Tram Haltestelle an der Schleuse

Tram Haltestelle an der Schleuse in Woltersdorf

An der Schleuse in Woltersdorf



Vor einigen Wochen, bin ich auf diese Kunst an der Endhaltestelle der Straßenbahn an der Schleuse in Woltersdorf gestoßen. Jetzt bin ich wieder hin und habe einige Fotos von den erfrischenden Bildern mitgenommen.
Es war auch höchste Zeit, ein Schmierfink hatte bereits ein wohl nur von ihm selbst als Kunst wahrgenommenens Graffiti an die Wand der Tram Endstelle gesprüht.

  1. Alte Woltersdorferin

    „Narrenhände beschmieren (nicht nur) Tisch und Wände“, lautet ein Volkssprichwort. Dabei ist es doch egal, ob ein Jugendlicher seine eigenen Farbbüchsen zum Grafittisprühen mitbringt, oder angebliche „Kinder“ von Erwachsenen (mit Rechtskenntnis ?) angestiftet, die bunten Farbresteimer spendiert bekommen und sich an öffentlichen Gebäuden in zentraler Lage zur Erregung öffentlichen Ärgernisses, mit einem scheußlichen Bildmotiv „Mühe geben“. Man kann nicht immer für seine hinterhältigen Zwecke werbewirksam oder entschuldigend die „Kinderchen“ vorschieben; ob man nun öffentlich protestieren, für ein Produkt werben, um Geld betteln oder ein „kinderfreundlicher“ Politiker werden will, dem immer Blümchen überreicht werden muss.

    Ein heller Farbanstrich, aufstellen und leeren der Abfalleimer sowie regelmäßige Reinigung des Wartehäuschens, wären ansehnlicher und einladender.

    1. Bettina

      Ich kann kein öffentliches Ärgernis an dem Wartehäuschen erkennen und auch keine Werbung ( außer für Woltersdorf). Wenn Kinderzeichnungen als öffentliches Ärgernis angesehen werden, leben wir hier schon in einer sehr intoleranten Welt (Dorf), schade.

  2. Bettina

    Hallo,
    Im Gegensatz zu den anderen Meinungen finde ich die Gestaltung der Haltestelle gut. Das die Gestaltung Kinder gemacht haben, sieht man doch. Warum soll diese Tatsache schlecht sein, warum muss man die Bilder schlecht reden? Damit verschrecken wir nur unsere Kinder, die auch zur Gestaltung unseres Ortes was beitragen wollen und zeigt Ihnen die Wertschätzung ihrer Arbeit. Was die Gestaltung der Haltestelle mit Pionieren zu tun hat, erschließt sich mir auch nicht ( ich war Pionier und habe keine Haltestelle oder ähnliches bemalt).

    1. U. B.

      Ich stimme dem Beitrag von Bettina zu und freue mich, dass Sie, lieber Bernd, die Gestaltung der Wartehäuser nicht ganz ablehnen und die kleinen Werke der Kinder auch interessant finden.

  3. Alte Woltersdorferin

    Also, wer hat denn nun tatsächlich diese Wartehauswände mit bunter Farbe beschmiert ? Kennt man denn diese bezahlten (?), beauftragten (?), geduldeten (?), Sachbeschädiger als selbsternannte „Künstler“ ?

    Mein realistisches Kunstempfinden sagt mir beim unfreiwillig längerem Betrachten (man hat ja keine Scheuklappen auf, wenn man auf die Straßenbahn wartet oder in ihr sitzt): Diese „Künstler“ der Naiven Malerei verstehen eher was von Selbstdarstellung und Kunst der Vermarktung, als von betrachtenswerter, ästhetischer Kunst. Oftmals sind es auch die dummdreisten Versuche eines nach mehr Aufmerksamkeit lechzenden Egomanen, dem jede freien Wand des öffentlichen Raumes als seine Malerstaffelei dienen muss.
    Solche primitive Kindergarten-Farbverteilung erinnert mich aber auch an die gerahmte Kleckserei, die mal das Treppenhaus des Kulturvereins „Alte Schule“ verunstalteten und kein Schülerprojekt waren, sondern Ausstellungsstücke einer talentlosen Frau (der unbekannte Name ist mir wieder entfallen), die als „Künstlerin“ sogar noch die Lokalpresse bemühte.

    Wen oder was sollen denn in der Straßenbahnhaltestelle (an der Schleuse) diese eingeschleusten Kasperletheaterfiguren nun mit den fehlenden Unterleibern darstellen ? Etwa von der Gastronomie ersehnte Touristengeister, fremde Schreckgespenster vom anderen Ufer, halbe Gäste, Ansiedler mit Rückreise-Paddelboot ? … Oder ist es eine Schleichwerbung für die dahinter immer noch leerstehenden Wohngebäude ? Also, für teure, wassernahe Behausungen, in denen bald die muffig riechende Kellernässe die Wände hinauf kriechen wird, weil sie nicht an 365 Tagen 24 Stunden lang trocken geheizt und belüftet werden können ? – Fragen über Fragen. *grübel, grübel*

  4. Friedrich

    Das Erscheinungsbild der Haltestelle erinnert mich an die Umgebung der Betonghettos in den Vororten von Paris.
    Von Eleganz keine Spur.

