefunden, der allen Anwesenden gerecht wurde.
    Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass einige Mitglieder der Vereinigung „Unser Woltersdorf“ plötzlich, als die ersten Probleme auftraten, ihre Mandate niederlegten und allen mitteilten: “ Wir sind nicht mehr dabei.“
    Als es sich abzeichnete, dass Bürgermeisterwahlen anstanden und es wieder interessant in der Politik wurde, da nahmen Sie Ihr Mandat wieder auf und „spielten“ wieder mit.
    Ich werde genau prüfen,ob ich einer Kandidatin, die aus dieser Gruppe hervorgeht, meine Stimme gebe. Ich bin der Meinung, „Unser Woltersdorf“ sollte sich erst einmal darüber klar werden, welche gemeinsamen Ziele sie in ihrer Arbeit sehen und wie sie diese umsetzen wollen.
    Ralf Zawadzky

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