Abschied als Gemeindebrandmeister von Woltersdorf


Kurz vor 18.00 Uhr wurde es laut, die Sirene auf dem Dach des Rathauses von Woltersdorf jaulte, Feuerwehrsirenen waren in der Ferne zu hören. Mit Tatütata holte die Woltersdorfer Feuerwehr mit allen Fahrzeugen, die sie hat, verstärkt durch die Feuerwehren von Erkner und Schöneiche ihren Gemeindebrandmeister Ralph Utecht von seinem Arbeitsplatz im Rathaus ab.

Es waren sehr emotionale Momente. Ralph Utecht konnte Tränen der Rührung nicht unterdrücken. Er umarmte und dankte viele seiner Kameraden, die ihn auf seinen 25-jährigen Weg in der Feuerwehr begleitet hatten. Caroline Lange hielt eine kleine Ansprache, in der sie zu Ralph Utecht sagte, dass das heute nicht der letzte Tag ist, sondern der Vorletzte als Gemeindebrandmeister und deshalb wollen ihn seine Kameraden auf seiner vorletzten Reise zur Wache begleiten. Sie bat ihn im Namen aller Kameraden darum, dass er ihnen weiter als Einsatzkamerad und Ratgeber zur Seite stehen möge. Ralph Utecht versprach es ihnen. Dann überreichte Caroline Lange ihm seinen seit langen verschwundenen Helm mit den Worten: „Da haste ihn wieder, er ist nicht weg.“

Ralph Utecht wurde zuerst mit dem Feuerwehr-PKW zur Wache gefahren. Dann setzte sich die Feuerwehrkolonne wieder unter lautem Tatütata und Blaulicht in Bewegung zur Feuerwehrwache. Die Parade der vielen Feuerwehrautos vor die Wache nahm Ralph Utecht auf einem Stuhl sitzen ab.

Caroline Lange erklärte, dass sie sich eine so schöne Rede überlegt habe, aber die emotionalen Reaktionen von Ralph Utecht habe sie völlig aus dem Konzept gebracht. Dann erklärte sie noch einmal: „Dass das kein Abschied sein soll, sondern ein Neuanfang oder Neustart. Herzlich willkommen in der Einsatztruppe, und dass Ralph sie weiterhin auch viel unterstütze, als Kraftfahrer. Ein großer Dank an alle Kameraden, die heute so mitgeholfen haben, dass das hier heute so möglich war.“ Dann überreichte sie Ralph Utecht einen Blumenstrauß und einen Umschlag.

Ralph Utecht kämpfte mit den aufkommenden Gefühlen, bis er reden konnte: „Was soll man nach so langer Zeit sagen. Angefangen habe ich glaube ich 1976 in der Jugendfeuerwehr, noch unter Ediths Tochter, die glaube ich auch ihren achten Todestag in den nächsten Tagen hat, wo er auch selber beigewesen war. Er muss eigentlich Danke sagen, bei Ediths Tochter, der Familie, Maxe Süß seinem Vorgänger als Feuerwehrchef, Atze Behrendt, der Vorgänger von Maxe. Man sieht, man muss nicht Feuerwehrchef sein, um bei der Feuerwehr lange bleiben zu dürfen. Ansonsten möchte ich sagen, recht herzlichen Dank für die lange Zeit, ich möchte meinem Freund Wolfgang Höhne danken, für die unwahrscheinlich wahnsinnige Zeit von 1990 und aufwärts, wo wir sonntags im Büro gesessen haben, er im Rathaus, ich bei der Feuerwehr und reichlich zu tun hatten. Michael Pieper, ein großer Mentor meiner Zeit, auch ihm recht herzlichen Dank. Ebenso an die Kameraden; Danke für die schöne Zeit. Ich habe jeden Tag genossen, doch damit -heute- habe ich nicht gerechnet. Es ist versprochen, ich stehe zu weiter jedem Kameraden, werde immer da sein, wer auch immer Probleme hat. Ich habe es gesehen, als ich in den letzten Tagen Besuch zu Hause hatte. Wer kommt, kommt einfach, ihr seit immer herzlich willkommen. Ansonsten, was soll ich sagen, ich mag Euch alle und freue mich in der Feuerwehr sein zu dürfen und über die enge Zusammenarbeit mit Schöneiche. Die alten Herren habe mich auch ein Leben lang begleitet und bei Erkner ist es nicht anders. Dazu fällt mir heute noch eine neue Drehleiter und eine alte Feuerwehrwache eim. Da haben wir übereinandergestapelt gesessen. Die erste Zusammenarbeit fing 1992/93 an, das waren wilde Zeiten gewesen. Ich kann nur sagen für jeden Tag Dankeschön. Recht herzlichen Dank für alles.“

Damit war es aber für Ralph Utecht noch nicht vorbei. Es lauerte noch eine Überraschung hinter der Feuerwehr. Die Kameraden hatten dort einen offenen Container mit Folie ausgelegt und mit Wasser gefüllt. Als Einstieg fungierten zwei zusammengebundenen Leitern.

Dorthin wurde nun Ralph Utecht geführt. Es handelt sich dabei, so Ralph Utecht, um eine Tradition aus DDR-Zeiten. Damals war es so, dass, wenn man befördert wurde zum Gruppenführer, Zugführer oder Wehrführer, ein Bad nehmen musste. Ist aber heute nicht und wollte wissen, ob er da freiwillig rein muss. Er fragte, ob das Wasser wenigsten angewärmt sei. Er musste in den Container. Bevor er über den Rand des Containers kletterte, durfte er Schuhe und Hemd ausziehen. Unter großem Beifall schwamm er ein paar Züge und wurde dafür mit einem Glas Bier belohnt.

Über den gemütlichen Teil schweigt der Schreiber.

  1. Jenny

    Ich bin etwas irritiert. Wer Ralph Utecht kennt, kann es kaum glauben, dass er, so steht es in der MOZ, sein Amt niedergelegt hat. Weiter steht noch, dass Daniel Lange die Feuerwehr bis Ende Mai kommissarisch leitet. Das bedeutet also, Ralph Utecht hat, wie man so schön sagt, mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt. Ralph Utecht und die Feuerwehr sind eine Einheit. Er hat einmal in einem Gespräch gesagt, dass er die Feuerwehr nur mit einem Zettel am Zeh verlassen würde. Jetzt das, kaum zu glauben. Da muss doch etwas Schwerwiegendes vorgefallen sein, denn die Geschichte mit der Familie, na ja, ging doch immer. Vielleicht sollte da etwas gemacht werden, dass er, wie der alte Kämmerer ja auch, nicht mittragen wollte.

  2. peter Reschenebrg

    Eine Legende geht von Bord, das Schiff wird weiter fahren. Alles Gute für den weiteren Verlauf bei den Kameraden für Ralf.

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