Als Steuermann zu alt

Dem neuen Vorsitzenden der Gemeindevertretung sah man die 75 Jährchen, die er auf dem Buckel hatte, an. Die kurze Sitzung, eine Leichte obendrein, machte ihm zu schaffen. Im nicht öffentlichen Teil nahm ihn der barmherzige Morpheus in die Arme. Ein sanfter Tritt vom Bürgermeister vors Schienbein soll ihn zurück in die ermüdende Sitzung gebracht haben. Ich war nicht dabei, hörte es und gebe es so weiter.

Es ist schon einige Jährchen her, als ich Siegfried Bronsert das erste Mal in der Gemeindevertretung begegnete.Ein freundlicher, alter Herr, der sich bemühte nett zu sein. Immer machte er seine Runde, ging zu jedem, blieb bei jedem stehen, hatte für jeden ein freundliches Wort, ob Freund oder Feind, da machte er keinen Unterschied.

Seine Marotte, überall dort aufzutauchen, wo auch die lokale Presse erwartet wurde und sein heftiger Wunsch mit ins fotografische Bild zu kommen, wurde augenzwinkernd toleriert, wie auch sein Faible große Worte, großer Dichter lauthals mit kippender Stimme zu deklamieren.

Das war der eine, der Dr. Bronsert, den alle nur gern haben konnten. Es dauerte viele Monate, bis ich einen anderen Dr. Bronsert erahnte, immer genauer sah. Es war ein Siegfried Bronsert, dem es ein diebisches Vergnügen zu bereiten schien, seine Parteifreunde zu malträtieren. Der CDU-Abgeordnete stimmte bei Beschlüssen gegen seine Fraktion und das immer öfter, meist für Die Linke. Ob er erkannte, dass er nicht nur seine Parteifreunde vor den Kopf stieß, sondern auch die, die ihn gewählt hatten, um CDU Positionen zu vertreten, das weiß nur er allein.

Die Jahre gingen ins Land und hinterließen deutliche Spuren, der Gang des Doktors wurde unsicherer, mehr Furchen durchwühlten sein Gesicht, die kräftige Stimme, barst beim Versuch die hohen Töne zu erreichen. Die Tür zu einem würdevollen Lebensabend war weit geöffnet, doch der alte Mann stemmte sich gegen die biologische Uhr, wollte auf der Bühne bleiben.

Er blieb auf der Bühne, Vorhang auf zum hoffentlich letzten Akt in der Gemeindevertretung. Die Rolle des komischen Alten sollte der 75 jährige Siegfried Bronsert, nach seinem Debüt in dem Genere, nicht wiederholen, auch wenn der Spielplan vorsieht, dass er noch mit achtzig auf diesen gnadenlosen Brettern, die die Welt bedeuten, herumtappern soll.

Nach seiner schwungvollen Einführungsrede musste sich der Alte dem politischen Alltagsgeschäft widmen und da sahen alle, die sehen wollten, er, der älteste Abgeordnete verlor den Faden, hatte die Sitzung nicht im Griff. Das Zählen der Stimmen verriet ihn, die meist 12 ja und 6 nein Stimmen versuchte er mal von der großen Zahl und mal von der Kleinen beizukommen, ab und zu erfolgreich. Der Bürgermeister knipste ihm regelmäßig das Mikrofon an und eine Dame an seiner Seite sortierte ihm ununterbrochen die Unterlagen. Abgeordnete mussten ihm hin und wieder an die einzuhaltenden Regelungen der Kommunalverfassung erinnern. Als dann eine Besucherin dazwischengrölte, war’s geschehen, um den verzweifelt Vorsitzenden Spielenden. Hilf- und kraftlos hing er in seinem zu großen Stuhl, die Führung der Sitzung war ihm entglitten. Jens Mehlitz erkannte seine Not und ergriff die Initiative, maßregelte die Besucherin, rettete das Ansehen des überforderten alten Herrn.

Hätte „Unser Woltersdorf“, als die stärkste Fraktion, den Mum besessen, den Vorsitz zu übernehmen, wie es Usus ist, und hätte Michael Hauke sich nicht, wie ich annehme, mit falschem Zungenschlag, vor der Verantwortung gedrückt, dann wäre dem geschätzten Dr. Bronsert dieser schmachvolle Abend erspart geblieben. Hoffentlich zieht er die richtigen Schlüsse daraus, bevor er in Woltersdorf die Rolle des komischen Alten zugewiesen bekommt.