  5. U. B.

    Ganz so sehe ich die Malerei an den Wartehäusern nicht, es ist doch immer mit dem Auge des Betrachters zu sehen. Das das als Schmierereien betrachtet wird, haben die Schulklassen nicht verdient, die sich doch Mühe gegeben haben. Es sind teilweise recht interessante Motive.
    Dem „Grins“ kann ich nur zustimmen zu den drei hässlichen Bauten an der Schleuse, die dem historischen Charakter überhaupt nicht entsprechen.

    1. Bernds Journal

      Liebe/r U.B.
      die Kinder der Schulklassen haben es bestimmt nicht verdient, da stimmen wir völlig überein. Ich mag die Bilder ganz gerne, wenn es nur um den Malspaß der Kinder gehtg. Die jungen Künstler malten bestimmt voll Inbrunst ihre altersgerechten Werke. Die Kritik bezieht sich auch nicht auf sie, sie ist an die gerichtet die Kinder für ihre Zwecke einsetzen.

  6. Alte Woltersdorferin

    Hallo, „PT66“, nach dem wir nun gegrinst, mit dem Kopf fassungslos geschüttelt oder gar uns geärgert haben, mal in die Runde gefragt: Passt diese primitive Naive Malerei auch zum Baustil der rundum stehenden Gebäude ? Was sagt denn der Woltersdorfer Verschönerungsverein „Kranichsberg“ e.V. zum derartigen Stilbruch ? Würde sich unser weltweit bekannter Woltersdorfer Künstler der Jugendstilepoche, Fidus, nicht im Grabe rotieren und Gott um Auferstehung bitten, auf dass er diesen Kultur-Frevel korrigieren dürfe ?

    Über „Das Woltersdorf der Zukunft“ schrieb Edwin Wilhelmi vor dem 1. Weltkrieg, im Frühjahr 1914: „Einen ungefähren Ausblick in die Zukunft unseres Ortes hat man beim Betrachten des neuen generellen Bebauungsplanes, der nach neuzeitlichen Grundsätzen ausgearbeitet worden ist und Grünstreifen, Wander-, Reit- und Strandwege, Spielplätze und eine Aufteilung nach Maßgabe der Geländeverhältnisse vorsieht, nicht reißbrettartig, wie es früher leider so oft geschah. … Sorgen wir vor allem dafür, dass es s c h ö n bebaut wird. In dieser Hinsicht sind früher manche Fehler gemacht worden, aber seit Einrichtung einer Bauberatungsstelle durch die Gemeinde ist ihre Wiederholung nicht mehr zu befürchten.“ – Welch ein Optimist, dieser Herr Wilhelmi ! Nunja, früher hörten die Angestellten des Gemeindeamtes noch auf ihre Bürger, die sie ja mit ihren Steuern bezahlten. Hörten insbesondere auf die Mitglieder eines Woltersdorfer Vereines, der sich hauptsächlich die Verschönerung ihres Heimatortes auf die Vereinsfahne geschrieben hatte. Dieser Verein also großes Mitspracherecht bei der Ortsgestaltung bekam, bei der Naturschönheit und ästhetischen Kultur „sich die Hände reichen !“ Sodass bspw. auch (vor dem I. Weltkrieg) die damalige „Schönblick-Bau-Gesellschaft“ ihre potentiellen Kunden bewarb mit: „Bauten jeder Art werden konstruktiv gut und ästhetisch schön ausgeführt.“ Es wurde also nicht nur zweckmäßig gebaut, sondern auch schön und ästhetisch gestaltet. Vereinzelt kann man diese ästhetischen schönen Kunstbauwerke vergangener Baustilepochen heutzutage noch bewundern.
    Allein schon die Namensgebungen von Verein, Ortsteil und Baugesellschaft in Woltersdorf kündeten mit ihrem Wortteil „-schön-“ ihre Wertlegung an: Erhalt und Einbindung in die Ortsgestaltung natürlicher Schönheit, ästhetischer Bau- und Gestaltungsstil, schönes Wohnen in der ländlichen Natur.