  1. Richard B.

    „Es war einmal…“, so beginnen in der Regel alle Märchen. Leider ist es hier kein Märchen:
    Am 12. April 2013 schrieb „Ein seltsamer Gast“ um 7.19 in Bernds Journal, Zitat:
    „Hahaha,, bitte macht weiter Werbung für die Leute von unser Woltersdorf und den BM Vogel…! Ihr habt noch nicht bemerkt das eine Welle auf euch zu rollt die ihr „Schulschwänzer“ hier ehh nicht aufhalten könnt….“. (Dieser Kommentar wurde von einem in Amerika stationierten Server (Proxy) abgeschickt.“) Abgesehen von Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern (Wo ist der Verfasser nur zur Schule gegangen?) – hier die Antwort:
    Viele waren nicht zu blöd, hatten schon lange bemerkt, dass „Junge Wilde“ auf der Welle reiten, die sich eines Tages zum Tsunami entwickeln würde. Nun ist der Tsunami da! Hoffentlich bekommen kluge Gemeindevertreter eines Tages den Scherbenhaufen, die der Tsunami hinterlassen wird, wieder in den Griff, ohne dass die Woltersdorfer Bürger zu großen Schaden nehmen.
    Hierzu wäre als Literatur zu empfehlen: „Morton Rhue „DIE WELLE“: Macht durch Disziplin! Macht durch Gemeinschaft! Macht durch Handeln!“
    Ob es wohl in UW auch so „mutige Abgeordnete“ geben wird wie „CDU-Dr. Bronsert“? Er hat sich nicht an „Fraktionsdisziplin“ gehalten und wird dafür von der „Welle“ gelobt. Ob diesen Mut auch neue Abgeordnete aus UW haben werden, oder ob sie vor dem neuen „UW-Führer Hauke“ stramm stehen? Na, mal sehen, über wieviel Zivilcourage die neuen Abgeordneten verfügen werden. Die erste Kostprobe haben wir ja bereits in der konstituierenden GV erlebt – ein interessanter Vorschlag vom GV Ponsel wurde rigoros von Herrn Hauke vom Tisch gefegt! Disziplin muss sein, „Herr Hauke“!
    Ähnliches ist bei „Die Linke“ zu befürchten – schade, ein Neuanfang wäre doch vom GV S. Meskes zu erhoffen gewesen! Shalom!
    PS an Dr. Bronsert – Sie sind ein so sympathischer intelligenter älterer Herr – wie können Sie sich das alles nur selber antun? Ist es Eitelkeit oder Dummheit – schwer einzuschätzen. Bleiben Sie lieber der „ältere nette höfliche Herr“, der Sie immer waren und als solcher anerkannt und beliebt. Jetzt machen Sie sich leider zur Lachnummer, weil UW diese Aufgabe scheinbar nicht wahrnehmen kann oder will? Schade!

  2. Elsa

    Ich frage mich, was sich UW und die Linke/Grüne Fraktion bei der Nominierung von Dr. Bronsert gedacht haben. Wollen sie ihn bewußt ins Messer laufen lassen, wollen sie ihn bewußt schädigen, so daß er von den Woltersdorfern nur noch belächelt werden kann. Macht man so etwas mit einem Menschen, der sich jahrelang für den Ort eingesetzt hat? Zumindestens die Linken haben gewußt, daß er nicht in der Lage ist, ein Gremium zu leiten, böse, böse ! Hoffentlich hält das Trauerspiel nicht lange an, und die beiden Fraktionen ziehen ihren Kandidaten zurück, denn er selbst tut es nicht, dazu fühlt er sich zu sehr geehrt.

  3. D.S.

    Lieber Herr Dr. Bronsert,
    das Leben ist ein Zug, man springt auf und fährt bis zum Ende, und dann hat jemand anderes die Gelegenheit bis zum Ende zu fahren und wird seinerseits von einem anderen abgelöst. Wir müssen Platz machen.

  4. maron

    Eigentlich tut mir Dr. Bronsert in gewissem Sinne leid. Er wurde zum Spielball seiner eigenen Machtgelüste und von „Unser Woltersdorf“.
    Ihnen, Herrn Hauke, kann ich nur sagen, dass ich es sehr schäbig von Ihnen finde, sich hinter einem alten Mann zu verstecken.
    Und noch etwas will ich Ihnen, Herrn Hauke, ins Gebetbuch schreiben. Sie loben Herrn Dr. Bronsert ob seinen Mutes, seine Meinung, auch gegen die eigene Fraktionsdisziplin, durchzusetzen. Warum finden sie es bei anderen gut, aber in ihrer eigenen Fraktion nicht, sonst hätten Sie nicht, für jeden sichtbar, so extrem nervös und hektisch auf den Antrag von Herrn Ponsel reagiert. Herr Ponsel hat nur seine eigene Meinung vorgetragen, allerdings verlies ihn dann der Mut und er legte auf dem Stuhl sitzend, zwar imaginär, die Hände an die Hosennaht und schlug die Hacken zusammen. Dann stimmte er auch sofort wieder richtig ab. Tja, soviel zur Meinungsfreiheit, die von UW so propagiert wurde. Leute, Leute da kann man nur staunen.

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