    Dass nun weniger schöne, also triste Fassaden oder Wände von wahren (!) Künstlern bspw. in Erkner und Rüdersdorf, auch Woltersdorf gestaltetet wurden/werden, ist als Augenweide des Betrachters eine echte Verschönerung. Ich kann es aber nicht gut und richtig heißen, dass ganze Schulklassen in ihren Projektwochen Wände oder Fassaden öffentlicher Gebäude mit Farbbeschmierung verunstalten dürfen, um der „verarmten“ Gemeinde (mit einem mehrfach Millionensparvermögen), einen professionellen Maler zu ersparen. Und frage, ob es (mal abgesehen vom guten Geschmack) auch rechtmäßig sei ?
    Es ist auch peinlich, wenn ein Möchtegernkünstler sich mit Naiver Malerei an öffentlichen Fassaden/Gebäuden „verewigen“ möchte. Das halte ich so, wie eine hässliche Grafitti-Sprüherei, für eine Provokation gegen den ästhetischen Geschmack, falls es nicht juristisch schon unter Sachbeschädigung fällt.

    Aber, mit Blick auf die drei hässlichen, deplazierten Gebäude, die unmittelbar hinter dem Wartehäuschen mit Baugenehmigung seitens des Woltersdorfer Bauamtes errichtet werden durften und dem touristisch attraktivem Schleusenbereich somit ein entartetes Ansehen bieten, zum Ärger der Woltersdorfer, zum Gespött der Touristen, passt das Hässliche wiederum schon „schön“ zusammen. *grins, grins*

    1. Bernds-Journal

      Liebe ‚Alte Woltersdorferin‘ endlich, endlich hat jemand gesagt, was gesagt werden musste. Die Schmierereien passen zu unserem, seit Vogel, verhäßlichten Woltersdorf und sie passen zu den grandios scheußlichen Betonklötzern, die ein Wohlmeinender als menschliche Wohnstätten identifziert haben soll.
      Die neuen ‚Kunstwerke‘ in der Haltestelle an der Schleuse passen dennoch zum „NEUEN“ Woltersdorf, wie die Faust aufs Auge. Es begann mit einem Bürgermeister, der sich für einen Künstler hielt und einer Pionierleiterin, die sich wohl als Universalkünstlerin begreift. Die künstlerische Tradition im Amt wird nun von unserer Bürgermeisterin und ebenfalls Künstlerin weiter gepflegt.

      Den Start in eine bunte Haltestellenwelt erlebten wir an und in der Haltestelle am Thälmannplatz. Naive Kunst, satt und pur, mich erinnerten die Darstellungen an die DDR und Pionierleiter mit begeistert vor sich hinklierenden Jungen Pionieren, die alles für den Weltfrieden in viel, ganz viel -Bunt- absaufen ließen.
      Dann kam der Naturerlebnisgarten an der Heidelberger Straße. Als ich ihn vor langer Zeit besichtigte, war der Teich mit einer eklig aussehenden grünen Soße bedeckt und ein alter Autoreifen fristete gleich daneben ein kümmerliches Dasein. In diesem März war ich wieder einmal da, an dem Bild hat sich nichts verändert. Alles sah noch trostloser aus, als im letzten Jahr. Gelohnt hat sich die Investition ‚Naturerlebnisgarten‘ dennoch, jedenfalls für den Investor. Sein vorhabenbezogener Bebauungsplan wurde in einen stinknormalen Bebauungsplan umgewandelt und nun kann parzelliert und nach Herzenslust gebaut werden. Im täglichen Nachtgebet des Investors wird wohl dem Herrn gegenüber dem segenspendenden WBF besonders oft gedankt.
      Dann kamen die „Drei Häßlichen“ an der Schleuse. Ganz klar erkennbar, ging es den Ortsgestaltern darum, ein Zeichen zu setzen. Ein Signal, wie zerstört man wirkungvoll ein Ausflugsziel. Dieses muss wohl noch nicht gänzlich gelungen sein. Eine kleine Zugabe fehlte noch. An der Haltestelle versammeln sich doch viele Besucher, da müssen wir ansetzen und so geschah es. Wir leben in Woltersdorf in einem neuen Kunstzeitalter, im wiederbelebten Kunststil der ‚Jungen Pioniere‘ – Seit bereit – immer bereit- mit dem quietschbunten Pinsel für die Glorie unserer Heimat.

      Ich hoffe für die Zukunft noch auf viele weitere Pionier-Kunstwerke und baulichen Einheitsfraß, dann kann ich vielleich, so Gott will, in einigen Jahren darüber eine erbauliche Ausstellung zusammenstellen.

      In dem Sinne verbleibe ich Euch mit bunten Grüßen
      Bernds-Journal

  7. U. B.

    Im Wartehaus am Thälmannplatz gibt es ebenfalls schöne Wandgemälde. Alle zusammen, die vom Halteplatz an der Schleuse und Thälmannplatz, würden eine schöne Ausstellung ergeben.

  8. Alte Woltersdorferin

    Naja. Jetzt fehlen nur noch zwei Wand-Mülleimer, in signalrot. 🙂

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